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Ferien in Zeiten von Social Distancing: Ostern der etwas anderen Art

Ferien in Zeiten von Social Distancing : Ostern der etwas anderen Art

Sämtliche Ferienpläne sind durchkreuzt – eine schöne Zeit kann man trotzdem haben, zeigt unsere Umfrage.

Bei aller Ungewissheit, die momentan vorherrschend ist, ist eins sicher: Das bevorstehende Osterfest wird ein anderes sein als vorherige. Dass anders nicht unbedingt schlecht heißt, zeigen neben all den Schreckensmeldungen über das Coronavirus die vielen positiven Entwicklungen, die die Krise mitsichbringt: der kräftige Anschub für die Digitalisierung in sämtlichen Bereichen, der vorher in der Form nie dagewesene Zusammenhalt der Nachbarschaft, das Reflektieren jedes Einzelnen darüber, was wirklich wichtig ist. Auch in Wermelskirchen werden die Ostertage anders als geplant verbracht. Ausflüge, Urlaube, Familientreffen, Kirchenbesuche – all das ist jetzt nicht möglich und wird es auch in absehbarer Zeit noch nicht sein. Was man stattdessen machen kann, zeigt unsere Umfrage unter bekannten Wermelskirchener Gesichtern.

Dankmar Stolz und seine Frau haben ihre Pläne für die Ostertage geändert: „Eigentlich gehen wir immer mit guten Freunden zum Osterfeuer“, sagt der Vorsitzende des Marketingvereins „Wir in Wermelskirchen“. Das sei eine gute, alte Tradition. In diesem Jahr findet jedoch kein Osterfeuer statt. Auch die Urlaubspläne für die Osterwoche musste Dankmar Stolz gezwungenermaßen streichen. „Wir wollten eigentlich noch mal ein paar Tage mit den Hunden los“, erzählt er. Aber als sich die Corona-Krise andeutete, verzichtete das Paar auf die Buchung. „Arbeiten und Abwarten“, laute nun sein Motto. Hinter den Kulissen werde viel über die Pläne für die anstehenden Veranstaltungen gesprochen, die wohl der Krise zum Opfer fallen. „Und an den Feiertagen werden wir viel raus gehen, Fahrradfahren und Wandern“, sagt Stolz, „wenigstens ist das Wetter schön.“

Dankmar Stolz vom Verein „Wir in Wermelskirchen“ Foto: Solveig Pudelski

Michael Dierks hatte sich auf den Osterswing mit Les Searle im Haus Eifgen gefreut. „Sicher wäre der Biergarten bei diesem Wetter voll gewesen“, sagt der Vorsitzende der Kulturinitiative, „schade.“ Im Haus Eifgen bleibt es also weiterhin still. Stattdessen hat der Verein nun ein Streaming-Angebot geschaffen: Am Ostermontag ist über die Internetseite der Osterswing vom vergangenen Jahr zu hören. Und Michael Dierks nutzt die freie Zeit für die Familie. „Ich genieße es jetzt auch mal, viel mehr Zeit zu haben“, sagt er. Der Ausflug zu den Kindern müsse über Ostern ausfallen. Aber dank der hohen Temperaturen baue er im Garten gerade den kleinen Pool auf, seine älteste Tochter lebt mit den Enkelkindern im Haus. „Wir haben es hier ziemlich paradiesisch“, sagt Dierks.

Michael Dierks, Kulturinitiative Wermelskirchen Foto: Demski Theresa

Aus dem geplanten Holland-Urlaub wird nichts; die Zeit zu vertreiben wissen sich Katrin Wagner und ihre Familie aber trotzdem – vor allem draußen. „Wir haben das Glück, einen Garten zu haben – und einen Wald direkt um die Ecke“, erzählt die Leiterin der Schwanenschule. Außerdem hat Familie Wagner einen Ferienjob übernommen: „Wir führen jeden Tag die vier Hunde unseres Nachbarn aus.“ Immer mit Begeisterung dabei seien ihre beiden Kinder (7 und 9 Jahre alt), aber auch sie und ihr Mann gingen meistens mit. „Das tut uns allen gut, und unser Nachbar freut sich auch – er hat mit seinem kleinen Bauernhof immer genug zu tun.“ Diese beidseitige Nachbarschaftshilfe sei ein dankbarer Job und komme ohne körperliche Nähe aus. „Ansonsten werden wir viel lesen und basteln“, sagt Wagner. „Das funktioniert ja alles, nur eben anders als sonst.“

