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Wermelskirchen: Parforceritt durch das Leben von Hildegard Knef

Wermelskirchen : Parforceritt durch das Leben von Hildegard Knef

Man sagt über die große Hildegard Knef, dass sie ein Leben gelebt habe, das für drei gereicht hätte. Einen Eindruck davon - und somit, dass das durchaus der Wahrheit gerecht wird - gab die begnadete Schauspielerin Gilla Cremer zusammen mit ihrem nicht minder großartigem Sidekick Gerd Bellmann am Klavier am Donnerstagabend im wunderschönen Ambiente des praktisch ausverkauften Film-Ecks mit ihrer Show "So oder so - Hildegard Knef".

Die Schauspielerin, die in Königswinter am Rhein geboren wurde und mittlerweile in Hamburg lebt, bezeichnete ihr selbst geschriebenes Stück als "Liebeserklärung an eine vielseitig begabte Künstlerin". Und diese wurde auch durch die clevere Regie von Hartmut Uhlemann für einen Abend lang wieder lebendig. Cremer kehrte Knefs innere Zerrissenheit und tiefe Verletzbarkeit ebenso nach außen, wie sie die für alle offen zur Schau getragene Stärke sichtbar machte. Es entstand dabei ein eindrucksvolles Bild der Knef, das man am Ende des Abends gerne mit in die kalte Wermelskirchener Nacht hinausnahm.

Der Kulturverein Wermelskirchen, der "So oder so" in die Stadt geholt hatte, hatte gut daran getan, das Filmeck als Veranstaltungsort zu wählen. Denn das urige Ambiente des alten Kinos passte perfekt zu dieser Show. Schließlich gehörte die Knef in den 40er- und 50er-Jahren, also zur Hochzeit des Kinos, zu den größten deutschen Schauspielern. Cremer nahm das dankbare und tief beeindruckte Publikum von Beginn an auf einen Parforceritt durch das Leben der großen Diva mit. Erzählte dabei mehr, als dass sie sang. Wechselte die Rollen im Sekundentakt und schuf so eine unheimlich dichte Atmosphäre, die von Bellmann am Klavier mal beobachtend, mal dezent begleitend und dann auch dominant beherrschend noch zusätzlich angereichert wurde.

Und gleich vom ersten Augenblick an war man fasziniert. Von der kleinen Hildegard, die in Berlin mit dem Großvater als Ersatzvater aufwuchs, Mutter und Großmutter waren ihr fremd. Kein Wunder also, dass sie verzweifelt ausrief: "Was fang ich an, ohne Großvaters stille Liebe?", als dieser mit 81 Jahren, aus der Angst heraus, unselbstständig zu werden, Selbstmord beging. Von der Einladung zum Vorsprechen, die im Bombenhagel des Krieges kam. Vom Umzug nach Amerika nach dem Krieg, den Offerten des Star-Produzenten David O. Selznick, der nur ein Blender war. Von den ersten Liedern, wie "So oder so ist das Leben". Und natürlich von den großen Hits wie "Für mich soll's rote Rosen regnen", dieser so wundervollen Beschwörung des Glücks. Und doch musste die Knef durch alle Höhen und Tiefen wandern.

Vorlage für das Stück waren Interviews, Schlagzeilen, Liedtexte, Gedichte von, über und mit der Knef. Deren Zerrissenheit zwischen Gefallenwollen, Identitätsfindung und Sehnsucht nach Liebe ein Satz deutlich auf den Punkt brachte: "Wenn ich Autofahren könnte, würde ich auf Gaspedal und Bremse gleichzeitig treten."

(wow)