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Scheidende Musikschulleiterin in Wermelskirchen kritisiert Politik​

Kultur in Wermelskirchen : Scheidende Musikschulleiterin kritisiert Politik

Celia Spielmann wirft angesichts der politischen Diskussionen um die finanzielle Unterstützung hin. Es ginge nur noch um Zahlen und nicht mehr um Musikpädagogik.

Die Leiterin der Wermelskirchener Musikschule, Celia Spielmann, wirft hin. Dabei lässt die 42-Jährige kein gutes Haar an den politischen Diskussionen um die finanzielle Unterstützung der Musikschule seitens der Stadt. Diese hatten sich langwierig mit Verschiebungen wegen Beratungsbedarf von einer Sitzung in die nächste hinzogen (wir berichteten). Ihre Entscheidung, Wermelskirchen zu verlassen, führt die Musikschulleiterin konkret darauf zurück: „Die vergangenen Wochen und Monate haben mir gezeigt, dass das, was wir tun, nicht so einen hohen Stellenwert – das kann ich mit mir nicht vereinbaren.“

Ihr sei die Entscheidung schwer gefallen, sagt Celia Spielmann im Gespräch mit unserer Redaktion, denn: „Da hängt mein Herz dran. Man übernimmt ja so ein Haus und hat dabei Zukunftsvisionen.“ Sie habe in der Wermelskirchener Musikschule gute, engagierte Mitstreiter angetroffen. Aber: „Da wird ernsthaft von Seiten der Kommunalpolitik nachgefragt wird, ob die Arbeit nicht ehrenamtlich gemacht werden könnte – auf solch einem Niveau diskutiere ich nicht.“ Die politischen Entscheidungen machten deutlich, dass es nur noch um Zahlen und nicht um Musikpädagogik ginge: „Die Aufgabe soll ja wohl sein, noch weiter den Rotstift anzusetzen. Aber ich bin nicht angetreten, um die Musikschule noch weiter herunter zu fahren, als sie eh schon ist.“ Da gäbe es anderswo Stellen, wo das anders gesehen werde.

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Wohin es Celia Spielmann beruflich zieht, will sie wegen des noch nicht gänzlich abgeschlossenen Verfahrens für ihre neue Stelle, nicht sagen. Fakt ist: Die Musikschulleitung ist nach den Sommerschulferien vakant, die Stelle bereits ausgeschrieben, wie Anke Schopphoff, Vorsitzende des Musikschulvereins, bestätigt: „Für uns ist das ein Schlag ins Kontor – das ist schlimm.“ Vor allem fürchtet die Vorsitzende des Trägervereins, der Arbeitgeber der festangestellten Musikschulleitung ist, dass sich angesichts der Diskussionen um das liebe Geld schwer eine Nachfolge für Celia Spielmann finden wird: „Wir müssen einen Plan B schmieden, was wir bisher noch nie mussten.“ Die Situation sei nicht gut für den Musikschulverein, aber er würde – wie immer – das Beste daraus machen.

Celia Spielmann hatte in 2020, mitten in von Lockdowns geprägter Zeit, die Musikschulleitung von David Hecker übernommen, der nach Bonn gewechselt war. „Damals haben wir die Nachfolgerin schnell gefunden“, erinnert Anke Schopphoff: „Trotz des Starts in schwieriger Corona-Zeit hat Celia Spielmann sehr gute Arbeit geleistet. Ihr Weggang ist sehr schade, wenngleich der Grund dafür nachvollziehbar ist. Ich hätte an ihrer Stelle wahrscheinlich die gleiche Konsequenz gezogen.“ Für Schopphoff steht fest: „Diese Entscheidung wäre so nicht getroffen worden, wenn wir das Gefühl hätten, von allen Seiten unterstützt zu werden. Stattdessen herrscht eher das Gefühl vor, dass etwas falsch läuft.“

„Wir schämen uns für das unwürdige Verfahren und bedauern die Folgen für eine der Säulen des pädagogischen und kulturellen Angebots in unserer Stadt“, reagiert Jochen Bilstein auf die Kündigung von Musikschulleiterin Celia Spielmann. Der SPD-Fraktionschef, der auch Vorsitzender des Schulausschusses ist, betont: „Zu kritisieren ist, dass die Gegner des SPD-Grünen-Antrags mit keinem Wort auf das Leistungsspektrum der Schule eingegangen sind.“ Auch sei völlig unberücksichtigt geblieben, welche erheblichen Vorteile die Stadt aus der Vereinslösung ziehe, die wesentlich günstiger sei, als selbst Träger einer Musikschule zu sein.