Verkehr in Wermelskirchen „Balkan-Express“ soll an der Trasse als Straßenbahn rollen

Wermelskirchen · Eine Machbarkeitsstudie wird die Aspekte einer Reaktivierung des Schienenverkehrs zwischen Opladen und Lennep mit Stationen in Wermelskirchen und Burscheid untersuchen. Eine Variante könnte die Straßenbahn mitten durch die Wermelskirchener Innenstadt führen.

Der „Balkan-Express“, hier ein Foto aus dem Ende der 1980er-Jahre, soll wieder rollen: in Form einer Straßenbahn.

Der „Balkan-Express“, hier ein Foto aus dem Ende der 1980er-Jahre, soll wieder rollen: in Form einer Straßenbahn.

Foto: Marko Lauten

In Form einer Straßenbahn soll der Schienenverkehr entlang der Balkantrasse zwischen Opladen und Lennep mit Stopp in Wermelskirchen wieder belebt werden. Ob sich diese Reaktivierung des 1997 stillgelegten Schienenverkehrs auf dieser Strecke umsetzen lässt, wird eine Machbarkeitsstudie prüfen. Dafür befinde sich derzeit die Ausschreibung in der Finalisierung. Das Erstellen der Studie werde nach der Vergabe des Auftrags etwa 15 Monate in Anspruch nehmen. Diesen Zwischenstand in Sachen „Balkan-Express“ erläuterte der Sachgebietsleiter für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bei der Rhein-Berg-Kreisverwaltung, Benjamin Rombelsheim, auf der jüngsten Sitzung des Wermelskirchener Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr.

Demnach geht der Rheinisch-Bergische Kreis von Kosten für die Machbarkeitsstudie von 140.000 Euro aus. „Wir hoffen, dass wir damit auskommen“, blickte Benjamin Rombelsheim aus. Aufgeteilt wird der Betrag zu gleichen Teilen auf die Städte Remscheid und Leverkusen, den Rheinisch-Bergischen Kreis sowie den Zweckverband „go.Rheinland“. Dieses Quartett bildet gemeinsam mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in beratender Funktion einen Steuerungskreis zur Reaktivierung des Schienenverkehrs auf der Balkantrasse.

Auf Basis eines Kreistagsbeschlusses von Ende 2021 hatte der Steuerungskreis im Mai 2022 eine VDV-Kurzstudie „Regelquerschnitte für die Kombination von Schienenverkehr mit Rad- und Fußverkehr“ beauftragt. Deren Ergebnis bilanzierte der Sachgebietsleiter: „Eine elektrifizierte, eingleisige Straßenbahn ist der Favorit.“ Der Grund: Diese Form des Schienenverkehrs benötige weniger Platz. Als Beispiel diene das sogenannte „Karlsruher Modell“.

Benjamin Rombelsheim skizzierte weitere Vorgaben, die die Machbarkeitsstudie berücksichtigen soll: Trassierung, Haltestellen, Zugangs- und Querungsmöglichkeiten sowie Grundbesitzfragen. Laut diesen Vorgaben soll die Machbarkeitsstudie in vier Abschnitte anhand der möglichen Trassenführung unterteilt sein. Während die Streckenführung zwischen Opladen und Wermelskirchen-Innenstadt, Höhe Grüne Straße, als gesetzt gilt, muss die Machbarkeitsstudie für die Wermelskirchener Innenstadt zwei Optionen für die Trassenführung der Straßenbahn in Augenschein nehmen: zum einen den Ursprungsverlauf, zum anderen einen Verlauf durch die Innenstadt. Den Abschnitt Bergisch Born soll die Machbarkeitsstudie ebenso mit zwei Varianten untersuchen: den Ursprungsverlauf und den bei einer möglichen Realisierung einer B 51n. Zwei Varianten fordert der Steuerungskreis auch für die Strecke zwischen Bergisch Born und Lennep. Da gilt es die Führung auf der ursprünglichen Trasse genauso zu untersuchen, wie eine Führung über Trecknase zur verbesserten Erschließung von Industrie, Gewerbe und Wohnen.

„Die Machbarkeitsstudie wird genauso Natur-, Wasser- oder andere Schutzaspekte mit gegebenenfalls notwendigen Ausgleichsmaßnahmen berücksichtigen“, erläuterte Benjamin Rombelsheim, der weiter darstellte: „Die Investitions- und Planungskosten soll die Machbarkeitsstudie nach Abschnitten und Varianten aufschlüsseln, um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen.“ Zusätzlich sei vorgesehen, dass die Studie alternative Antriebe für die Straßenbahn mit Blick auf technische Machbarkeit und Kosten sowie mögliche Netz-Erweiterungen über die Strecke zwischen Opladen und Lennep hinaus unter die Lupe nimmt.

Der ÖPNV und die damit verbundenen Entwicklungstendenzen, das künftige Verkehrsaufkommen und das Verlagerungspotenzial, das sich durch den „Balkan-Express“ möglicherweise ergibt, muss die Machbarkeitsstudie ermitteln – nicht zuletzt eine Einordnung in den Kontext von Mobilitätswende und Klimaschutz. „Die Ermittlung einer Vorzugsvariante inklusive Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Umsetzungskonzept muss das Ziel der Machbarkeitsstudie sein – in enger Abstimmung mit dem Steuerungskreis“, resümierte Benjamin Rombelsheim, der versprach: „Die Städte Wermelskirchen und Burscheid werden als Anlieger der Trasse fortlaufend informiert.“ Und der Steuerungskreis verfolge das Vorhaben, die Reaktivierung des „Balkan-Expresses“ als „Leuchtturm-Projekt“ im politischen Raum auf Landesebene zu platzieren.