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Wermelskirchen: Raupe und Pilz lassen Buchsbäume sterben

Wermelskirchen : Raupe und Pilz lassen Buchsbäume sterben

Sofie Lull kann es gar nicht fassen. Über 50 Jahre war ihr Bauerngarten in Tente ihr ganzer Stolz, an dem sich auch Nachbarn und Besucher gern erfreuten. Die einzelnen Beete waren eingefasst von einer über 80 Meter langen, etwa 20 Zentimeter hohen Buchsbaum-Hecke. Doch davon ist nicht mehr viel zu sehen.

Alles sieht verbrannt aus. "Ich habe richtig zusehen können, wie Meter für Meter die Hecke starb. Das ist nur noch zum Weinen. Das macht keinen Spaß mehr." In ihrer Hecke hat sich ein neuer Schaderreger eingenistet: ein Pilz mit dem Namen "Cylindrocladium buxicola". Dieser Pilz, aber auch die Raupe des Buchsbaumzünslers breiten sich zusehends im Bergischen aus und zerstören ganze Buchsbaum-Bestände.

Gärtnermeister Reiner Sichelschmidt kann in das traurige Lied einstimmen. Immer mehr Kunden fragen nach, denn Grabeinfassungen sind plötzlich kahl. Besonders stark hat es nach Darstellung von Sichelschmidt den Friedhof Hünger getroffen. "Wir haben dort schon viele Gewächse, die von der Raupe befallen sind, ausgetauscht." Bei Sofie Lull sieht er aber keine Chance. "Der Pilz steckt tief im Boden. Dafür sind die bekannten Mittel einfach zu mild. Da müsste auch die Erde abgefahren und vernichtet werden."

2009 wurde diese Raupe aus China das erste Mal im Rheinland nachgewiesen. Seither breitet sie sich aus. Auch im Stadtgebiet. Von Wermelskirchener Kunden hat der Inhaber der Baumschule Bosman, Harald Bosman, noch keine Hiobsbotschaften gehört, wohl aber von Garten- und Landschaftsbauern aus Langenfeld, Monheim und Leichlingen. "Die Raupe des Buchsbaumzünslers frisst von innen nach außen die Buchsbäume kahl." Deshalb kann er nur empfehlen, regelmäßig die Buchsbäume zu kontrollieren.

Gefräßige Raupen

Die ersten Raupenstadien, die zwischen den zusammengesponnenen Blättern und Trieben fräßen, seien chemisch nur schwer bekämpfbar. Gegen die frei fressenden jungen Raupen gebe es aber Spritzmittel. "Haus- und Kleingartenbesitzer sollten über die gesamte Vegetationsperiode hinweg regelmäßig kontrollieren und Gespinste herausschneiden und Raupen absammeln." Die weitere Empfehlung des Fachmannes: Wenn der jährliche Rückschnitt der Buchsbäume etwa zehn Tage nach Auftreten der Falter des Buchsbaumzünslers erfolge, könnte ein Großteil der abgelegten Eier beziehungsweise frisch geschlüpften Raupen entfernt werden.

"Der Rückschnitt, aber auch die vertrockneten Buchsbäume sollten nicht auf den Kompost geworfen, sondern verbrannt werden", empfiehlt Bosman. Denn sonst werde die Raupe verschleppt. Das gelte letztlich auch für den Pilz. Die braune Tonne ist dafür tabu. "Am besten in einer luftdichten blauen Plastiktüte gut verschließen und dann in den Restmüll."

POPULATION Der Buchsbaumzünsler bildet etwa drei Generationen pro Jahr aus. Die gelb-grün-schwarz-gestreiften Raupen können bis zu fünf Zentimeter lang werden und vertilgen bis zur Verpuppung rund 45 Buchsblätter. Ist der Busch entlaubt, fressen die Tiere die Rinde. Dann sterben die Äste ab. Pilzbekämpfung Direkte Pflanzenschutzmaßnahmen sind laut Landwirtschaftskammer NRW nicht möglich. Die Empfehlung: Kranke Pflanzenteile entfernen, ebenso das Falllaub.

(RP/rl)