Wermelskirchen: Plädoyer für natürliche Geburt

Wermelskirchen: Plädoyer für natürliche Geburt

Bundesweit kommt jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Im Wermelskirchener Krankenhaus sind Kaiserschnittgeburten aber eher selten. Dr. Athanasios Giogezas ist ein Verfechter der normalen Geburtshilfe.

Bundesweit kommt inzwischen jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) berichtete, seien aber nur zwei von 100 Fällen medizinisch notwendig. Kaiserschnitte würden weitaus häufiger von den Ärzten empfohlen, als von den Eltern gewünscht, obwohl die Risiken bei Kaiserschnitten ungleich höher als bei natürlichen Geburten seien, heißt es in der Meldung der TK. "Bundesweit mag das so sein, aber bei uns sieht's ganz anders aus", sagt der Oberarzt der Geburtshilfe im Wermelskirchener Krankenhaus, Dr. Athanasios Giogezas.

Kaum Wunsch-Kaiserschnitte

Nur höchstens 24 Prozent der Kinder kämen in hiesigen Krankenhaus per Kaiserschnitt zur Welt, und diese auch fast alle nur, wenn es medizinisch wirklich geboten sei. "Ich selbst bin ein Verfechter der natürlichen Geburt", sagt der Facharzt, dessen beide Kinder in seinem Beisein auch auf natürliche Weise zur Welt gekommen seien. Auch wehrt er sich gegen die Darstellung der Krankenkasse, die Ärzte könnten quasi gegen den Willen der Eltern über einen Kaiserschnitt entscheiden: "Ein Kaiserschnitt ist bei uns niemals eine Einzelentscheidung. Die Hebamme, die oft die werdende Mutter bereits betreut, wird immer einbezogen. Und die Hebammen haben sowieso nichts von Kaiserschnitten", verdeutlicht der Arzt. So sei es am örtlichen Krankenhaus sogar eher der Fall, dass auch bei Beckenendlagen noch eine normale Geburt zumindest versucht werde: "Wir haben bisher alle Kinder mit Beckenendlage, wenn die Mütter es wollten, natürlich zur Welt bringen können", weiß der Arzt. Wenn Mütter allerdings Angst hätten oder Vorbehalte, dann seien Kaiserschnitte vorgenommen worden. Ganz, ganz selten seien aber Wunsch-Kaiserschnitte: "Es gibt da einen Unterschied zwischen Stadt und Land. In Köln, wo ich vorher war, gab es viel mehr Wunsch-Kaiserschnitte. Hier sind es höchstens fünf Prozent", weiß der Oberarzt. Da heutzutage auch beim Kaiserschnitt die sogenannten "Bikininarben" möglich seien, gebe es vor allem im großstädtischen Raum so etwas wie einen Trend. Doch davor warnt der Arzt. Das Geburtserlebnis sei für Mutter und Kind trotz der Schmerzen für die Frau und des Geburtsstresses für das Kind im Normalfall immer einem Kaiserschnitt vorzuziehen. Für den Aufbau der Mutter-Kind-Beziehung sei eine natürliche Geburt von großer Wichtigkeit. Und das Kind werde durch den Geburtsstress besser auch körperlich aufs Leben vorbereitet.

(RP)