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Sabine Ballsieper arbeitet für das DRK in Wermelskirchen

Wermelskirchen : Sie bietet erste Hilfe für die Seele

Sabine Ballsieper hat Antennen für Menschen. Deshalb hat sie für die Psychosoziale Notfallversorgung weiterbilden lassen.

Der Trubel war groß: Der Wasserstand stieg, alle heimischen Organisationen des Katastrophenschutzes arbeiteten bereits Hand in Hand und das Deutsche Rote Kreuz hatte die Betreuung der Senioren übernommen. Von einem Moment auf den anderen hatten die alten Menschen ihre Wohnungen in der Pflegeinrichtung in Weltersbach verlassen müssen, weil das Wasser stieg. Registrierkarten wurden geschrieben, Getränke gereicht und Angehörige benachrichtigt. „Und dann entdeckte ich die ältere Dame, die ganz alleine am Rande der Gruppe saß“, erzählt Sabine Ballsieper. Die Frau sprach nicht, wirkte völlig ins sich gekehrt, fast apathisch und bat nicht um Hilfe. Das war der Moment, in dem die 38-Jährige innehielt, ihre aktuelle Aufgabe an einen Kollegen abgab und sich zu der Dame setzte.

„Manchmal brauchen diejenigen, die nicht schreien, mehr Hilfe als alle anderen“, sagt Sabine Ballsieper. Und dafür habe sie eine Antenne, für jene Menschen, die stumm leiden. Damals in Weltersbach nahm sie das Blutdruckmessgerät, wandte sich der Dame zu, entwickelte ein vorsichtiges Gespräch. „Manchmal spülen solche Ereignisse gerade bei alten Menschen Erinnerungen wieder hoch“, sagt Sabine Ballsieper, „an Ereignisse, als sie schon mal alles hinter sich lassen mussten.“ Die Dame begann zu erzählen – von ihrem Sohn und ihren Sorgen. „Als sie wieder sprach, merkte ich, dass sie aufhörte, sich in diese Situation hineinzusteigern“, sagt die DRK-Helferin, „das hätte sonst gefährlich werden können.“

Es gibt viele Situationen wie diese, wenn das Deutsche Rote Kreuz ausrückt – beim Sanitätsdienst nach Unfällen, wenn sie Notunterkünfte für Bedürftige bauen und Menschen in Extremsituationen betreuen. Sabine Ballsieper ist dann für die „Erste Hilfe für die Seele“, verantwortlich. „Ich rede einfach gerne mit den Menschen“, sagt sie, „das war schon immer so.“ Und das fiel auch der Führungsebene beim DRK in Wermelskirchen auf. Die zweifache Mutter kümmerte sich um Kollegen, wenn diese an ihre Grenzen stießen. Sie fragte nach und nahm sich Zeit. Und deswegen bat man sie schließlich, sich zu spezialisieren und den Lehrgang für Psychosoziale Notfallversorgung zu besuchen. „Das liegt mir“, sagt Sabine Ballsieper, die seit 22 Jahren unzählige verschiedene Aufgaben beim Deutschen Roten Kreuz übernommen hat. Sie absolvierte also den Lehrgang und ließ sich dafür schulen, vor den ausgebildeten Notfallseelsorgern am Einsatzort zu sein. „Ich komme mit den Menschen ins Gespräch und finde heraus, ob sie einen Notfallseelsorger brauchen“, erklärt Sabine Ballsieper. Kann sie nicht helfen vermittelt sie weiter. Kann sie helfen, nimmt sie sich Zeit – mitten im Trubel.

Dabei gelten Regeln, die die Ehrenamtliche schnell lernte. „Wir sagen nicht: Alles wird gut“, erklärt sie, „wir sagen: Wir kümmern uns.“ Keine falschen Versprechungen, sondern wahre Worte, die zur echten Beruhigung dienen, seien gefragt. Dann schaltet sie das Funkgerät aus und schafft einen Schutzraum. Und auch wenn Kollegen aus einem kräfte- und nervenzehrenden Einsatz zurückkehren, lädt sie zum Gespräch ein. „Ich kann mit meiner Arbeit helfen“, sagt sie, „und das ist der Grund, warum ich sie mache.“