Wermelskirchen Poker um Verbindungsweg

Wermelskirchen · Die Stadt will den Fußweg zwischen Telegrafen- und Kölner Straße nicht weiterbauen. Kostengründe werden vorgeschoben. Im Rathaus erhofft man sich einen höheren Verkaufserlös. Politiker wollen aber den Weg.

 An dem kleinen Törchen hinten rechts endet der bestehende Weg. Die Stadt will ihn nicht weiterbauen.

An dem kleinen Törchen hinten rechts endet der bestehende Weg. Die Stadt will ihn nicht weiterbauen.

Foto: Hertgen

Wird sich am Montag im Stadtrat eine Mehrheit finden, dass der Verbindungsweg zwischen Telegrafen- und Kölner Straße auf dem unteren Teilstück weitergebaut wird? Nach der Papierform gibt es eine hauchdünne Mehrheit von ein, vielleicht zwei Stimmen — während sich CDU, SPD und Grüne im Fachausschuss für den Ausbau ausgesprochen haben, halten WNKUWG, FDP und Büfo den Weg für verzichtbar. Dem wird sich wohl auch der Bürgermeister anschließen. Bleibt abzuwarten, wie der Linke Rainer Schneider abstimmt. Und ob alle Fraktionen vollzählig sind.

Als die neue Innenstadt entworfen und beschlossen wurde (Masterplan), waren zwei Verbindungswege eingeplant. Einer ist bereits zur Hälfte fertiggestellt: Investor Harald Lux hatte im Rahmen seines Projektes (Betreutes Wohnen) auf Betreiben der Stadtverwaltung alle Voraussetzungen für den öffentlichen Gehweg über sein Grundstück geschaffen (und aus eigener Tasche bezahlt).

Über das neue Wohn- und Geschäftshaus an der Kölner Straße soll kein Weg mehr führen — Pläne gibt es wohl, aber die Stadtspitze will den städtischen Anteil einsparen. Das sind etwa 62 000 Euro. Und sie möchte natürlich gleichzeitig ohne diese "Baubelastung" für den Investor einen höheren Preis fürs städtische Grundstück herausschlagen, das der Investor noch kaufen muss. Nach BM-Informationen ist da von bis zu 100 000 Euro die Rede, die sich der Kämmerer an Mehreinnahmen erhofft.

Möglichkeit der Refinanzierung

Für die CDU ist klar: Die fußläufige Verbindung müsse kommen, so Volker Schmitz. Der Investor könne das Grundstück mit vier Geschossen sehr gut ausnutzen, während die Nachbarschaft nur dreigeschossig sei. "Damit besteht auch eine großzügige Möglichkeit, so einen Weg zu refinanzieren." Auch Dietmar Paulig (Grüne) lehnt einen Verzicht ab: Die Wegeverbindung solle eine Attraktivitätssteigerung bringen. Er fordert eine intelligente Nutzung und schlägt auch als barrierefreien Übergang einen gläsernen Aufzug vor.

Bernhard Schulte (SPD) erinnerte an den Masterplan: Seine Fraktion werde aus städtebaupolitischer Sicht nicht auf den Weg verzichten, auch wenn 45 Stufen überwunden werden müssten. Dass Schmutzecken entstehen könnten und eine Unterhaltung auf die Stadt zukomme, hätte man schon bei der Verabschiedung des Plans gewusst.

Seine Fraktion halte den Weg für überflüssig, sagt Rüdiger Bornhold (WNKUWG). Zumal der Verzicht nicht förderschädlich für die Gesamtmaßnahme "Innenstadtumbau" sei, wie die Verwaltung mitteilte. Dem schloss sich Oliver Platt (Büfo) für seine Fraktion an. Die Stadt sei pleite, deshalb müsse der Nutzen neu bewertet werden. Er betreibe beruflich Standortanalyse für seinen Arbeitgeber und stelle hier fest, dass dieser Verbindungsweg "keine der beiden Straßen befruchten" werde.

(RP)
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