Wermelskirchen Rat ehrt Lichtenberg mit Ehrenabzeichen

Wermelskirchen · Die 60-jährige Marie-Louise Lichtenberg ist gestern Abend mit dem Ehrenabzeichen der Stadt ausgezeichent worden. Stehend und mit anhaltendem Applaus ehrte der Stadtrat das Wirken der Pädagogin – wobei im Mittelpunkt ihr Projekt "Gegen das Vergessen" steht.

 Bürgermeister Eric Weik überreichte gestern Marie-Louise Lichtenberg das Ehrenabzeichen der Stadt Wermelskirchen.

Bürgermeister Eric Weik überreichte gestern Marie-Louise Lichtenberg das Ehrenabzeichen der Stadt Wermelskirchen.

Foto: Hans Dörner

Die 60-jährige Marie-Louise Lichtenberg ist gestern Abend mit dem Ehrenabzeichen der Stadt ausgezeichent worden. Stehend und mit anhaltendem Applaus ehrte der Stadtrat das Wirken der Pädagogin — wobei im Mittelpunkt ihr Projekt "Gegen das Vergessen" steht.

"Sie sind eine Botschafterin und Sie machen Menschen zu Botschaftern. Wir haben Ihnen viel zu verdanken", so Bürgermeister Eric Weik, und erinnerte mit Einspielungen daran, dass der Holocaust besonders bei jüngeren Leuten nicht im Bewusstsein ist. "Wir hatten vorigen Freitag auf halbmast geflaggt — in Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945. Doch diesen Jahrestag kennen nur wenige junge Leute."

"Ich war sprachlos"

Die neue Trägerin des Ehrenabzeichens beschrieb gegenüber der BM noch ihre Gefühle beim Telefonat mit dem Bürgermeister: "Ich war ganz sprachlos." Die Auszeichnung sei für sie eine ganz große Ehre: "Dass der Rat dies einstimmig so beschlossen hat, zeigt mir, dass mein Engagement im Bereich Leseförderung und als sozialkritische Künstlerin auf große Akzeptanz stößt und geschätzt wird."

Sie erinnerte gestern Abend an die Anfänge in den 90er Jahren. Auf einer Klassenfahrt hätten Skinheads versucht, ins Schullandheim einzudringen. Das habe sie verhindern können. Und auch später hätten Extremisten versucht, auf den Schulhof der damaligen Schwanen-Hauptschule zu gelangen. "Extremismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft", so ihre Botschaft. Und dafür setzt sie sich seither ein.

Besonders nachdenklich macht sowie zugleich eindrucksvoll ist ihre Ausstellung "Zwischen Glück und Grauen, Goldap und Gernika": Darin dokumentiert sie ihre Begegnungen mit Überlebenden der nationalsozialistischen Diktatur. Darüber verfasste sie auch ein Buch. "Mir liegt viel daran, dass die Menschen genau hinschauen, Toleranz üben, sich Gedanken machen für ein friedliches Miteinander machen."

Sie sieht in der Auszeichnung "einen Ansport weiterzumachen, sie gibt mir Kraft und Mut". Sie bekomme viel Zuspruch, auch von Menschen auf der Straße. "Ehemalige sprechen mich zudem an und berichten, dass sie gut informiert seien". So zum Beispiel anlässlich des Holocaust-Gedenktages — "viele Schüler aus anderen Schulen wissen vielfach nichts damit anzufangen", berichteten ihre Ehemaligen. Ob die Fahrten zu den Buchmessen oder nach Auschwitz — "meine Schüler sind offensichtlich sehr geprägt durch diese Begegnungen".

Als Pädagogin mahnt sie: "Oft sind Erwachsene Schuld, wenn Jugendliche nichts wissen oder wenn Fragen nicht beantwortet werden." Sie versteht ihren Teil der Arbeit darin, Kindern und Jugendlichen Antworten zu geben: "Damit mache ich beste Erfahrungen. Die Jugend braucht Gesprächspartner."

(RP/rl)