Wermelskirchen Schmallenberg-Virus: Sechs Lämmer gestorben

Wermelskirchen · In Wermelskirchen sind mit höchster Wahrscheinlichkeit sechs Lämmer an dem sogenannten Schmallenberg-Virus gestorben. Die Tiere waren bereits tot, als sie in Unterhebbinghausen auf dem Hof von Christoph Reitz zur Welt kamen.

Der 24-jährige Landwirt war schockiert. Bei den ersten beiden Mutterschafen seien die Lämmer kerngesund gewesen, das dritte Schaf habe zwei missgebildete zur Welt gebracht. "Bei Tieren kann es immer mal eine Fehlgeburt geben, als aber bei einem weiteren Muttertier die Neugeborenen tot zur Welt kamen, war klar, dass etwas nicht stimmt", erzählt Reitz im Gespräch mit der BM.

Der Landwirt wollte Gewissheit haben und informierte das Kreisveterinäramt. Das holte gestern Morgen die toten Tiere ab und brachte sie zum Staatlichen Veterinär-Untersuchungsamt nach Krefeld. Reitz: "Es ist sehr offensichtlich, dass es sich um das Schmallenberg-Virus handelt." Das Schmallenberg-Virus (Orthobanya-Virus) ähnelt einem Virus, das in Afrika auftritt, erklärt Alexander Schiele, stellvertretender Pressesprecher des Rheinisch-Bergischen Kreises. Es führt bei den Lämmern zu Missbildungen an Knochen und Gelenken, die Tiere kommen mit einem verkrümmten Hals und versteiften Gliedmaßen zur Welt — in manchen Fällen (wie in Unterhebbinghausen) sterben sie bereits vor der Geburt. "Die Infektion erfolgt im Spätsommer durch den Stich einer bestimmten Mücke. Die Muttertiere leiden kurzzeitig an Fieber, Durchfall und Milchrückgang", erklärt Schiele. Die Spätfolgen der Infektion seien erst jetzt spürbar, wenn die Jungtiere geboren werden.

Neben dem Vorfall in Unterhebbinghausen gibt es im Kreis noch einen weiteren Verdachtsfall des Schmallenberg-Virus, man rechnet mit weiteren Meldungen. Im Februar findet eine Sitzung mit Vertretern der Kreisveterinärämter statt, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. "Ziel ist, bis zum Sommer einen Impfstoff zu entwickeln", sagt der Sprecher. Für Menschen ist das Virus ungefährlich. Und auch die Tiere sind momentan in Sicherheit, "die Infektionszeit ist im Sommer", sagt Schiele.

Christoph Reitz, der 35 Mutterschafe und zurzeit 30 gesunde Lämmer auf seinem Hof hält, musste sich von dem Schock der Totgeburten erst mal erholen. "Ich lebe nicht von der Schafhaltung, sondern von der Pferdehaltung. Trotzdem stecke ich viel Zeit und Energie in dieses Hobby. Wenn man so etwas erlebt, ist das sehr frustrierend", sagt der 24-Jährige. Vollkommen beruhigt ist er noch nicht. Reitz: "Vier Schafe ,lammen' in den nächsten Tagen noch. Ich hoffe, dass die Neugeborenen alle gesund sein werden."

(RP/rl)
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