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Notruf der Flüchtlingsinitiative​

Einsatz für Geflüchtete in Wermelskirchen : Notruf der Flüchtlingsinitiative

In den Sommerferien drohen Engpässe bei der Betreuung der Flüchtlingskinder. Dann werden auch noch die Schulkinder im Gemeindezentrum erwartet.

Mit verschiedenen Farben hat Annegret Hachenberg die Einsatzliste markiert. Sie sitzt inmitten von Legosteinen, Puzzle-Teilen und Stiften im Gemeindezentrum am Markt und organisiert die Kinderbetreuung, die parallel zu den Sprachkursen stattfinden. Mehr als 100 Geflüchtete aus der Ukraine nehmen das Angebot der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ an. Dreimal in der Woche laden Ehrenamtliche zum Sprachkursus ein. Und während die Erwachsenen die fremde Sprachen lernen, spielen die Kinder. „Hier, hier und hier wird es knapp“, sagt Annegret Hachenberg und zeigt auf die roten Blitze in ihrer Liste. Am Montagabend hat sie einen Hilferuf an mögliche Ehrenamtliche gesendet: Die Ferienzeit führe dazu, dass die Kinderbetreuung in den nächsten Monaten nicht mehr gesichert sei, hatte sie verkündet. Und: „Wir kriegen die Krise.“ Sie hatte dringend um Unterstützung gebeten – unter Rentnern genauso wie unter Schülern, die in den Ferien Zeit haben.

Am Dienstagmorgen sieht die Situation schon etwas entspannter aus. „Auf meinen Hilferuf haben sich einige Ehrenamtliche gemeldet“, sagt Annegret Hachenberg. Einige der roten Blitze sind bereits aus dem Plan verschwunden. „Aber im August und September brauchen wir noch dringend Hilfe“, sagt sie. Dienstags, mittwochs und donnerstags von 9.30 bis 11.30 Uhr kommen die Mütter und einige Väter zum Sprachkursus – und Kinder im Kindergartenalter zur Betreuung. Während die Älteren Schulplätze bekommen haben, gibt es keine Kindergartenplätze für geflüchtete Kinder. Also springen vorerst die Ehrenamtlichen ein. Sie entscheiden selbst, in welchem Maß sie sich einbringen können.

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Viele Spenden für Spielzeug im Kinderbereich sind in den vergangenen Wochen eingegangen. Die meisten Kinder verstehen die Sprache der anderen Kinder, sie spielen zusammen. „Manchmal sind sie allerdings ein bisschen frustriert, weil die Erwachsenen ihre Sprache einfach nicht verstehen“, weiß Annegret Hachenberg. Dann sprechen sie ganz langsam und laut, um den Erwachsenen eine Chance zu geben, ihr Anliegen zu verstehen. Wenn alle Stricke reißen, hilft Küster Friedrich Schreiber aus – und dolmetscht dank seiner Sprachkenntnisse zwischen Kindern und Erwachsenen in der Betreuung.

„Am Anfang wollten sich die Kinder auf keinen Fall von ihren Eltern trennen“, erzählt Annegret Hachenberg, „inzwischen freuen sie sich auf das Betreuungsangebot.“ Die Ehrenamtliche weiß aber auch: In den Ferien könnte es voll werden, wenn Geschwisterkinder aus der Schule dazu kommen. Sie hofft auf eine Lösung der Stadt. „Denn für Schulkinder sind wir hier gar nicht ausgerüstet“, sagt sie.

Kontakt Ehrenamtliche wenden sich an: annegret.hachenberg@t-online.de, Telefon 02196 83710  oder 0171 2669215.