Wermelskirchen: Nicht nur Notfälle in der Notaufnahme

Wermelskirchen: Nicht nur Notfälle in der Notaufnahme

Auch im Städtischen Krankenhaus Wermelskirchen suchen nicht nur Patienten mit schwerwiegender Verletzung oder schwerer Erkrankung die Notaufnahme auf. Krasses Beispiel: Ein Mann mit Fußpilz forderte eine rasche Hilfe.

Die Perspektive macht den Unterschied: Ein Wermelskirchener wird am Sonntag von heftigen Bauchschmerzen geplagt. Die Praxis seines Hausarztes hat geschlossen. Um Gewissheit zu haben, ob es der Blinddarm ist oder eine andere ernsthafte Erkrankung, sucht er die Notaufnahme des städtischen Krankenhauses Wermelskirchen auf.

Foto: Moll Jürgen

Seitenwechsel: Der Pfleger fragt den Patienten, mit welchen Beschwerden er in die Notaufnahme gekommen ist. Und warnt vor: "Nehmen Sie Platz. Es kann dauern, die Ärzte sind im OP, um ein Unfallopfer zu behandeln." Fazit: Einer leidet Schmerzen, erwartet eine rasche Diagnose und Hilfe. Ärzte und Pfleger müssen vielen Patienten helfen, sie behandeln aber nach Dringlichkeit, nicht nach der Reihenfolge. Zu Spitzenzeiten, wenn viele echte Notfälle eintreffen, sind längere Wartezeiten für die anderen unvermeidbar. "So viel Personal können wir nicht vorhalten, um jeden Patienten schnell behandeln zu können", sagt Christian Madsen, Geschäftsführer des Wermelskirchener Krankenhauses.

Foto: Lena Hogekamp

So geht es vielen Kliniken: Immer mehr Menschen suchen die Notaufnahme oder Notfallambulanz auf. Längst nicht jeder ist ein wirklicher Notfall - das beklagen inzwischen deutschlandweit Krankenhäuser. Manch ein Patient möchte womöglich nicht so lange auf einen Facharzttermin warten und geht stattdessen ins Krankenhaus. Andere schätzen ihr Leiden als dringlicher, die Symptome dramatischer ein als sie tatsächlich sind. Das möchten Madsen und sein Stellvertreter Ralf Schmandt auch nicht kritisieren, "es ist für den Laien teilweise auch schwer zu beurteilen." Aber für die Ärzte und Pflegekräfte ist das Aufkommen in der Notaufnahme zunehmend eine erhebliche Mehrbelastung - insbesondere, wenn viele Notfälle auftreten - wie etwa zu Beginn der warmen Jahreszeit, wenn das Unfallaufkommen steigt. In der Regel hielten sich die Wartezeiten, verglichen mit anderen Häusern, aber noch Grenzen.

"Nach Hause geschickt wird aber niemand, alle werden untersucht", betont die Krankenhausleitung. Allerdings sei festzustellen, dass das Anspruchsdenken der Menschen insgesamt zunehme. Ein Mann, der an Fußpilz litt, trat beispielsweise forsch auf und forderte in der Notaufnahme eine zügige Behandlung.

Eigentlich müssten sich viele Patienten an den Notdienst wenden, den die Kassenärztliche Vereinigung eingerichtet hat und über eine Hotline vermittelt. "Doch für die meisten Menschen ist das Krankenhaus einfach naheliegender, es hat einen 24-Stundendienst", resümiert Madsen. Also wird geholfen, auch wenn die Leistungen nicht komplett refinanziert werden, die Krankenhäuser auf einen Teil der Kosten sitzenbleiben.

Um Patienten bei einer Notaufnahme besser richtig zuordnen zu können, haben andere Häuser Portalpraxen eingerichtet. Dort arbeiten Krankenhäuser und Ärzte zusammen. Am Schalter als erster Anlaufpunkt wird der Patient dank gebündelter medizinischer Kompetenz zum richtigen Arzt gesteuert - zum niedergelassenen Arzt, der dort regelmäßig seinen Dienst verrichtet, oder zum Klinikarzt, der womöglich die stationäre Aufnahme veranlasst.

Solch eine Portalpraxis einzurichten, schwebte auch der Krankenhausleitung in Wermelskirchen vor. "Die Räume waren vorhanden", erinnert sich Christian Madsen an den Vorstoß vor etwa fünf Jahren. Doch die Kassenärztliche Vereinigung lehnte ab. Die Patienten aus dem Nordkreis könnten in die Portalpraxis in Bergisch-Gladbach ausweichen. Bedarf bestehe hier nicht. Das könnte sich inzwischen geändert haben. "Die Inanspruchnahme der Notdienste nimmt zu, angesichts steigender Patientenzahlen hat der Gesetzgeber reagiert. Er möchte niedergelassene Ärzte und Krankenausärzte verpflichten, stärker zu kooperieren", sagt Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein auf Nachfrage dieser Redaktion.

In den Portalpraxen werden die Patientenströme an einem gemeinsamen Empfang kanalisiert, indem eine Fachkraft die einzelnen Fälle einschätzt und zuweist. Allerdings seien die Kriterien für die Einrichtung einer solchen zentralen Anlaufstelle noch nicht festgelegt. "Das Krankenhaus muss breit aufgestellt sein", nennt Schneider ein mögliches Kriterium. Daher sei es noch unklar, ob am Wermelskirchener Krankenhaus solch eine Portalpraxis eingerichtet werden kann.

(pd)