Nach Unfall in Wermelskirchen Verfahren per Handschlag eingestellt

Wermelskirchen · Nachdem sich ein 55-jähriger Verursacher eines Unfalls vor Gericht bei dem verletzten Radfahrer entschuldigt hatte, wurde der Strafantrag zurückgenommen.

Manchmal würde es helfen, miteinander zu reden, um sogar eine Gerichtsverhandlung unnötig zu machen. Diese Erfahrung musste ein 55-jähriger Wermelskirchener vor dem Amtsgericht machen. Der dreifache Familienvater hatte am 18. August des Vorjahres mit seinem Auto einen Unfall an der Bundesstraße 51, als er am frühen Abend in Tente von der Straße ­Bähringhausen auf die Hauptstraße einbog, dabei einen 66-jährigen Fahrradfahrer auf seinem E-Bike übersah und anfuhr, so dass dieser stürzte.

Dabei wurde der Mann so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus Wermelskirchen auf der Intensivstation behandelt werden musste. Er hatte sich mehrere Prellungen im Gesicht zugezogen sowie eine durchtrennte Oberlippe und vier beschädigte Zähne im Oberkiefer. Auch hatte er vor Ort das Bewusstsein verloren. „Ich kann mich an den Unfallvorgang nicht erinnern. In einem Moment bin ich mit dem Fahrrad unterwegs gewesen – im nächsten wurde mir das Gesicht im Krankenhaus gereinigt“, sagte der pensionierte Augenarzt.

Der Angeklagte hatte angegeben, dass er den Fahrradfahrer nicht gesehen habe. Auch sei die Stelle gefährlich. Eine Woche vor dem Vorfall sei dort bereits ein ähnlicher Unfall geschehen. Tatsächlich sagte auch der Vorsitzende Richter bei der Begutachtung der Fotos vom Tatort, dass es nicht ganz eindeutig sei, wie dort mit dem Fahrrad gefahren werden dürfe.

Der Geschädigte zeigte sich vor Gericht gar nicht so sehr angetan davon, dass es zur Gerichtsverhandlung gekommen war. „Ich bin mir sicher, dass der Angeklagte den Unfall so nicht gewollt hatte. Da es jedoch danach keinerlei Kontakt gegeben hat, habe ich den Rat aus dem Bekanntenkreis angenommen, Strafantrag zu stellen. Es wäre förderlich gewesen, wenn er sich mal bei mir gemeldet hätte“, sagte der 66-Jährige. Der Staatsanwalt fragte: „Wenn er sich bei Ihnen entschuldigt hätte, würden wir jetzt also nicht hier sitzen ?“ Davon gehe er aus, sagte der Geschädigte und fügte an: „Vielleicht war der Angeklagte ja auch nur überfordert von der Situation.“

Daraufhin fragte der Staatsanwalt den 66-Jährigen: „Wollen Sie denn den Strafantrag aufrechterhalten ? Sie können ihn nämlich auch zurückziehen.“ Das könne man machen, sagte der Geschädigte. Daraufhin entschuldigte sich der 55-Jährige noch einmal per Handschlag bei dem 66-Jährigen – und da auch kein öffentliches Interesse daran bestehe, den Strafantrag weiterzuverfolgen, stellte der Richter das Verfahren ein gegen den 55-Jährigen, der zudem nicht vorbestraft war.

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