Im Blickpunkt Straussenfarm: Neues Leben bei den Straußen und den Bisons in Emminghausen

Im Blickpunkt Straussenfarm: Neues Leben bei den Straußen und den Bisons in Emminghausen

Nachwuchs auf der Straußenfarm in Emminghausen

Auf der Straußenfarm in Emminghausen schlüpfen die Küken. Etwa 150 werden es am Ende der Legezeit im Juni sein. Auf der Farm herrscht bereits jetzt Hochbetrieb. Die BM hat sich dort einmal umgeschaut.

Wermelskirchen Falko reckt seinen langen Hals. Die Zeiten sind aufregend. Sein Schnabel ist ebenso rot gefärbt wie seine Beine, und als Henne Duffy vorbeispaziert, wedelt er mit den stattlichen schwarzen Flügeln - glasklare Zeichen der Balz. Nachts klingt manchmal sein Ruf über die Felder, "Boomen" nennen das Experten. Der Straußen-Hahn hat viel zu tun. Eine Haupthenne und zwei Nebenhennen gehören zu seiner Gruppe - und alle wollen beglückt werden. Dazu kommt die Revierverteidigung, sobald sich ein Gast dem Gehege nähert. Und Falko war es auch, der für das Graben der Nestmulde zuständig war. Kein Wunder, dass er mit aufmerksamen Augen aus 2,40 Meter Höhe jede Bewegung beobachtet.

Währenddessen hat es sich Duffy auf der Nestmulde gemütlich gemacht. "Die Eier haben wir ihr allerdings gestern Abend weggenommen", erzählt Klaus Stöcker. Manchmal würden die Straußenhennen trotzdem auf der Mulde sitzen und sich vorstellen, wie schön es wäre, ein Ei auszubrüten. Das übernimmt zumindest zu Beginn der Brutzeit auf der Straußenfarm in Emminghausen die Maschine - später in der Saison können Strauße einige Eier auch selbst ausbrüten. Bis zu 150 Küken kommen auf der Farm zwischen März und Juni auf die Welt, aktuell sind mehr als 20 geschlüpft. Die Farm lebt von der Zucht - und vom Tourismus. Deswegen müssen die Strauße vorerst auf eine Naturbrut verzichten.

Stattdessen sammelt Mitarbeiterin Kerstin Schnabel jeden Abend zwischen 19 und 21 Uhr die Eier aus den Nestmulden ein. Sechs Tiergruppen, 25 Legehennen und 172 Strauße leben auf der Farm. Und regelmäßig kommt ein Küken hinzu. "Jedes Ei wird markiert", erklärt Stöcker, und dann kommt es in eine Vorrichtung, in der es acht Mal am Tag gedreht wird. Nach zehn bis 14 Tagen nimmt Kerstin Schnabel jedes Ei unter die Lupe. Schimmert es beim Licht der Taschenlampe durchsichtig, ist es nicht befruchtet, wird weiterverarbeitet oder einem Kunden auf der Eier-Warte-Liste übergeben. Wenn sich aber ein kleiner, dunkler Klumpen abzeichnet, entsteht neues Leben. Und das muss ganz schön kämpfen, bis es das Licht der Welt erblickt. Um den 39. Tag herum, dann liegt das Ei längst im warmen Brutschrank, sucht sich der Schnabel des Kükens einen Weg in die Luftblase. Dann betten Stöcker und seine Mitarbeiter das Ei um, es landet im Schlupfschrank. Dort können die Mitarbeiter den Tieren beim Schlüpfen zusehen. "Manchmal möchte ich einfach nachhelfen", sagt Stöcker, "aber ich muss geduldig sein." Für die Tiere ist das eine harte Prozedur: Im Todeskampf, weil sie keine Luft mehr bekommen, bringen sie genug Kraft auf, um das Ei zu sprengen. Hier und da schaut ein Schnabel aus dem Ei, die nassen Federn drücken gegen die gesprungene Schale.

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Zwei Tage brauchen die Tiere bis sie laufen können, einen weiteren bis sie selbst Nahrung aufnehmen. Dann ziehen sie neugierig in ihren ersten Stall um. Leise Wellness-Musik hat Stöcker hier aufgelegt, um den Schreck bei lautem Motorrad- oder Autolärm abzumildern. Kuscheltiere zum Spielen hat das Team dazugelegt. In ihrer Neugierde stehen die Küken ihren Eltern schon in nichts nach. Und ab der fünften Woche geht es hoch hinaus: "Dann wachsen die Küken ein bis drei Zentimeter am Tag", sagt Stöcker, "innerhalbes eines halben Jahres sind sie zwei Meter groß." Bis dahin haben sie viele Gehege gesehen, einige sind verkauft worden, andere werden im Jahr darauf geschlachtet, der Rest wird sich als Legehennen oder stolzer Hahn beweisen.

Zuvor ist Austoben erwünscht: Mehr als 3000 Quadratmeter messen die Gehege der Tiere. "Je nach Bewegungsdrang", sagt Stöcker. Das sei ihm immer wichtig gewesen: Artgerechte Haltung, Platz und Gefährten für die Strauße. Und in Emminghausen erhalten sie dazu noch einen unglaublichen Blick über die Felder und Wälder des Bergischen.

Gleich nebenan haben die majestätischen Bisons vor einigen Tagen Kälbchen zur Welt gebracht. Eine Geburt steht noch ins Haus. "Ja", sagt Stöcker, "die Tiere werden irgendwann geschlachtet. Aber deswegen sollen sie trotzdem ein gutes Leben haben."

(RP)