Wermelskirchen: Rentner lehnen Sozialwohnungen ab

Wermelskirchen: Rentner lehnen Sozialwohnungen ab

In den Eifgenhäusern stehen Sozialwohnungen für Rentner leer. Die BM berichtete, dass potenzielle Mieter oft nicht den notwendigen Wohnberechtigungsschein bekommen. Jetzt zeigt sich: Viele Senioren wollen dort auch gar nicht wohnen.

Nicht dürfen oder nicht wollen - das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das zeigt sich jetzt anhand der Situation in den Eifgenhäusern an der Dhünner Straße. Dort stehen seit Mitte 2017 immer wieder Sozialwohnungen leer, momentan sind es vier. Die BM berichtete Anfang des Monats über die Gründe dafür. Für die Verantwortlichen der Eifgenhäuser lag das Hauptproblem bisher in den Anforderungen, die für den Wohnberechtigungsschein (WBS) nötig sind. Einige Wochen später drängt sich nun ein anderer Erklärungsansatz auf. "Zuletzt haben viele Interessenten, die im Besitz eines Wohnberechtigungsscheins sind, abgesagt. Die Wohnungen haben ihren Ansprüchen nicht genügt", sagt Barbara Döhler, Geschäftsführerin der Altenzentrum Wermelskirchen gGmbH.

Die Träger-gGmbH betreibt Eifgenhäuser mit 80 preiswerten Wohnungen für 100 sozial-schwächere Bewohner, die 60 Jahre oder älter sind. "Nach dem letzten Bericht über den Leerstand kamen einige Anrufe von Interessenten, die zur Besichtigung vorbeikommen wollten", sagt Döhler. Die positive Nachricht: Zwei Paare haben sich auf die Warteliste für Zwei-Personen-Wohnungen setzen lassen. Deutlich schlechter sah es mit dem Interesse an den Ein-Personen-Wohnungen aus. "Leider wollte niemand einziehen", sagt Döhler.

Dafür nannten die Interessenten unterschiedliche Gründe. Vielen war die Quadratmeterzahl der Wohnung zu klein. Diese liegt bei rund 40 Quadratmetern - erlaubt sind laut WBS maximal 45 für einen Ein-Personen-Haushalt. "Ein Gegenargument war auch, dass es kein separates Schlafzimmer gibt. Das ist vielen wichtig", berichtet Döhler. Außerdem gefiel den potenziellen Mietern nicht, dass es in Bad und Küche meist keine Fenster gibt, da diese zum Gebäudeinneren liegen. Nach außen gehen Wohn- und Schlafbereich sowie der zugehörige kleine Balkon. Eine Dame habe zudem abgesagt, weil sie ihre Katzen nicht mitbringen konnte. "Haustiere sind in diesen kleinen Wohnungen schwierig zu halten. Außerdem: Was wachen wir mit dem Tier, wenn die älteren Bewohner mal ins Krankenhaus kommen?", fragt Döhler. Auch mit der Ausstattung waren einige nicht zufrieden. "Ein Interessent hat mal gesagt ,Die Küche habe ich auch schon mal in schön gesehen'. Das Anspruchsdenken der Leute ist mit den Jahren einfach gestiegen", sagt Ulrich Gräfe, Aufsichtsratsvorsitzender der Träger-gGmbH.

Die Eifgenhäuser wurden in den 1970ern gebaut, die Wohnungen immer wieder saniert. Das Problem: Die Verantwortlichen haben keine Möglichkeit, etwas am Grundriss der Sozialwohnungen zu ändern. "Wenn wir aus zwei Wohnungen eine machen würden, wäre die dann zu groß, um sie an Menschen mit Wohnberechtigungsschein zu vermieten", erklärt Döhler. Grundsätzlich gebe es zwar die Möglichkeit, die Sozialwohnungen irgendwann in "normale" Wohnungen umzuwandeln - für die Eifgenhäuser komme das aber nicht infrage. "Wir werden immer ein sozialer Wohnungsbau bleiben und finden es wichtig, diesen zu erhalten", sagt Döhler.

Ob Anforderungen für den WBS oder Anspruchsdenken der Rentner - die Wahrheit, warum die Eifgenhäuser momentan mit Leerstand zu kämpfen haben, liegt wohl irgendwo dazwischen.

(kron)
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