Wermelskirchen Rauchverbot: keine Razzien in der Stadt

Wermelskirchen · Wermelskirchens Kneipiers und Karnevalisten stehen dem verschärften Rauchverbot, das ab Mittwoch gilt, skeptisch gegenüber. Das Ordnungsamt will Hinweisen nachgehen, Razzien soll es aber nicht geben – dafür fehlt das Personal.

Das bringt die Nichtraucherschutz-Novelle
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Foto: NGZ

Wermelskirchens Kneipiers und Karnevalisten stehen dem verschärften Rauchverbot, das ab Mittwoch gilt, skeptisch gegenüber. Das Ordnungsamt will Hinweisen nachgehen, Razzien soll es aber nicht geben — dafür fehlt das Personal.

Ein letztes Mal konnten Wermelskirchens Raucher gestern genüsslich an ihrer Zigarette in der Kneipe um die Ecke ziehen. Jetzt sind die Aschenbecher von den Tischen verschwunden, denn am Mittwoch tritt das neue, strenge Rauchverbot in Kraft. Das neue Nichtraucherschutzgesetz hebt bisherige Ausnahmen für Raucherkneipen und Raucherclubs, Festzelte und Brauchtumsveranstaltungen auf. Die Einrichtung von Raucherräumen ist nicht mehr möglich.

Eigentlich will Rot-Grün mit dem neuen Nichtraucherschutzgesetz alle Ausnahmen vom Rauchverbot in Kneipen kippen. Doch in "echten geschlossenen Gesellschaften" darf in Gaststätten weiter gequalmt werden. Aber was genau ist eine "echte geschlossene Gesellschaft"? Und wie will das Ordnungsamt in Wermelskirchen das kontrollieren? Muss Tante Hedwig bei ihrer Geburtstagsfeier in der Kneipe um die Ecke dann ihren Personalausweis vorzeigen, um zu beweisen, dass sie wirklich Geburtstag hat? "Wir gehen Hinweisen nach", sagt der städtische Dezernent Jürgen Graef. Razzien werde es aber keine geben. "Dafür haben wir kein Personal." Die Stadt Wermelskirchen habe schon Erfahrung mit dem Rauchverbot. "Die Masse hält sich dran, wir haben weitestgehend eine rauchfreie Gastronomie", betont der Dezernent.

Dass manche findige Vereine die geschlossene Gesellschaft für ein Schlupfloch vergleichbar mit dem Raucherclub nutzen, um weiterhin und gegen das Gesetz in ihren Räumen das öffentliche Rauchen gestatten zu können, glaubt Graef nicht. Denn regelmäßig wiederkehrende Ereignisse wie etwa die Skatrunde fielen eindeutig nicht unter geschlossene Gesellschaften. Dieses Mal dürfte es mit dem Missbrauch der Ausnahme schwerer werden, betont Graef. "Derjenige, der privat feiert, muss das auch beweisen können." Geraucht werden darf in der Kneipe nur noch, wenn diese ganz oder in ihr ein abgeschlossener Raum nachweislich privat angemietet wurde, also eine solche Feier als private Feier angemeldet ist. Bei Verstößen droht ein Bußgeld.

"Wir müssen eine Lösung für die Raucher finden", sagt Andreas Posingies vom Karnevalsfestausschuss Dabringhausen. "Wir werden bei der Prinzenproklamation, beim Altweiberball und der Karnevalsfeier ,Wir unter uns' ein beheiztes Festzelt aufstellen", kündigt Posingies an. Das bedeute jedoch einen erheblichen Aufwand für die Karnevalisten: "Wir müssen uns genau mit der Stadt und der Feuerwehr absprechen, wo das Zelt aufgestellt werden darf. Die Fluchtwege müssen freigehalten werden." Die größte Sorge des Festausschusses sei, dass die große Lauferei nach draußen losgehe und die Besucher des Festzelts gestört würden. Posingies: "Nach der Phase des Ärgerns sind wir nun aber in der Phase des Planens." Rauchverbote gelten ab heute auch für alle öffentlichen Einrichtungen, Sport-, Freizeit-, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen.

Von einer Existenz bedrohenden Katastrophe sprach Horst Eisenmenger, der Besitzer des einzigen Raucherclubs in Wermelskirchen, bereits im Dezember. Was er jetzt mit seinem Raucher-Bistro "Aber hallo" machen solle, wisse er nicht. Ob er sein Bistro auch ohne Raucher werde halten können, bezweifelte er. 80 Prozent der Gäste seien Raucher und die ließen sich nicht einfach umgewöhnen, glaubt auch Stammgast Marion Rechmann (48).

(RP/ac)
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