Ohne 60-Prozent-Förderung kein neues Hallenbad in Wermelskirchen

Ersatzneubau in Wermelskirchen : Ohne Hilfe vom Bund gibt es kein neues Hallenbad

Kapitaldienst würde Einspareffekte auffressen. Stadt will Sprungturm fürs Sportabitur; Gymnasium braucht dafür keinen Turm.

Von der jüngsten Sitzung des Sportausschusses ging ein positives Signal an die Bevölkerung aus: Es wird weiter an den Planungen für einen Ersatzbau des maroden Quellenbades gearbeitet. Die Stadt wurde beauftragt, die europaweite Ausschreibung für einen Generalplaner vorzubereiten. Denn ohne eine Entwurfsplanung läuft nichts: Nur so kann der Bund als Fördergeber überzeugt werden, Fördergeld in das Projekt zu investieren. 60 Prozent braucht Wermelskirchen, sonst ist ein Ersatzneubau nicht zu stemmen. Das machte Kämmerer Dirk Irlenbusch deutlich. Mit einer 60-prozentigen Förderung würde das heutige Betriebsergebnis rund 40.000 Euro im Jahr unterschritten.

Um sich klarzumachen, wo mögliche betriebliche und wirtschaftliche Optimierungspotentiale liegen, waren Gutachter von WSP Deutschland und der con.pro Kommunalberatung beauftragt worden. Torsten Kühne (con.pro) machte deutlich, nur etwa 55 Prozent der Bevölkerung gingen noch gelegentlich ins Bad. „In kommunale Bäder gehen nur Menschen, die aktiv was für die Gesundheit tun wollen“, so der Gutachter. „Geld verdient wird nur in Thermen oder Erlebnisbädern.“

Das Quellenbad weise mit rund 90.000 Besuchern – Individualgäste 55.000 (2017), Sauna 2300, Schulen und Vereine 30.000 – eine Zahl aus, die ein ununterbrochenes Interesse am Schwimmen zeige. Kühne: „Nur die Verkehrsanbindung ist suboptimal.“

Ein Optimierungspotential sehen die Gutachter in den Öffnungszeiten. Wenn das Frühschwimmen an zwei Tagen gestrichen werde, könnte die Aufsicht reduziert werden. „Durch eine bessere Dienstplangestaltung könnten drei Stellen gespart werden“, so Kühne. Unter Strich macht das rund 63.000 Euro aus. Auch die Eintrittspreise müssten deutlich angehoben werden – von derzeit 3,50 auf vier bis 4,50 Euro. Das gilt ebenso für ermäßigte Tarife. „Vielnutzer müssen an den Betriebskosten beteiligt werden“, so der Gutachter.

Der Kostendeckungsgrad des Quellenbades liegt derzeit bei 23 Prozent, der Durchschnitt anderer Bäder erreiche 30 Prozent. Ein weiterer Optimierungsvorschlag ist die Vergabe der Reinigungsleistung an Fremdfirmen. „Das könnte ein Einspareffekt von drei Euro je Stunde bringen.“

In ihrer  Wirtschaftlichtkeitsbetrachtung zeigten die Gutachter auf, dass mit einem Neubau rund 300.000 Euro eingespart werden könnten. Doch die Kapitalkosten fressen die Einspareffekte auf. Liegt das Gesamtbetriebsergebnis  heute bei minus 862.000 Euro, ist es beim Neubau bei minus 1,18 Millionen Euro. Allein der Kapitaldienst würde den Haushalt mit rund 700.000 Euro belasten.

Kämmerer Irlenbusch machte nochmals deutlich, dass der Aufsichtsbehörde die Wirtschaftlichkeit des Bades deutlich gemacht werden müsse. Durch den Neubau dürfe es keine höhere Belastung geben. Deshalb geht ohne eine 60-prozentige Förderung nichts. Die aber ist erst gesichert, wenn der Fördergeber der Planung zustimmt. Unterm Strich, so Irlenbusch, würde man das heutige Gesamtergebnis um rund 40.000 Euro unterschreiten.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es über den Bau eines Sprungturms. Das Gutachten empfiehlt, darauf zu verzichten; Klaus Junge, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, war etwas irritiert, dass der Bau plötzlich geplant sei: „Das war nie Thema im Arbeitskreis Bäder.“ Beim Sportabitur gebe es „kein Springabitur“, da gehe es ums Schwimmen. Vorsitzender Karl-Heinz Wilke sagte klipp und klar: „Ab diesem Moment gilt: Der Turm wird gebaut.“ Norbert Galonska vertrat den Standpunkt, dass die Kosten zwischen Bau oder Nichtbau „nicht groß“ seien. Zahlen wurden aber nicht genannt.

Der Technische Beigeordnete Thomas Marner erklärte auf Anfrage der Bergischen Morgenpost, dass ein Sprungturm bei allen städtischen Planungen „gesetzt“ sei. „Ohne Turm ist das Sportabitur nicht machbar. Wir wollen das Gymnasium stärken. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ Was es auf keinen Fall geben werde, sei ein Außenbecken.

Auf Anfrage der Bergischen Morgenpost stellt die Schulleiterin des Gymnasiums, Elvira Persian klar, dass ein Sprungturm fürs Sportabitur nicht benötigt werde. Anders sehe es in der Schwimmausbildung aus: Bei Rettungsschwimmen sei ein Sprung vom Drei-Meter-Brett obligatorisch; ebenso beim Erwerb von Schwimmabzeichen. „Der Transport in Nachbarstädte wäre mit einem erheblichen Kostenfaktor verbunden. Diese Lösung wäre nicht alltagstauglich“, so Persian. Zudem gebe es nicht genügend Schwimmzeiten.