Rund 100 Altreifen illegal im Wald entsorgt

Umweltskandal in Wermelskirchen : Rund 100 Altreifen illegal im Wald entsorgt

Bürger informierten die Stadt über den Fund. Das Fachunternehmen Magney wurde mit der Bergung in unwegsamen Gelände beauftragt.

Ein Umweltskandal in idyllischer Natur: Hunderte Meter weit sind einige Altreifen ins Tal hinab gerollt, die Unbekannte illegal an der Kreisstraße 8 in Unterpohlhausen entsorgt haben. Rund 100 Autoreifen ohne Felgen liegen auf dem steilen Hanggelände überall im Wald verstreut herum, als Ralf Magney am Tatort eintrifft. „Das hier ist eine große Nummer. Hier hat jemand mutwillig, professionell und grob fahrlässig zig alte Pkw-Reifen in den Wald gekippt“, sagt der Inhaber des Fachunternehmens im Gespräch mit dieser Redaktion, die von Passanten über den Bürgermonitor über den Vorfall informiert worden war. Im Auftrag der Stadt beseitigt Magney solche illegalen Müllkippen oder ist als Ölwehr bei Feuerwehreinsätzen aktiv.

An der Fundstelle in Unterpohlhausen hat er auch eine aufgebrochene Geldkassette mit persönlichen Dokumenten entdeckt und die Polizei gerufen. Drei Polizisten nehmen vor Ort erste Ermittlungen auf. Unklar ist, ob es zwischen beiden Funden einen Zusammenhang gibt und ob sich in der Geldkassette brauchbare Hinweise auf mögliche Täter befinden. Magney: „Das kommt eher selten vor, dass die Verursacher persönliche Dinge hinterlassen. Aber wir haben im Müll auch schon Kontoauszüge gefunden.“

Ralf Magney sammelt rund 100 illegal abgekippte Autoreifen in Unterpohlhausen ein und fährt sie zum Betriebshof.. Foto: Solveig Pudelski

Die mögliche Tatzeit ist noch unbekannt. „Wir sind Anfang der Woche von Bürgern angerufen worden, die uns einen Hinweis auf die Altreifen gaben“, sagt Rüdiger Kulartz von der Kämmerei. Am Mittwoch schaute sich ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Fundstelle näher an, „er war überrascht von dieser Größenordnung.“ Das Fachunternehmen Magney wurde gleich mit der Bergung der Abfälle beauftragt.

Sauber von der Felge abgezogen wurden die Reifen. Der Unbekannte sparte sich die Entsorgungskosten. Jetzt ermitteln Polizei und Stadt. Foto: Solveig Pudelski

Ralf Magney trägt Schuhe mit grobem Profil, einen orangefarbenen Arbeitsanzug und Arbeitshandschuhe, als er am Donnerstag zu Werke geht. Auf ihn wartet noch viel körperlich schwere Arbeit. Einen Großteil der Reifen schleppt er teilweise über mehrere hundert Meter weit bis zum Sammelpunkt, wo er die Reifen bündelweise, 30 bis 40 Stück, zusammenkettet. Sein Traktor verfügt zwar über einen Ladekran mit weit ausladendem Arm, dieser reicht aber nicht so weit. Nur wenige Reifen kann er gleich mit der Kette festzurren, um sie dann hinauf zur Fahrbahn zu hieven. „An drei Stellen hat der Übeltäter seine Altreifen wahrscheinlich in drei Nächten abgekippt“, mutmaßt er und deutet auf einen weiteren Haufen alter Reifen weiter unterhalb der Straße. Die Reifen seien professionell von der Felge entfernt worden, über die dafür erforderlichen Geräte verfügen seinen Angaben zufolge nur Reifenhändler und Werkstätten.

An einem Tag werde er die weit verstreuten Altreifen zusammen mit seinem Mitarbeiter nicht bergen können. „Das ist nicht zu schaffen“, so Magney. Am Freitag wird er auf dem unwegsamen Gelände mit der steilen Böschung weitermachen. Die Kosten für diesen Auftrag schätzt er auf eine fünfstellige Summe. Wird der Verursacher nicht ermittelt, müssen die Wermelskirchener Gebührenzahler dafür aufkommen.

Zehn bis 15-mal rückt Ralf Magney wöchentlich aus, um illegal entsorgte Abfälle zu entfernen. Im vergangenen Jahr hatte er ein „Altreifenlager“ in ähnlicher Dimension im Bereich Neuemühle beseitigt. Er gehe davon aus, dass es sich im Fall Unterpohlhausen um eine Straftat handelt. Die Stadt prüfe noch die Vorgehensweise, ergänzte Kulartz.

Auch wenn es die Entsorgung wilden Mülls sein „Geschäft“ ist, wundert sich Ralf Magney über zunehmende illegale Abfallentsorgung in Zeiten wachsenden Umweltbewusstseins. „Seit letztem Jahr stellen Leute häufiger Sperrmüll mitten in der Stadt an die Straße, obwohl sie keine Sperrmüllkarte beantragt haben.“ Auch Grünschnitt, der in Plastiksäcken in den Wald gekippt wird, sei eine üble Masche. Macht ihn das wütend? „Ich mache das schon über 26 Jahren, ich bin nicht mehr frustriert“, meint er achselzuckend und klettert wieder die Böschung hinab.