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Niemand echauffiert sich so lustig

Kultur in Wermelskirchen : Niemand echauffiert sich so lustig

Der Bochumer Wortakrobat Jochen Malmsheimer gastiert vor 130 Besuchern in der Katt.

Wenn Jochen Malmsheimer von seinem Erstgeborenen berichtet, geht es um Geburtsvorbereitung, die Geburt und die Zeit kurz danach – es geht in dem Programm „Halt mal, Schatz“ zum gleichnamigen Buch, das im vergangenen Jahr in überarbeiteter Fassung eine Neuauflage erfuhr, um das Eltern-Werden, jeder für sich und zu zweit.

Heute ist Malmsheimers Sohn ein junger erwachsener Mann, denn die Urfassung von Programm und Buch entstand bereits 2002. Und heutzutage kann Jochen Malmsheimer, der sich nicht auf Kategorien wie Kabarett oder Comedy verdingt, sondern sich schlicht als Komiker oder Gaukler bezeichnet, selbst herzlich über die Anekdoten von damals lachen. Das war beim Auftritt in der kleinen Halle der Katt, die mit gut 130 Besuchern auf bestuhlten Plätzen ausverkauft war, des Wortakrobaten unübersehbar: Immer wieder ließ sich Jochen Malmsheimer von dem anhaltenden Lachen des Publikums „anstecken“, um dann und wann augenzwinkernd und mit durchdringender Stimme lautstark zu erneuter Aufmerksamkeit zu mahnen.

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Jochen Malmsheimer teilt in „Halt mal, Schatz“ bissig an diejenigen aus, die werdende und junge Eltern umschwirren wie die sprichwörtlichen Motten das Licht, wirkt jedoch trotz Ironie und Selbstironie in seinem Erfahrungsbericht ehrlich, herzlich, keinesfalls verbrähmt.  Malmsheimer will das Eltern-Sein nicht vermiesen. Eher scheint er durch die Blume sagen zu wollen: Mit Humor und der Fähigkeit, auch mal über sich selbst zu lachen, lassen sich Verantwortung, Verpflichtung und Einschränkungen im Vergleich zum Leben ohne Kind besser ertragen lassen.

Der „sonore Charme“, so charakterisiert der Künstler selbst seine Stimme, die sich in allen Facetten des Baritons bewegt, augenzwinkernd, hebt mitunter zu hastigen Wortschwallen an, bremst den Rhythmus seiner Erzählungen, Einwürfen und Vorlesepassagen dann wieder beruhigend aus. Ohne Ruhe kann es kein Aufregen geben und niemand echauffiert so lustig wie der Akteur aus Bochum, der vom Geburtsvorbereitungskurs berichtet: „Etwas, das sich lockerer Stütz nennt, kann nicht elegant sein – eine demütigende Körperhaltung. Und dann soll ich meinen Beckenboden loslassen. Wie soll ich etwas loslassen, was ich noch nie angefasst habe? Mein Beckenboden war schon verlegt, als ich eingezogen bin.“

Andere „frischgebackene Eltern“, die die Malmsheimer bei sechs (!) Elternabende zur Aufnahme des Babys in eine Waldorf-Krabbelgruppe trifft, kriegen ihr „Fett weg“: „Da bin ich offenbar in ein Hornissennest von Saatgutverzehrern und Dämmstofffressern getreten.“ Jochen Malmsheimer ist Stammgast in der Katt, spielte seit der Auflösung von „Tresenlesen“ in den vergangenen gut 15 Jahren alle seine Soloprogramme in Wermelskirchens „Kulturtempel“.