Azubi-Mangel in kundennahen Branchen Bei Friseuren und Bäckern weniger Ausbildungsverträge

Rhein-Berg · Bei der gemeinsamen Vorstellung der Zahlen berichtete die Agentur für Arbeit von „mehr Ausbildungsstellen und weniger Bewerbern“. Die Kreishandwerkerschaft zieht „eine gemischte Bilanz“, und die IHK Köln sieht zwar ein deutliches Plus bei neuen Ausbildungsverträgen in der gesamten IHK-Region, doch im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden die Vorjahresergebnisse knapp verfehlt.

 Die Bäckerei Evertzberg hatte Glück: Sie gewann Mohammad Riaz als Bäckerlehrling, er bestand im Sommer die Prüfung.

Die Bäckerei Evertzberg hatte Glück: Sie gewann Mohammad Riaz als Bäckerlehrling, er bestand im Sommer die Prüfung.

Foto: Meuter, Peter (pm)

Die Statistik belegt es eindeutig: Zwei Berufsgruppen  zählen zu den Verlierern – besonders im Rheinisch-Bergischen Kreis. Das Friseurhandwerk verzeichnete hier 61 Prozent weniger Ausbildungsverträge. Auch die Bäcker gehören zu den Verlierern mit einem Minus von 64 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, nannte das am Mittwoch bei der Vorstellung der Zahlen für den Ausbildungsmarkt „eine sehr bedenkliche Tendenz“: „Gerade bei den kundennahen Handwerken wie Bäcker und Friseure, deren Ladenlokale auch das Gesicht von Stadtvierteln prägen, ist die Entwicklung besorgniserregend.“ Das seien Lebensmittelpunkte in den Stadtvierteln.

Aber auch die anderen Gewerke suchen Hände ringend geeigneten Nachwuchs. Bei der gemeinsamen Vorstellung der Zahlen berichtete die Agentur für Arbeit von „mehr Ausbildungsstellen und weniger Bewerbern“. Die Kreishandwerkerschaft zieht „eine gemischte Bilanz“ und die IHK Köln sieht zwar ein deutliches Plus bei neuen Ausbildungsverträgen in der gesamten IHK-Region, doch im Rheinisch Bergischen Kreis wurden die Vorjahresergebnisse knapp verfehlt.

Dabei sei der regionale Ausbildungsmarkt voller interessanter Möglichkeiten, machte Marcus Weichert, der Chef der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, deutlich: „Die duale Ausbildung ist eine hervorragende Grundlage für eine berufliche Karriere. Nicht für jeden ist ein Studium der richtige Weg.“

Das unterstrich auch Carsten Berg, Leiter des Bereichs Ausbildung bei der IHK Köln.  Mit dem derzeit bundesweit noch einzigartigen „YoungProfessional-Programm“ wurde ein Weg für junge Fachkräfte geebnet, die bereits einen Bachelor-Abschluss erzielt haben. Damit soll der Nachwuchs schneller und betriebsspezifischer als Fachkräfte in die Unternehmen integriert werden – ein nahtloser Übergang von der Hochschule ins Unternehmen. Die Ausbildungszeit im Betrieb wird halbiert, bei gleichzeitig verdoppelter Ausbildungsvergütung für die Dauer des Vertrages. Für viele Unternehmen sei der Bachelor das neue Abitur.

Dabei kann es die interessantesten Verbindungen geben, wie das Beispiel einer Japanologin zeigt, die als Groß- und Außenhandelskauffrau ihre speziellen Vorkenntnisse bestens einbringen kann.

Konkrete Zahlen: Bis Ende September wurden insgesamt 8576 neue Ausbildungsverträge in rund 150 Berufen bei der IHK Köln eingetragen, 180 mehr als im Vorjahr. Ein Drittel davon betreffen die gewerblich-technischen Berufe, zwei Drittel die kaufmännischen.