Wermelskirchen: Saubere Stadt als Bürgerpflicht

Wermelskirchen : Saubere Stadt als Bürgerpflicht

Das traditionelle Großreinemachen der Verkehrs- und Verschönerungsvereine steht angesicht der Finanznöte der Stadt unter einem besonderen Vorzeichen. Es soll den Bürgern verdeutlichen, dass künftig jeder mit anpacken muss.

Zum großen Frühjahrsputz in der Innenstadt und in den Außenorten rufen bereits zum 38. Mal die Verkehrs- und Verschönerungsvereine auf. Doch diesmal steht die Aktion unter einem besonders brisanten Vorzeichen: Das bürgerschaftliche Engagement, sich selbst auch aktiv um eine saubere und schöne Umgebung zu kümmern, soll und muss angesichts leerer kommunaler Kassen Schule machen.

"Es haben noch nicht alle begriffen, dass wir bei dem hohen Verschuldungstand unserer Stadt alle wieder selbst mit anpacken müssen", betont VVV-Vorsitzender und Büfo-Ratsherr Manfred Schmitz Mohr. Zwar gebe es auch einige positive Ansätze von Nachbarschaftshilfen und Grünflächenpatenschaften. Aber der VVV erlebe es auch immer wieder, dass sich die Bürger zwar darüber freuten, "dass jemand alles so schön sauber macht", nicht aber selbst aktiv würden. "Ich hoffe aber, dass unsere Aktion Schule macht", sagt Schmitz-Mohr.

Fraktionen sind uneins

So hatten sich im vergangenen Jahr mehr als 220 Helfer am "Frühlingsputz" beteiligt und 35 Kubikmeter Müll eingesammelt. Wichtig sei es aber, dass sich über diese punktuelle Aktion hinaus die Menschen auf Dauer wieder verantwortlicher für ihre Umgebung fühlten und durch ihren Einsatz auch zeigten, wünscht sich Schmitz-Mohr. Ein Zeichen setzen will auch WNKUWG-Fraktionsvorsitzender Henning Rehse, der alle Ratsfraktionen zum "Putzmunter-Tag" zu einem gemeinschaftlichen Unkrautjäten auf dem Rathaus-Vorplatz aufgerufen hat. Die Reaktionen sind aber sehr unterschiedlich. Die WNKUWG werde sich mit 15 bis 20 Leuten beteiligen, kündigt Rehse an. Die SPD werde mitmachen, die CDU und die Grünen wollten sich noch äußern. Abgelehnt haben laut Rehse aber Büfo und FDP. Die Begründung: Etliche Büfo-Mitglieder seien an dem Tag bereits in den Verschönerungsvereinen engagiert, teilt Peter Scheben mit. Außerdem halte er das Arbeiten hinter dem Sperrzaun am Rathaus nicht für sinnvoll: "Der Bürgermeister dürfte so etwas gar nicht genehmigen", schreibt Scheben.

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"Genug Beute-Liberale"

"Die FDP hat wegen "anderweitiger Termine" und mit einem Seitenhieb abgesagt: "Wir hätten doch genug Beute-Liberale für die Aktion", gibt Rehse die auf den Parteiwechsel der Güntermanns abzielende Anmerkung wieder. Er bedauere, dass sich nicht alle Fraktionen am gemeinsamen Säubern des Rathausvorplatzes beteiligen wollten. "Wir haben uns gedacht, damit ein Zeichen zu setzen, dass wir Politiker nicht immer nur reden." Es gehe darum, als Bürger nicht immer nur zu jammern, sondern auch mal selbst in seinem Umfeld aktiv zu werden.

(RP)
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