Wermelskirchen: Rabiates Vorgehen der AfD bei Handymitschnitt eines Zuhörers

Wermelskirchen: Rabiates Vorgehen der AfD bei Handymitschnitt eines Zuhörers

Mit einem Polizeieinsatz endete Montagabend in den Bürgerhäusern auf der Eich eine AfD-Versammlung. Der Ortsvorsitzende Hans-Joachim Lietzmann brach die Veranstaltung ab. Der AfD-Referent Roger Beckamp hatte die Polizei gerufen. Er fühlte sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt, weil ein 48-jähriger Besucher mit seinem Handymikrofon den Vortrag aufgenommen hatte - ohne das vorher anzukündigen. Auf die Aufforderung Beckamps, die Aufnahme einzustellen, reagierte der 48-Jährige damit, dass er aufstand und die Bürgerhäuser verlassen wollte. Dazu kam es aber nicht, weil er von AfD-Mitgliedern festgehalten wurde - laut Polizei wurde er am Boden liegend "fixiert".

Der Rechtsanwalt ist Mitglied im Landtag und wollte mit einer Kollegin einen Einblick in die Landtagsarbeit und das dortige Politikgeschehen geben. Etwa 20 Personen nahmen teil. Als der 48-Jährige eine Frage zur "qualitativen Voraussetzung für den Aufenthalt von Flüchtlingen" stellte und Beckamp dies beantwortete, entdeckte der Referent das Handy. Er forderte laut Lietzmann den Mann auf, die Aufnahme zu stoppen und zu löschen. Darauf reagierte der Mann, in dem er aufstand und gehen wollte. Von da an gibt es unterschiedliche Versionen von Teilnehmern.

Laut Lietzmann hätte er sich "fluchtartig" entfernt und Beckamp "massiv angerempelt"; ein AfD-Mitglied, früher im Sicherheitsgewerbe tätig, wäre ihm gefolgt, hätte ihn festgehalten mit den Worten "Ich nehme Sie fest, verhalten Sie sich ruhig". Dann wurde er von wenigstens zwei Personen am Boden fixiert. In einem der Redaktion vorliegenden Ambulanzbrief des 48-Jährigen, der sich mit dem Vorfall an die Redaktion gewandt hatte, spricht der behandelnde Arzt von einer Prellung der linken Hüfte und des linken Knies.

Der Betroffene spricht dagegen von "Lynchmob" - er habe sich noch nie so über das Erscheinen der Polizei gefreut. Er habe kurz vor der Bewusstlosigkeit gestanden, da er kaum habe atmen können. Lietzmann bestätigt, dass der 48-Jährige mehrfach gerufen habe, er kriege keine Luft, ein anwesender Arzt hätte aber keine Bedenken gehabt. Zudem habe sich der Mann gewehrt.

Der 48-Jährige sieht sich als kritischer Zuhörer vor Ort; sein Telefon sei von der Polizei konfisziert worden, die AfD hat ihn wegen Urheberrechtsverletzung noch am Abend angezeigt. Seine Schmerzen würden zunehmen, erklärte er gestern. Er will die AfD wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung anzeigen.

Laut Polizeisprecher Richard Barz habe der Mann sein Handy freiwillig der Polizei übergeben; "auf ausdrückliches Nachfragen der Beamten" hätte er erklärt, er sei nicht verletzt. Der Mann durfte vom Veranstalter festgehalten werden bis zum Eintreffen der Polizei: Das sei jedermanns Recht, wenn der Verdacht einer Straftat vorliege, sagte Barz, und der mutmaßliche Täter flüchten wolle. "Wie er festgehalten sei, muss die Staatsanwaltschaft bewerten."

(RP)