Wermelskirchen: Polizei ist am langsamsten in ganz NRW

Wermelskirchen : Polizei ist am langsamsten in ganz NRW

Bis zum Eintreffen am Einsatzort im Rheinisch-Bergischen Kreis vergehen im Schnitt 17:16 Minuten. Das liegt vor allem an zwei Großbaustellen und an den längeren Anfahrtswegen im Kreisgebiet.

Die Polizei des Rheinisch-Bergischen Kreises ist die langsamste von insgesamt 47 Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen. Durchschnittlich wartet man nach dem Anruf bei der Polizei bis zum Eintreffen der ersten Beamten am Einsatzort 17:16 Minuten. Das ist das Ergebnis einer landesweiten Statistik für die sogenannte Einsatz-Reaktionszeit. Der Landesdurchschnitt liegt bei 14:35 Minuten.

"Es stimmt, wir haben zurzeit die rote Laterne", sagt Polizeisprecher Richard Barz auf Anfrage unserer Redaktion. Die Einsatz-Reaktionszeit ist die Zeit, die vom Erfassen eines Einsatzes im Computersystem der Polizei bis zum Eintreffen der Beamten am Einsatzort vergeht. In dieser Zeit muss die Leitstelle koordinieren, welche Streifenwagenbesatzung gerade verfügbar ist, welche sich am nächsten zum Einsatzort befindet und demnach am schnellsten vor Ort sein kann. Der Polizeisprecher betont, dass die Reaktionszeit ein Durchschnittswert aller Einsätze ist. Von der einfachen Ruhestörung an einem Sommerabend bis hin zum schweren Verkehrsunfall mit Verletzten oder Toten - alle Einsätze werden in der Einsatz-Reaktionszeit zusammengefasst.

In den vergangenen Jahren lag die durchschnittliche Einsatz-Reaktionszeit der Polizei Rhein-Berg bei 15:30 bis etwa 16 Minuten. Im Laufe des vergangenen Jahres sei dann aber deutlich geworden, dass diese Zahl deutlich steigen werde. Die Kreispolizei begab sich auf Ursachensuche. Ergebnis: "Wir sind eine Flächenbehörde, haben längere Anfahrtswege, daher vergeht grundsätzlich schon mehr Zeit bis zum Eintreffen vor Ort als in andere Behörden, zum Beispiel in Großstädten", erläutert Barz.

Außerdem hätten im vergangenen Jahr zwei Großbaustellen - in der Bergisch Gladbacher Innenstadt sowie auf der B 51 in Hilgen - zu einen Anstieg der Einsatz-Reaktionszeit geführt. Auch der Umzug in die neue Wache nach Hilgen habe seinen Teil zu der negativen Entwicklung beigetragen. "Das Team musste sich erst einmal finden. Zudem gab es durch den Wasserschaden in der neuen Wache fast acht Monate eine Art Notbetrieb", sagt Barz. Da sei es schon mal vorgekommen, dass bei manchen Einsätzen die Absprachen ein paar Sekunden länger gedauert haben. "Und das summiert sich dann", sagt der Polizeisprecher.

Er versichert, dass die Kreispolizei bei Einsätzen mit hoher Priorität, zum Beispiel bei Verbrechen oder schweren Unfällen, deutlich schneller am Einsatzort ist. "In solchen Fällen reagieren wir sofort und brechen andere Einsätze ab. Wenn es darauf ankommt, sind wir in sechs Minuten am Einsatzort", betont der Polizeisprecher.

Wenn die Großbaustellen im Laufe des Jahres hoffentlich komplett verschwinden und der Verkehrsfluss dadurch wieder deutlich verbessert werde, soll sich auch die Einsatz-Reaktionszeit der Kreispolizei wieder dem Durchschnittswert der vergangenen Jahre annähern. Barz ist optimistisch, dass die rote Laterne dann wieder an eine andere Behörde abgegeben werde.

(ser)
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