Wermelskirchen Rathaus: Sanierung der Fassade trotz "Giftliste"

Wermelskirchen · Die Sanierung der Rathausfassade wird, unabhängig von dem Gewerbesteuer-Einbruch von rund neun Millionen Euro und der noch aufzustellenden "Giftliste", in diesem Jahr fortgesetzt. Diesen Vorschlag wird die Stadtverwaltung der Politik unterbreiten.

Der zuständige Dezernent Dr. André Prusa wird aber erst den Arbeitskreis Fassade informieren, den er in der 26. Kalenderwoche einberufen will. Erst danach soll die Öffentlichkeit erfahren, was gemacht wird. Vorbehaltlich der Politiker-Entscheidung möchte die Stadtverwaltung im Herbst mit den Arbeiten beginnen.

Im Juli 2005 (!) hatte Bürgermeister Eric Weik den Bereich um Rathaus vorsorglich sperren lassen: Die Marmorplatten hatten sich verformt und drohten, sich zu lösen. Danach untersuchten verschiedene Gutachter die Platten auf ihre Lebensdauer. Es bestätigte sich, dass einige Platten sich bis zu drei Zentimeter durchgebogen hatten. Sofort wurde das komplette Bürgerzentrum (einschließlich Polizeiwache) eingerüstet und mit Netzen gesichert. Eine Platte hat sich bisher nicht gelöst.

Die Gutachter stellten 2006 fest, dass ein Drittel der 9746 Mamorplatten "geschüsselt", also verformt sind. 2008 wurde dann erstmals die Komplettsanierung ins Gespräch gebracht — 2,5 Millionen Euro sind dafür seither im Haushalt zurückgestellt worden. Mit dem neuen Technischen Beigeordneten Dr. Prusa kam eine neue Sichtweise ins Spiel: Unter energetischer Betrachtung sah er grobe Baufehler — eine neue Fassade sei nur für die Optik.

Daher trieb er die energetische Sanierung der Rathaus-Fassade voran — und über ein Energie-Contracting wollte er erreichen, dass auch weitere öffentliche Gebäude saniert werden. Als "Eigenanteil" will die Stadt drei Millionen Euro einbringen — die stehen (noch) im Haushalt zur Verfügung. Die restlichen Mittel müsste ein Partner über Energieeinsparungen aufbringen. Allein beim Heizgasverbrauch im Rathaus könnte bis zu 30 000 Euro jährlich eingespart werden.

Stabsstelle eingerichtet

Eigentlich hatte das Fachamt den Zeitplan schon festgezurrt, auch eine Beraterfirma war gefunden worden. Doch der Einbruch bei der Gewerbesteuer um fast die Hälfte der zu erwartenden Einnahmen für 2011 hatte auch dieses Projekt erst einmal gestoppt. Inzwischen ist aber eine Stabsstelle im Rathaus eingerichtet worden. Der Mitarbeiter wird sich ausschließlich um das Energie-Contracting und die Fassaden-Sanierung kümmern.

(RP)
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