Oldtimer-Freund aus Wermelskirchen schenkt altem Benz ein zweites Leben

Mit viel Liebe zum Detail : Wermelskirchener schenkt altem Benz ein zweites Leben

Dieser Mercedes von 1950 lässt die Herzen von Auto-Freunden höher schlagen: Rainer Siebenhaar hat seinen „170 S“ in liebevoller Kleinarbeit restauriert. Der Wagen ist einer der ältesten in Wermelskirchen.

Für Rainer Siebenhaar aus Wermelskirchen ist ein Oldtimer erst dann ein echter Oldtimer, wenn die Lampen vorne neben dem Kühlergrill einzeln frei stehen. Sein Mercedes 170 S, ein Cabriolet, erfüllt dieses Kriterium – und auch ganz losgelöst von der klassischen Frontpartie lässt sich auf einen Blick erkennen: Bei dem historischen Auto handelt es sich um einen Schatz auf vier Rädern.

Zwei Jahre lang hat Rainer Siebenhaar viel Zeit und Geld in den eleganten Viersitzer gesteckt, um dem Daimler mit großer Liebe zum Detail fast auf den Tag genau 68 Jahre nach seiner Erstzulassung ein zweites Leben zu schenken. Die aufwendige Restaurierung ist gelungen, die TÜV-Prüfung ohne Mängel bestanden. Seit April 2018 ist der Benz eines der ältesten fahrtüchtigen Autos in Wermelskirchen – wenn nicht sogar „das“ älteste.

Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg: Als Siebenhaar den Wagen 2016 einem Bekannten abgekauft hat, glich das Gefährt eher einem Schrotthaufen. Fahrtüchtig jedenfalls war der Benz nicht. „Ich hatte jede Schraube mindestens zweimal in der Hand. Dadurch habe ich das Fahrzeug von Grund auf kennengelernt“, sagt der 76-Jährige und blickt auf jede Menge Arbeit zurück: Die Karosserie wurde ausgebeult, neu lackiert, der Motor samt Vergaser überholt, das Getriebe instandgesetzt – und die Stromspannung von sechs auf die heute standardmäßigen zwölf Volt angepasst.

„Das meiste habe ich in meiner Garage selbst gemacht“, erzählt Rainer Siebenhaar, dessen Ehefrau zwei Jahre lang weitgehend auf ihren Mann verzichten musste. Denn in dieser Zeit hat er jede freie Minute mit dem Schrauben verbracht. Die Geduld hat sich gelohnt, das Ergebnis begeistert längst nicht nur Oldtimer-Enthusiasten.

Bei der Restaurierung hat sich Siebenhaar stets mit viel Hingabe auch den Details gewidmet. Den Chromleisten beispielsweise, dem Telefunken-Radio, der Farbgebung des Kühlergrills, der kleinen Blumenvase auf der Beifahrerseite, oder den leicht gräulichen Ziffern im Tacho, die ursprünglich einmal weiß waren. „Mir ist die leichte Patina wichtig. Das Auto soll original bleiben, man soll ruhig sehen, dass es alt ist“, betont der Wermelskirchener, der sich bewusst auch dafür entschieden hat, die feinen Risse in den roten Echtledersitzen zu erhalten – für die Authentizität.

Überhaupt hat er fast nur zeitgenössische Originalteile neu verbaut, die er sich über Annoncen und Fachmärkte besorgt hat. „Bei Mercedes-Benz in Stuttgart gibt es auch noch ein paar Ersatzteile, aber längst nicht alle.“ Und jetzt? „...bin ich einfach nur froh und stolz, dass es der Wagen über den TÜV geschafft hat und wieder fährt.“

Mit dem eleganten Wagen steuert Siebenhaar nun regelmäßig Oldtimertreffen an oder genießt bei Sonnenschein die Fahrt mit seiner Frau bei aufgeklapptem Verdeck. Das Wetter dieser Tage lädt geradezu zu einer Ausfahrt durchs Bergische ein. „Das ist ein ursprüngliches Fahren, langsam und manchmal auch ein bisschen anstrengend“, sagt der 76-Jährige und deutet auf das Lenkrad: Die Bezeichnung „Kraftfahrer“ trifft es gut, denn an Servolenkung hat 1950 noch niemand gedacht. Auch sind die Schaltwege des Vier-Gang-Getriebes lang. „Was jedoch geblieben ist, ist das Flair der 50er“, sagt Siebenhaar.

Über die bewegte Geschichte seines Daimlers weiß der Oldtimer-Freund gut Bescheid: Einst soll die Luxuskarosse, die sich nur gut betuchte Bürger leisten konnten, an einen Händler in der Schweiz ausgeliefert worden sein. Die Spur des Autos führt in die ehemalige DDR, aus der der Wagen noch vor der Wende über die Tschechoslowakei zurück nach Westdeutschland gekommen sein soll. Rainer Siebenhaar hat dem Benz neues Leben eingehaucht – und sich damit auch einen Kindheitstraum erfüllt. „Schon als Schuljunge habe ich solche Autos bewundert.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wermelskirchener schenkt altem Benz ein zweites Leben

Mehr von RP ONLINE