Wermelskirchen Orts-CDU kritisiert Wulff

Wermelskirchen · Nach den sich mehrenden Vorwürfen gegen Bundespräsident Christian Wulff fordern auch einige Mitglieder der Orts-CDU dessen Rücktritt. Andere wollen ihm eine Chance geben, aber nur, wenn er reinen Tisch macht.

 Mit der Fahne hat er's, der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. André Benedict Prusa. Deshalb wünscht er sich auch einen Bundespräsidenten, der mehr Vorbild sein kann, als es Christian Wulff derzeit ist.

Mit der Fahne hat er's, der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. André Benedict Prusa. Deshalb wünscht er sich auch einen Bundespräsidenten, der mehr Vorbild sein kann, als es Christian Wulff derzeit ist.

Foto: H.D. (Archiv)

"Ihr" Bundespräsident Christian Wulff ist auch für die CDU Wermelskirchen in diesen Tagen ein leidiges Thema. Vorwürfe wegen des Privatkredites, Urlaubsreisen, Buchwerbung und zuletzt wegen Nötigung von Medien gegen Wulff beschäftigen natürlich auch die Christdemokraten vor Ort. Einige fordern auch den Rücktritt des Bundespräsidenten, wie eine BM-Umfrage gestern ergab.

Kein Vorbild mehr

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Dr. André Benedict Prusa macht deutlich: Wenn das öffentliche Bild, wie bei Wulff, nicht mehr zum Vorbild gereiche, dann müsse dieser ganz persönlich auch die Konsequenzen daraus ziehen, und das schnell. Für ihn seien Bundespräsidenten wie Weizsäcker und Herzog nach wie vor große Vorbilder, die sich vorbildlich verhalten und durch ihren Fleiß mit ihrer inhaltlichen Arbeit in der Öffentlichkeit gestanden hätten. Bei Wulff gerate aber immer mehr das Persönliche in den Vordergrund, bedauert der Stadtverbandsvorsitzende.

CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Schmitz meint, Wulff solle im Amt bleiben, aber dringend reinen Tisch machen: "Er muss zugeben, dass er Mist gebaut hat, aber es ist nicht gut für Deutschland, wenn wir alle zwei Jahre einen neuen Bundespräsidenten wählen müssen. Wir sind doch keine Bananenrepublik!", sagt Schmitz. Er wirft Wulff aber vor, sich außerordentlich dumm gegenüber den Medien benommen zu haben. Martin Bosbach, Vorsitzender der CDU Dabringhausen und stellvertretender Vorsitzender im Stadtverband, spricht sich für einen Rücktritt Wulffs aus.

"Die Sache mit dem Kredit und den Reisen sehe ich noch als unproblematisch an, aber die mit dem Buch, wo er von der Werbung nichts gewusst haben will, kann ich nicht mehr nachvollziehen", sagt Bosbach. Wulff schade auch durch seinen Umgang mit den Medien der CDU Deutschlands und solle daher zurücktreten, meint Bosbach. Monika Müller aus dem Stadt- und Ortsverbandsvorstand würde dem Bundespräsidenten eine weitere Chance geben. "Aber er muss sich entschuldigen. Die Pressefreiheit gilt auch für Herrn Wulff persönlich", betont Müller. Sie vermisse an Wulff bislang ein ausreichend staatsmännisches Benehmen. "Da muss er noch lernen", meint Müller.

"Sehr, sehr viel schief gelaufen"

Klaus Seeger aus dem Ortsverbandvorstand sagt, er habe sich noch kein abschließendes Urteil bilden können, ob Wulff im Amt bleiben solle. "Es ist leider sehr, sehr viel schief gelaufen. Und da haben wir ein Lehrstück geliefert bekommen, wie man es nicht machen sollte", sagt Seeger auch zu Wulffs Umgang mit "dem hohen Gut der Pressefreiheit". Er meint, als Außenstehender fehlten ihm aber die notwendigen Informationen, um für oder gegen einen Rücktritt Wulffs zu plädieren.

(RP/rl)
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