Wermelskirchen: Schadstoffbelastung verzögert Projekte

Wermelskirchen: Schadstoffbelastung verzögert Projekte

In der Decke eines Raumes in der Katholischen Grundschule ist bei Untersuchungen Asbest entdeckt worden. Auch in der Dreslerschen Halle wurde Asbest in der Außenfassade nachgewiesen. Jetzt werden Sanierungskonzepte erarbeitet.

In früheren Jahrzehnten wurden sorglos manche Baustoffe verwendet, die zwar viele Vorteile haben, aber gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten. Asbest gehört dazu. In zwei Objekten hat die Stadt nun diesen Schadstoff entdeckt: im Dachgeschoss der Katholischen Grundschule an der Schillerstraße und im Außenputz sowie im Fensterkitt der Dreslerschen Halle. Dort wurden außerdem PCB, ebenfalls im Fensterkitt, und PAK, das sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, in der Dacheindeckung entdeckt.

Sanierungsfälle: % In der Decke zwischen Ober- und Dachgeschoss eines Raumes der KGS wurde durch Proben Asbest nachgewiesen. ' Auch in der Außenfassade der alten Dreslerschen Halle wurde Asbest entdeckt. Foto: Solveig Pudelski

"Keine einzige Asbest-Faser darf das Gelände oder das Gebäude verlassen. Wir wollen auf Nummer sicher gehen und äußerste Vorsicht walten lassen", sagte der Technische Beigeordnete, Thomas Marner, zu dem Umgang mit den Altlasten bei Probenentnahmen und der Entsorgung im Gespräch mit dieser Redaktion. Außerdem werde alles genau dokumentiert. Das sind die wichtigsten Fakten.

Wie wurden die Schadstoffe in der katholischen Schule entdeckt? Um die geplanten Umbauarbeiten im Dachgeschoss vorzubereiten, wurden am 26. April an verschiedenen Punkten Proben entnommen und auf Schadstoffbelastung untersucht. Dazu wurden auch kleine Löcher in die Decke gebohrt. "Bei älteren Gebäuden muss man immer damit rechnen", sagte Hartwig Schüngel, Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Bereits am anderen Tag teilte das Gutachterbüro mit, dass in der Decke eines Raumes über dem Obergeschoss und in Fliesenklebern in einer Küchenecke Asbest nachgewiesen wurde. Die Räume standen leer, wurden also nicht genutzt.

Können sich bei der Probenentnahme Asbestfasern gelöst haben? Theoretisch ja, aber um auf Nummer sicher zu gehen, wie Thomas Marner betonte, dass keine Fasern verschleppt wurden, wurde der betroffene Gebäudeteil am 27. April gesperrt. Am Montag darauf wurde das Erdgeschoss gereinigt und eine Schleuse zum Obergeschoss aufgebaut.

Nach dem Maifeiertag wurde im Erdgeschoss die Raumluft untersucht. Ergebnis: keine Asbestfasern enthalten. "Niemand hatte Kontakt zum Schwarzbereich, also zum betroffenen Bereich", sagte Hartwig Schüngel. Am 3. Mai wurde die Schule wieder freigegeben.

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Wie geht es weiter? Ein Fachgutachter wird ein Rückbau- und Entsorgungskonzept erstellen, aus dem hervorgeht, wie die Schadstoffe entfernt und entsorgt werden. "Die kontaminierte Decke zwischen Ober- und Dachgeschoss muss entfernt werden", sagte Schüngel. Er hoffe, dass die Arbeiten möglichst während der Sommerferien laufen können.

Sind die Folgen für den Kosten- und Zeitplan absehbar? Nein, aber fest steht, dass sich der Umbau zeitlich verzögert. Wie hoch die Gesamtkosten durch die Schadstoffsanierung liegen werden, lasse sich noch nicht abschätzen. Zuschüsse von Land und Bund gebe es aber nicht, sagte Marner.

Welche Teile der Dreslerschen Halle enthalten Schadstoffe? Weil die Halle aus den 1950er Jahren zum großen Teil abgerissen werden soll, wurden auch hier Proben der Bausubstanz entnommen und untersucht. Das Ergebnis: Es wurde im Außenputz Asbest entdeckt, weitere Proben ergaben, dass diese nur im Außenputz der alten Halle steckt, nicht im Innenputz oder im Anbau. Im Fensterkitt der Außenfenster wurden Asbest und PCB nachgewiesen. In der Dacheindeckung, in der Teerpappe, stecken PAK.

Wie werden die Schadstoffe beseitigt? Auch hierzu muss ein Fachbüro ein Rückbau- und Entsorgungskonzept erarbeiten, das ebenso beschreibt, wie die Schadstoffe entfernt und entsorgt werden. Die Verwaltung geht davon aus, dass der Gutachter Alternativen zu einer kompletten Einhausung der Halle während der Asbestsanierung, ein kostenträchtiges Verfahren, aufzeigt. Nach Angaben von Hartwig Schüngel gibt es Verfahren, bei dem Asbest während der Beseitigung gebunden und sogleich abgesaugt wird. Einfacher seien der belastete Fensterkitt und die PAK-haltige Teerpappe zu beseitigen.

Welche Folgen hat der Schadstofffund? Rund 40.000 Euro hatte die Stadt vorsorglich für eine mögliche Schadstoffbeseitigung eingeplant. Diese könnte mehr kosten. Die geplante Maßnahme wird sich verzögern, der Abbruch wird später erfolgen als geplant. Marner schätzt: "Nicht unter einem Vierteljahr." Ein Teil der Halle, der vom AJZ Bahndamm genutzt wird, bleibt stehen. Das Abbruchmaterial des Betons kann nicht - wie sonst üblich - zerkleinert und wiederverwertet werden. Es wurde in eine Klasse eingestuft, die dies nicht erlaubt, weil Grenzwerte von Schadstoffen überschritten werden. Die Asbest-Sanierungsarbeiten und die Entsorgung müsse zudem bei der Bezirksregierung angezeigt werden. Sie hat die oberste Kontrolle. "Wir müssen eine lückenlose Entsorgungskette nachweisen", sagte Marner. Der geplante Parkplatz auf dem Gelände, der als Ersatz für die auf dem Loches-Platz wegfallenden Stellplätze dienen soll, werde dennoch rechtzeitig fertiggestellt. Die eigentlichen Bauarbeiten auf dem Loches-Platz beginnen erst 2019.

(pd)
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