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Neuenhaus: Waffelpause feiert buntes Geburtstagsfest​

Geneindeleben in Wermelskirchen : Waffelpause feiert buntes Geburtstagsfest

Seit zehn Jahren kehren Ausflügler und Gemeinde an dem besonderen Rastplatz an der Balkantrasse ein. Am Sonntag feierten die Ehrenamtlichen mit Gottesdienst, viel Musik und Geselligkeit.

Herbert Schui steigt gerade vom Rad. „Was ist hier denn heute los?“ fragt er und lacht fröhlich. Auf der Wiese an der Waffelpause spielt der Posaunenchor. An Tischen und Bänken im Schatten herrscht Hochbetrieb. „Ich komme hier öfter bei meinen Touren auf der Balkantrasse vorbei“, erzählt der Radfahrer, „und ich mache hier fast immer Halt.“ Er gönne sich dann erst ein Bockwürstchen und eine Waffel mit Kaffee zum Nachtisch.

Am Sonntag hat sich die beschauliche Waffelpause allerdings in einen Festplatz verwandelt. Die evangelische Kirchengemeinde Hilgen-Neuenhaus feiert den zehnten Geburtstag des besonderen Rastplatzes. Der Festtag hat mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel mit Prädikantin Heike Endepols begonnen. Inzwischen schickt der Posaunenchor fröhliche Töne über die Balkantrassen – er ist schon von weitem zu hören.

„Vor zehn Jahren war an so einen Ort hier nicht zu denken“, sagt Presbyteriumsvorsitzende Dorothea Hoffrogge. Die Gemeinde tat es trotzdem: Sie träume von einem Ort, an dem die Menschen satt werden. Das Grundstück der Gemeinde ließ sich nicht zum Bauland umwidmen, also entschied das Presbyterium, genau hier einen besonderen Ort zu schaffen – um zu den Menschen zu gehen.

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Im ersten Jahr bauten die Ehrenamtlichen jeden Sonntag ein Zelt an der Trasse auf, heimische Waffeleisen kamen zum Einsatz. „Die Menschen freuten sich über das Angebot“, erinnert sich die Presbyteriumsvorsitzende. Ein Jahr später bauten die Ehrenamtlichen der Gemeinde bereits eine Holzhütte, dank vieler ehrenamtlicher Hände entstand der Rastplatz mit Gelegenheiten zum Sitzen, Auftanken und Begegnen. „Wir stellten das Kreuz auf und hielten von Anfang an nicht damit hinter dem Berg, wer wir sind und was mir machen“, sagt Dorothea Hoffrogge, „es ging uns aber nie um Mission.“ Und doch sollen die Menschen hier nicht nur mit vollem Bauch nach Hause gehen, sondern auch mit gesättigter Seele.

Fünf Jahre nach der Gründung entstand ein Gesprächsteam. „Wir erleben heute, dass Menschen mit Gesprächsbedarf am Sonntag hier einen Halt einlegen“, sagt Dorothea Hoffrogge. Die einen kommen für Waffeln und Getränke, die anderen für eine Stärkung in der Not. „Und wir hören zu“, sagt Dorothea Hoffrogge. Das gilt auch für Ideen, die an sie herangetragen werden. Inzwischen ist die Waffelpause barrierefrei, es gibt eine Toilette, und gemeinsam mit dem TuS Niederwermelskirchen entsteht gerade ein Fitnessparcours am Platz. „Man ist eben nie fertig“, sagt die Presbyteriumsvorsitzende und lacht.

Und doch sei es vor allem ein Wort, das ihr an diesem Festtag einfalle, sagt sie noch: „Dankbarkeit“. Für die vielen Ehrenamtlichen, die die Waffelpause unterstützen – und sie auch in Pandemiezeiten am Leben erhielten. Für Spenden und Gelder, die die Weiterentwicklung ermöglichen. Für die Bäckerei Kretzer, die Woche um Woche die Zutaten für den Waffelteig spendet. Für Nachbar Paul vom Stein, der kurzerhand mit anpackt, wenn Hilfe gebraucht wird. Sie alle feiern am Sonntag mit: Richard Kretzer gönnt sich eine Waffel, Paul vom Stein überreicht lachend einen neuen Besen mit Geburtstagsgravur, Norbert Galonska macht Halt an der Waffelpause. Viele Wegbegleiter aus der Gemeinde feiern mit, aber eben auch Passanten, die auf der Balkantrasse vorbeikommen und die Musik hören.

Ernst Oskar Lambeck steht an der Trasse und schüttelt verwundert den Kopf: „Hier lagen früher Schienen, in zwei Richtungen“, erzählt er. Und dann zaubert er alte Fotos aus der Jackentasche und beginnt zu erzählen. Von seiner Kindheit am Löh. Immer mal wieder kommt einer vorbei, mit dem er ins Gespräch kommt. Herbert Schui hat sich inzwischen Waffel und Kaffee an der Holzhütte geholt, wo es köstlich duftet und an diesem Festtag weit über zehn Eimer Waffelteig zum Einsatz kommen. Er findet schnell einen Platz und schnell ein Gespräch. „Was für ein schöner Zufall“, sagt er als der Posaunenchor zum nächsten Lied anstimmt. Dann setzt er seinen roten Helm wieder auf und fährt weiter.