Wermelskirchen: Pfarrer bereiten sich auf volle Kirchen vor

Wermelskirchen: Pfarrer bereiten sich auf volle Kirchen vor

Mit Seilen, Axt und Säge machten sich am Mittwoch Küster Friedrich Schreiber und Helfer auf den Weg in den Garten von Familie Seng. Im Pfarrgarten fällten sie eine große Tanne, brachten sie in die Stadtkirche und stellten sie auf. Geschmückt mit Lichtern und Sternen, erfreuen sich Hunderte Besucher, die am Heiligen Abend und an den etwas ruhigeren Weihnachtstagen in die Kirche kommen, an dem Baum.

Zu drei Gottesdiensten hintereinander lädt die Evangelische Kirchengemeinde am Heiligen Abend ein - traditionell sind sie gut besucht. Hunderte feiern zum Fest gemeinsam, was für Küster, Presbyter und auch für die Pfarrer zwischendurch zur strategischen Herausforderung wird. "Während die Menschen aus dem ersten Gottesdienst die Kirche verlassen, warten die Besucher des zweiten oft schon vor der Kirche", sagt Schreiber. Dann werden die Türen des Seiteneingangs geöffnet, um dem Besucherstrom den Weg hinaus zu erleichtern, und der Küster macht sich auf den Weg durch die Kirchenbänke. Liedzettel werden aufgesammelt, Fenster und Türen geöffnet. "Zwischendurch müssen wir unbedingt lüften", sagt er.

Wenige Minuten später füllen sich die Kirchenbänke bereits wieder. Dann blickt Friedrich Schreiber auf seinen Plan. Was braucht der Pfarrer für den nächsten Gottesdienst? Was haben sich die Musiker vorgestellt? Und soll beim letzten Lied das Licht ausgeschaltet werden? Auf dem Zettel hat der Küster alle Regieanweisungen vermerkt. "Es gibt keine Kleinigkeiten", sagt er, "alles ist wichtig."

Wenn die Glocken dann verklingen und der Gottesdienst beginnt, stellt er das Akustiksystem auf Höhe drei, manchmal sogar auf vier - so hoch steht der Schalter das ganze Jahr über nicht. Aber schließlich sollen alle mithören können. "In den 13 Jahren, in denen ich hier arbeite, mussten wir dreimal den Krankenwagen rufen, weil es einem Besucher nicht gut ging", erinnert sich Schreiber, "auch darauf muss man vorbereitet sein." Aufgeregt sei er nicht: "Wir sind eine gut organisierte Gemeinde", sagt er.

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Zum Team gehören auch die Pfarrer. "Es ist etwas Besonderes", sagt Pfarrer Volker Lubinetzki. Die Kirche sei voll und man kenne die Menschen vor sich nicht. "Da stellt man sich dann die Frage: An wen richte ich mich jetzt?", sagt er. An diejenigen, die jeden Sonntag kommen oder an diejenigen, die die Kirche vor allem am Heiligen Abend besuchen. "Ich habe entschieden, mich nicht zu sehr auf eine Gruppe zu spezialisieren", sagt der Pfarrer. Außerdem spreche jeder der drei Gottesdienste eine andere Gruppe an. Er wolle zu Weihnachten keine Super-Show. "Es ist ein Gottesdienst zu einem besonderen Ereignis", sagt er. Und genau dieses Ereignis soll der Mittelpunkt bleiben.

Das wünscht sich auch Pfarrer Michael Knab für die Besucher der Pfarrkirche für den Heiligen Abend. "Wir haben dann zwar nicht genug Bücher und auch nicht genug Sitzplätze, aber trotzdem möchten wir die Menschen an den Kern der Weihnachtsbotschaft heranführen", sagt er. Mal gelinge das durch die Predigt, das Krippenspiel, mal durch Musik, Liturgie und Atmosphäre. Aber auf jeden Fall seien die Gottesdienste eine Chance, viele Menschen zu erreichen. Froher und weihnachtlicher als sie gekommen sind, sollen die Besucher die Kirche wieder verlassen.

(RP)