Katrin Wagner leitet die Schwanenschule Foto: johanna schumacher

Holland scheint ein beliebtes Urlaubsziel unter Lehrern zu sein: Statt in Zeeland genießen Martin Burghoff und seine Familie jetzt die Sonne im Bergischen. „Wir haben auch schon vor Corona viel Sport draußen gemacht – jetzt gehen wir noch mehr joggen und wandern“, erzählt der stellvertretende Schulleiter des städtischen Gymnasiums. Seine älteste Tochter (18), die ihr FSJ in Mannheim unterbrechen musste und jetzt wieder zuhause eingezogen ist, nutzt die freie Zeit, um auszumisten und nicht mehr benötigte Dinge im Internet zu inserieren. Burghoffs Sohn (13), der Parkour betreibt und dabei an allen möglichen Orten verschiedene Hindernisse überwindet, hat sich eine sechs Meter lange Trainingsmatte bestellt und hält sich jetzt im Garten fit.

Martin Burghoff, stellvertretender Schullleiter des Gymnasiums Wermelskirchen Foto: Moll, Jürgen (jumo)

André Frowein, Leiter des Jugendcafés (Juca) und Geschäftsführer des Marketingvereins „Wir in Wermelskirchen“, nutzt die neuen Angebote der Kirche: „Schon seit drei Wochen findet unserer sonntäglicher Kirchgang digital statt – das wird auch am Karfreitag und an Ostern so sein“, berichtet der 38-Jährige. „Die ganze Familie erlebt den Online-Gottesdienst als sehr herzlich, die Kinder freuen sich schon auf den Online-Kindergottesdienst.“ An den Feiertagen sind je nach Wetterlage einige Aktivitäten draußen geplant: „Picknick im Wald und Staudamm-Bauen am Bach“, so der zweifache Vater über die Oster-Pläne. „Was durch Corona leider nicht geht, ist das gewohnte Treffen mit der gesamten Verwandtschaft, das gemeinsame Ostereier-Suchen und gemeinsame Essen. Das machen wir nun im kleinsten Familienkreis: Papa, Mama und unsere beiden Kinder.“

André Frowein leitet das Jugendcafé (Juca) Foto: Udo Teifel

Meinhard Felbick und seine Frau müssen dieses Jahr ohne Besuch auskommen: „Meine Frau und ich sind natürlich zusammen – ansonsten verbringen wir Ostern ‚ohne alles‘. Unsere Kinder und Enkel besuchen uns wegen Corona nicht.“ Sehen werden sie sich aller Voraussicht nach trotzdem – über Online-Videokonferenzen oder auf Clips, die ihnen auf das Smartphone geschickt werden. „Es ist toll, was die moderne Technik an Möglichkeiten bietet“, sagt der 61-Jährige. „Aber das ist kein Vergleich dazu, sich ‚live‘ zu erleben. Mir geht es nicht um gewohnte Termine – ich könnte Weihnachten auch im Januar feiern. Aber die Begegnung mit den Menschen, denen ich mich nahe fühle, fehlt mir – das ist entscheidend.“ Über die Familie hinaus sei das für den Lehrer zum Beispiel das gemeinsame Singen im Chor. Nichtsdestotrotz hat der Vater zweier erwachsener Kinder und dreifacher Opa Pläne für die kommenden Tage: „Wir werden die Zeit im Garten und in der Natur verbringen – und ein leckeres Essen gibt es bestimmt auch.“