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Neues Fahrzeug für den Bürgerbusverein

Mobilität in Wermelskirchen : Neues Fahrzeug für den Bürgerbusverein

Einen leichteren Einstieg, mehr Platz und Sicherheit wird der neue Niederflurbus bieten. 89.000 Euro hat das Fahrzeug gekostet – das Land NRW hat den Löwenanteil bezahlt. Die Fahrgastzahlen sind in der Corona-Zeit stark eingebrochen.

Annemarie Galgon kribbelt es schon in den Fingern. „Ich freu mich richtig auf die erste Fahrt mit dem neuen Bus“, sagt die ehrenamtliche Bürgerbusfahrerin, „ich kann es gar nicht abwarten.“ Und dann deutet sie auf das neue Fahrzeug, das zur Übergabe Aufstellung auf dem Rathaus-Vorplatz genommen hat und beginnt die vielen Vorzüge des neuen Busses aufzuzählen. Die Vorfreude bei den rund 30 Fahrern ist am Freitagmittag greifbar. Marcel Frank, Geschäftsführer der RVK, hat die Spezialanfertigung mitgebracht und den Schlüssel feierlich an Wolfgang Craen, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, übergeben. Schon in den nächsten Tagen dürfte der neue Bus auf die Strecke gehen.

Damit erleichtert sich vor allem der Einstieg für die Passagiere: „Wir können nicht von barrierefrei, aber von barrierearm sprechen“, sagt Craen. Der Niederflurbus fahre nicht wie bisher zwei Stufen zum Einstieg aus. Stattdessen wurde das Fahrzeug im Einstiegsbereich tiefer gelegt, so dass zum Beispiel an der Bushaltestelle am Rathaus überhaupt keine Hürde mehr zu überwinden ist. „Natürlich haben wir diesen Luxus in vielen der Dörfer nicht“, sagt Craen. Aber selbst dort müssen die Passagiere künftig nur noch eine statt zwei Stufen nehmen. Für Rollator- und Rollstuhlfahrer wird eine kleine Rampe ausgeklappt. „Und sie können mit ihren Fahrzeugen direkt in den neuen Bus fahren“, sagt Craen. Auch darin liegt eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorgängermodell: Die Bürgerbusfahrer mussten die Rollatoren einklappen und in den Kofferraum legen – inzwischen gibt es keinen Kofferraum mehr, dafür deutlich mehr Platz für die insgesamt acht Sitzplätze im Bus. Jetzt können die Passagiere ihren Rollator im Fahrzeug sicher anbinden und dann Platz nehmen. „Aber wir sind natürlich weiterhin da, um beim Einstieg zu helfen“, betont Annemarie Galgon, „wir nehmen das ernst: Bürger für Bürger.“

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Der neue Bus soll den ehrenamtlichen Fahrern ihren Einsatz dennoch erleichtern: Deswegen hat der Bürgerbusverein bei der Ausstattung viel Wert auf technische Unterstützung gelegt. Müssen die Fahrer doch mal zurücksetzen, assistiert ihnen eine Kamera. Der Frontantrieb dürfte außerdem für ein neues Fahrgefühl sorgen. Und jeder Fahrgast kann an seinem Platz den Haltewunsch aktivieren.

„So einen Bus gibt es nicht von der Stange“, betont Wolfang Craen. Ganz im Gegenteil. Eine Firma aus Venloe habe das Fahrzeug nach den Vorstellungen des Bürgerbusvereins zusammengebaut. Insgesamt 89.000 Euro haben Anschaffen und Umbau des Volkswagens am Ende gekostet. Den Löwenanteil hat das Land Nordrhein-Westfalen bezahlt: Fördergelder von 70.000 Euro waren möglich geworden, weil es ein entsprechendes Programm für den ÖPNV mit Blick auf die Umstellung auf Niederflurbusse gibt. Die übrigen 19.000 Euro hat der Bürgerbusverein in den vergangenen Jahren zusammengespart. „Allerdings leiden wir aktuell unter den rückläufigen Fahrgastzahlen in der Corona-Pandemie“, erklärte Craen. Der Verein müsse monatlich Geld drauflegen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Statt der 7000 bis 8000 Fahrgäste jährlich, werden es in diesem Jahr wohl kaum 3000. „Das bringt uns richtig in Bredouille“, sagt Craen.

Lob gibt es zur Fahrzeugübergabe indes von Marcel Frank vom RVK: „Der Bürgerbus ist eine sinnvolle Ergänzung zu unserem Linienverkehr“, stellt er fest, „insbesondere für Bereiche, die von uns nicht vollumfänglich bedient werden können.“ Deswegen sei auch dem RVK an einer Fortführung der guten Partnerschaft mit dem Bürgerbusverein gelegen.

Das aktuelle Fahrzeug wird jetzt übrigens in die Reserve geschickt. Währenddessen sucht der Wermelskirchener Bürgerbusverein einen Käufer für das 15 Jahre alte Reservefahrzeug.