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Rezeptfreie Medizin für die Seele

Konzert in Dabringhausen : Rezeptfreie Medizin für die Seele

Das Münchener Ensemble „Harmonic Brass“ brachte wohlklingende Adventsstimmung in die gut besuchte Evangelische Kirche in Dabringhausen.

Das zweitschönste am Donnerstagabend in der gut besuchten Evangelischen Kirche in Dabringhausen war - es war warm. Denn bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und feuchter Witterung war es nicht besonders attraktiv, abends noch einmal die heimische Couch zu verlassen. Das schönste allerdings waren die wundervoll erklingenden Töne von „Harmonic Brass“ aus München. Das fünfköpfige Blechbläserensemble ist alle zwei Jahre regelmäßiger Gast in Dabringhausen - und natürlich hatte Corona einmal mehr für ein Durcheinander gesorgt. Denn eigentlich wäre das Quintett aus Bayern im Vorjahr mit einem adventlichen Besuch an der Reihe gewesen. Aber, es ist bekannt – der Weihnachts-Lockdown 2020 war allen Konzerten, Feiern und letztlich auch ein Stück weit dem Weihnachtsfest dazwischengekommen. Umso schöner war es dann, dass das Konzert ein Jahr später unter 2G-Bedingungen - der Nachweis wurde am Eingang penibel eingescannt - in diesen aktuell so unruhigen Zeiten stattfinden konnte.

Die vier Herren und eine Dame brillierten von den ersten Tönen von „Macht hoch die Tür“ an ihren Instrumenten, dass es eine wahre Freude war. Glockenklarer Klang von Trompete, Posaune, Horn oder Tuba hallte durch die Kirche und sorgte für staunende und gleichzeitig beglückte Gesichter - die man allerdings hinter den Masken nur an den Augen erahnen konnte. Aber man musste schon aus Stein sein, um von Stücken wie dem „Konzert für zwei Oboen und Orchester“ von Antonio Vivaldi oder zwei Teilen aus dem auch nach 400 Jahren noch immer beliebten Weihnachtsoratorium von Georg Friedrich Händel nicht berührt zu werden.

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Für letztere gab es die ersten Bravo-Rufe aus dem Publikum. Überhaupt - das gebotene Niveau des Quintetts war grandios. Da war zum einen der famose Klang im Kirchenraum, für den die Musiker zugegebenermaßen nichts konnten. Es war allerdings eine wahrhaft strahlende Klangveredelung, die hier passierte. Andreas Binder, der die launige bis bedächtige Moderation übernahm, sprach gar davon, dass es „manche Werke auf Rezept geben müsste, so gut sie unserer Seele tun“. Da war etwas dran, wie man im Verlauf des Abends gleich mehrfach feststellen konnte. Etwa dann, wenn Binder und seine vier Mitmusiker das Publikum auf eine Reise durch die ganze Welt mitnahmen um zu zeigen, wie Weihnachten dort klingt.

Von Schweden ging es zunächst nach Irland, dann über den großen Teich nach Kanada, mit Abstechern nach Puerto Rico, Peru, in den Kongo oder nach Südafrika. Allen Ländern gemein waren die große und ehrwürdige Feierlichkeit der Lieder sowie der wundervolle und mehrstimmige Klang. Bei den südamerikanischen Klängen kam noch der eine oder andere Latin-Rhythmus dazu - was aber kein Deut weniger feierlich rüberkam. Die Reise endete in Frankreich mit einem ideal gewählten musikalischen Schlusspunkt. Wirklich eine mehr als interessante Idee, die sich das Münchener Ensemble da für ihr diesjähriges Programm hatte einfallen lassen. Und die für dieses kleine Quäntchen Besonderheit sorgte, das dieses Adventskonzert nicht nur wegen der Pandemie-Bedingungen zu etwas ganz Besonderem werden ließ.