1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: PCB im Blut nachgewiesen

Wermelskirchen : PCB im Blut nachgewiesen

Beim Informationsabend zum Thema PCB in der Realschule erläuterte ein Toxikologe mögliche Gesundheitsgefahren. Krebs werde durch PCB verursacht. PCB-Werte über 1000 Nanogramm seien nicht tolerabel.

Wie giftig ist die PCB-belastete Realschule und wie gefährlich ist sie für die Gesundheit der Schüler und Lehrer? Diese Frage beschäftigte die etwa 250 Schüler, Eltern und Lehrer, die gestern zum Informationsabend ins Bürgerzentrum gekommen waren, offensichtlich in erster Linie. Denn der toxikologische Gutachter, Dr. Hermann Kruse, war der gefragteste Mann auf dem Expertenpodium. Moderiert wurde der Abend von Wissenschaftsjournalist Armin Himmelrath, der seiner Rolle als Moderator, also Mäßiger, angesichts des emotional aufgeladenen Themas gerecht wurde.

Zur Beantwortung der vielen Fragen der Schüler, Eltern und Lehrer waren außerdem der PCB-Gutachter Dr. Gerhard Zwiener und von der Stadtverwaltung der Technische Dezernent Dr. André Benedict Prusa und Schuldezernent Jürgen Graef anwesend. Bürgermeister Eric Weik nahm nicht teil. Auch Realschulleiterin Birgit Sköries hielt sich bis auf einige Begrüßungsworte zurück und sprach nicht zum Thema.

"Quälen Sie Ihre Kinder nicht!"

An ihrer Stelle fragten immer wieder Eltern und Lehrer nach einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch das PCB in der Realschule. Sie fragten nach möglichen Zusammenhängen von Krebs-, Schilddrüsen-, Rheuma-, Asthma- und Immunschwächeerkrankungen mit der Kontamination der Schule. Und Hermann Kruse antwortete: Sowohl über die Nahrung, die Luft und die Haut werde PCB aufgenommen. PCB gebe es in der Umwelt in 140 Arten, die aber unterschiedlich giftig seien. Es sei extrem fettlöslich und extrem schwer abbaubar. Im Blut und im Fettgewebe des Menschen lasse sich PCB nachweisen, aber es gebe verlässliche Untersuchungen: "Quälen Sie Ihre Kinder nicht mit neuen Untersuchungen, wir haben verlässliche Werte!", riet der Wissenschaftler dringend.

  • Wermelskirchen : Offener Dialog statt Einigeln
  • Wermelskirchen : Realschüler wandern ab
  • Wermelskirchen : Realschule wird aufgegeben

Es sei in Blutuntersuchungen bei Schülern nachgewiesen worden, dass sich PCB bei einem Wert von 1000 Nanogramm pro Kubikmeter im Blut anreichere. Zwar seien direkte Gesundheitsschäden bei Kindern, die sich in einem Umfeld mit PCB-Werten zwischen 1000 und 1500 Nanogramm aufgehalten hätten, nicht aufgetreten. "Aber das ist kein Freibrief!", betonte der Toxikologe. Vorsorge sei notwendig, und vor allem bei Kindern mit Vorerkrankungen könnten Gesundheitsschäden nicht gänzlich ausgeschlossen werden. "Werte über 1000 kann ich nicht tolerieren", so Kruse. Krebs werde durch PCB verursacht, Rheuma sei aber nicht darauf zurückzuführen, Anreicherungen in der Leber, die bei einer Lehrerin aufgetreten sein sollen, müsse man sich genauer anschauen, sagte er zu den in der Reaschule aufgetretenen Erkrankungen.

www.rp-online.de/wermelskirchen

(RP)