Amtsgericht in Wermelskirchen Richter stellt Verfahren wegen Beleidigung auf der Kirmes ein

Wermelskirchen · „Betrunkene und Kinder sagen immer die Wahrheit“ – so lautet ein Sprichwort. Das zog der Vorsitzende Richter am Amtsgericht in der Verhandlung gegen zwei Wermelskirchener zu deren Vorteil offensichtlich nicht heran.

 Vor dem Amtsgericht in Wermelskirchen trafen sich zwei Männer, die an Matinee einen über den Durst getrunken hatten. Die Anklage: Beleidigung von Polizeibeamten.

Vor dem Amtsgericht in Wermelskirchen trafen sich zwei Männer, die an Matinee einen über den Durst getrunken hatten. Die Anklage: Beleidigung von Polizeibeamten.

Foto: Tim Kronner

Denn sonst wären die beiden 43 und 49 Jahre alten Männer, die als Angeklagte im Gerichtssaal erschienen waren, wohl nicht so glimpflich davongekommen. Die beiden hatten im volltrunkenen Zustand bei der letztjährigen Kirmes zwei Polizeibeamten lautstark beleidigt – so lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Konkret hätten die beiden Männer am Abend des 27. August, als die letztjährige Matinee sich ihrem Ende zuneigte, an der Ecke Dabringhauser Straße/Eich lautstark die Sätze „ACAB“ – die Abkürzung steht für den englischen Satz „All Cops Are Bastards“, zu deutsch etwa: Alle Bullen sind Bastarde –, „1,3,1,2 – ganz Berlin hasst die Polizei“ und „Die ganze Welt hasst die Polizei“ gegrölt. Polizeibeamte, die gerade an der Dabringhauser Straße im Rahmen einer Schlägerei Personalien aufgenommen hätten, seien daraufhin auf die beiden Männer zugegangen und hätten wiederum bei diesen eine Personenkontrolle vorgenommen sowie Anzeige wegen Beleidigung erstattet.  

Der 43-jährige Krankenpfleger äußerte sich zuerst zu den Vorwürfen und räumte sie grundsätzlich ein. Jedoch bestritt er, gezielte Beleidigungen gegen die anwesenden Polizeibeamten ausgesprochen zu haben. „Ich war sehr stark alkoholisiert, habe bereits nachmittags um 15 Uhr die ersten Biere getrunken. Es war eben Matinee“, sagte der Mann. Später sei er mit seinem Bekannten weiter über die Kirmes gezogen und schließlich in einer Fußballkneipe eingekehrt, in der weitergetrunken wurde. Gegen halb elf Uhr am Abend hätten sie die Kneipe verlassen, laut Lieder singend. „Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was wir gesungen und gerufen haben. Dann haben wir aber das leere Polizeiauto gesehen“, sagte der 43-Jährige. Das sei Anlass für ihn gewesen, den Song der Hamburger Punk-Band Slime mit dem Titel „ACAB“ sowie den Satz „Ganz Berlin hasst die Polizei“ zu grölen. „An den anderen Satz kann ich mich nicht erinnern, ich habe Respekt vor der Polizeiarbeit“, sagte der Krankenpfleger.  

Auch sein 49-jähriger Freund widersprach dem Vorwurf der gezielten Beleidigung: „Wir haben schon die ganze Zeit über Lieder gesungen, das stand in keinem Zusammenhang mit den anwesenden Polizisten.“ Sie hätten nicht die Absicht gehabt, jemanden persönlich zu beleidigen. An dieser Stelle  hakte jedoch der Richter ein: „Ich finde, dass hier völlig zurecht eine Anzeige wegen Beleidigung im Raum steht. Was hätten die Polizisten denn machen sollen? Sich hinstellen und Beifall klatschen?“, fragte er rhetorisch. Und fügte hinzu, dass der Job der Beamten im Rahmen der Kirmes ohnehin ein schwieriger sei, den keiner gerne machen würde. „Ich registriere sehr wohl, dass das aus einer Sufflaune heraus geschehen ist – aber es ist dennoch eine Beleidigung gewesen“, sagte der Richter. 

Positiv bewertete der Richter hingegen, dass die beiden Männer nicht vorbestraft waren und sich geständig sowie reuig zeigten. „Ich möchte Sie nicht verurteilen. Mein Vorschlag ist daher, das Verfahren gegen eine Spende an einen gemeinnützigen Verein einzustellen. Sollten wir uns aber noch einmal wegen eines solchen Delikts wiedersehen, spreche ich schon aus Prinzip ein Urteil.“ Der 43-Jährige musste somit 400 Euro, der 49-Jährgie 250 Euro an die Deutsche Hirntumor-Hilfe zahlen. „Das ist eine sehr gute Ausgangslage für Sie“, betonte der Richter. Bei einer Verurteilung hätten die beiden mit 30 Tagessätzen rechnen müssen. „Das entspricht einem Monatsgehalt.“ Der 43-Jährige äußerte sich auch weiter reuig: „Das ist ein Denkzettel“, sagte er, ehe er den Gerichtssaal verließ.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort