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Wermelskirchen: Revolution in den Schulen

Wermelskirchen : Revolution in den Schulen

Mit der neuen Sekundarschule müssen die Lehrer das Lehren neu erlernen. Sie müssen sich fortbilden und allesamt neu bewerben. Keiner wird automatisch übernommen. Und es gibt keinen Frontalunterricht mehr.

Alles, zumindest fast alles wird anders, wenn in Wermelskirchen die Sekundarschule eingeführt wird: Dieses Fazit legt das pädagogische Konzept nahe, das Erziehungswissenschaftler Achim Körbitz von der Universität Bielefeld gemeinsam mit dem Fachgremium aus Wermelskirchener Schulleitern, der Verwaltungsspitze und mit Kreisschulamtsdirektor Herbert Schiffmann erarbeitet hat. Einen revolutionären Wandel wird es vor allem für alle bisherigen Realschullehrer und Hauptschullehhrer in Wermelskirchen geben.

Im Fachausschuss verdeutlichte Körbitz, dass keiner dieser Lehrer automatisch an der neuen Sekundarschule übernommen wird. Alle müssen sich nicht nur neu bei der Bezirksregierung bewerben, sie müssen auch erst ihre Qualifikation für das gänzlich neue Unterrichten an der Sekundarschule erwerben und nachweisen. Das gelte auch für die bisherigen Schulleiter, verdeutlichte Körbitz. Er halte es auch für sinnvoll, in der neuen Sekundarschule ein Schulleiterteam auch mit einem auswärtigen, neuen Leiter zu bilden.

Selbst gesteuertes Lernen

Während sich alle Haupt- und Realschullehrer neu bewerben müssen, so müssen nach Auskunft von Bürgermeister Eric Weik aber nur die Realschullehrer das Lehren neu lernen: "In der Hauptschule und in den Grundschulen wird das neue Lernen schon praktiziert, in der Realschule bisher noch nicht", weiß Weik, der den Vorsitz im Fachgremium zur Sekundarschule innehat.

Er erlebe dieses neue Lernen jetzt aus eigener Erfahrung als Vater eines Grundschülers: "Es gibt keinen Frontalunterricht mehr. Egal, ob wir 30, 40 oder 60 Jahre alt sind, wir müssen alles über Bord werfen, was wir bisher über die Schule wussten", sagt Weik über das sogenannte selbst gesteuerte Lernen, das auch in der neuen Sekundarschule im Mittelpunkt stehen soll.

Selbst gesteuertes Lernen, kurz "Segel" genannt, bedeutet, dass jeder Schüler oder auch jede Schülergruppe im Unterricht etwas anderes erarbeitet. Dazu werden Lernvorlagen zur Verfügung gestellt, die aber nach einer strengen Zielvorgabe fürs Schuljahr mit regelmäßigen Prüfungen erarbeitet werden müssen. Der Lehrer referiert dabei nicht vor der Klasse, sondern er bewegt sich in der Einzelförderung und -forderung von Schüler zu Schüler. Das entscheidende Merkmal der neuen Sekundarschule soll laut Körbitz nicht nur die Förderung, sondern gerade auch die (Heraus)-Forderung der Schüler sein.

Die frühe Einstufung wie im bisherigen dreigliedrigen Schulsystem soll entfallen. Stattdessen soll allen, auch behinderten Kindern, die Möglichkeit gegeben werden, das Maximale aus sich heraus zu holen. Dabei soll jedes Kind durch das selbst gesteuerte Lernen die Lernmethoden entwickeln, die ihm nicht einen guten Schulabschluss erbringen und lebenslanges Lernen (im Beruf) ermöglichen.

(RP/rl)