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Nach der Flut in Wermelskirchen braucht es Notwasserwege

Wupperverband zieht Bilanz nach dem Starkregen : Nach der Flut braucht es Notwasserwege

Nach dem Starkregen im Juli muss der Wupperverband sechs Millionen Euro in die Schadensbeseitigung an seinen Anlagen stecken. Die Experten richten ihren Blick auf die Kläranlage Dhünn sowie das Freibad Dabringhausen.

Auf sechs Millionen Euro beziffert der Wupperverband die Schäden, die ihm durch das Starkregenereignis im Juli 2021 entstanden sind. Ein stattlicher Batzen Geld, von dem bereits bis zum Jahresende 1,3 Millionen Euro in Sofortmaßnahmen ausgegeben sind und 4,7 Millionen Euro für 2022 sowie 2023 zu Buche schlagen. Der überwiegende Teil dieser Summe fließt in die Instandsetzung der Kläranlage Odenthal, die die vom Hochwasser am stärksten betroffene der elf Kläranlagen des Wupperverbands ist.

Auf Wermelskirchener Stadtgebiet sind die Abwasseranlagen des Verbands deutlich weniger dramatisch betroffen. Aber: Auch in die Kläranlage Dhünn wird der Wupperverband in Folge des Starkregenes und des damit verbundenen Hochwassers investieren. Das berichteten Dr. Marlene Liebeskind, Betriebsleiterin Gewässerentwicklung beim Wupperverband, und Ulrich Leuchs, Wupperverbands-Fachgruppenleiter Siedlungswasserwirtschaft, auf der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses des Städtischen Abwasserbetriebs.

„In der Kläranlage Dhünn hatten wir bei dem Starkregen ein kleines Problem – ansonsten nirgendwo auf Wermelskirchener Stadtgebiet“, stellte Ulrich Leuchs fest: „Der Wickhauser Bach ist über das Bett getreten.“ Das habe im Dhünner Klärwerk zu einer Überflutung geführt – Elektroanlagen, Wärmedämmung und Putz dadurch in Mitleidenschaft gezogen: „Wegen des Ausfalls der Elektronik haben die Pumpen nicht funktioniert, die Feuerwehr hat uns tatkräftig geholfen.“ Gleichzeitig gab Leuchs Entwarnung, denn die Installationen, die die korrekte Arbeit der Anlage überwachen, hätten konstant funktioniert: „Die notwendigen Werte wurden eingehalten.“ Etwa 50.000 Euro Schaden habe der Wupperverband an der Kläranlage Dhünn zu beklagen. Die Lösung für die Zukunft: Notwasserwege schaffen, die für eine Ableitung zum Schutz des Betriebsgeländes sorgen. Solche Notwasserwege gelte es ebenso zu suchen, wenn das Freibad Dabringhausen geschützt werden solle. „Das Stadtgebiet Wermelskirchen ist bei dem Hochwasser vergleichsweise glimpflich davon gekommen“, bilanzierten die beiden Wupperverband-Experten und schlossen sich damit dem Fazit an, das der Technische Abwasserbetrieb der Stadt Wermelskirchen bereits Ende September für seine Anlagen gezogen hatte (wir berichteten). „Betroffen waren gewässernahe Anlagen, wofür lokale Lösungen nötig sind“, betonten Dr. Liebeskind und Ulrich Leuchs. Dabei sei naturnaher, sogenannter „grüner“, Hochwasserschutz die erste Wahl, sagte die Leiterin der Gewässerentwicklung, aber: „Das ist für den Wupperverband eine immense Herausforderung, weil es sehr schwierig ist, die gewässernahen Grundstücke zu erwerben, um dort Wasserauslauf zu generieren.“

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Die Regenrückhalte- und -überlaufbecken haben nach den Ausführungen des Wupperverband-Duos genauso funktioniert wie die Kläranlage Wermelskirchen. Ihren Dienst tat auch die Große Dhünn-Talsperre, in der während des Starkregenereignisses im Juli acht Millionen Kubikmeter Wasser, in der Spitze bis zu 59 Kubikmeter pro Sekunde, aufgegangen seien. „Wäre das nicht so gewesen, hätte es in Leverkusen und Odenthal ausgesehen wie an der Ahr“, konstatierte Marlene Liebeskind und blickte aus: „Bislang waren die Betriebspläne des Wupperverbandes darauf ausgelegt, Hochwasserschutz nur im Winter vorzuhalten. Das wird sich ändern, da werden wir eine andere Gewichtung finden müssen und 2022 entsprechende Konzepte vorlegen.“

Zum Hintergrund: „Die Talsperre war aufgrund der Trockenjahre zuvor sehr leer. Grundsätzlich ist eine volle Talsperre gut für die Trinkwasserversorgung, aber schlecht für den Hochwasserschutz.“ Die Wetterwerte und -prognosen, die den aktuellen Handlungskonzepten in den Bereichen Wasserabfluss und Kanalisation zugrunde liegen, müssten diskutiert werden, zeigte sich Marlene Liebeskind überzeugt: „Nach vorne sind wir blind. Wir nehmen jetzt alle erst in den Blick, dass sich das Klima ändert.“ Generell gäbe es jedoch keine technischen Möglichkeiten, um ein Starkregenereignis wie am 14. Juli 2021 zu beherrschen.