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Musikschule erwartet 55.000 Euro-Defizit

Kultur in Wermelskirchen : Musikschule rutscht tief in die roten Zahlen

Auf Basis aktueller Zahlen rechnete die Vorsitzende Anke Schopphoff der Politik ein nicht mehr kompensierbares Minus für 2022 vor. Musikschulleiter Daniel Hecker verlässt die Stadt und wird Leiter einer Musikschule in Bonn.

Schock im Ausschuss für Schule und Kultur: Was mit den Worten „Vorstellung Musikschule“ als vermeintlich harmloser Tagesordnungspunkt angekündigt war, entpuppte sich als Alarm-Signal. „Es geht so nicht weiter“, unterstrich die Vorsitzende des Musikschul-Vereins, Anke Schopphoff, mehrfach mit Nachdruck. Demnach steuert die Musikschule auf ein Defizit von 55.000 Euro im Jahr 2022 zu (errechnet auf Basis der aktuellen Zahlen) und kann dann den Musikschul-Betrieb in der jetzt bekannten Form ohne „Geld-Spritzen“ von außen nicht mehr finanzieren. „Wir finden es fair von uns, schon jetzt darauf aufmerksam zu machen“, warfen Anke Schopphoff und Musikschul-Leiter Daniel Hecker in die Runde. Letzterer kündigte obendrein seinen Fortgang aus Wermelskirchen an: „Nach Ostern führen mich meine beruflichen Wege nach Bonn, wo ich die Leitung der dortigen Musikschule übernehme.“

Auf Heckers Nachfolger kommt also keine leichte Aufgabe zu, will er dessen vom Schulausschuss durchweg als positiv bewertete Arbeit in der jetzigen Form fortsetzen. „Ein Plan B (Anm.d.Red.: sprich deutliche Einsparungen) wäre eine massive Angebotskürzung mit einem Ergebnis, das nichts mehr mit der heutigen Musikschule zu tun hätte“, stellten Schopphoff und Hecker unisono fest. Der „Noch-Musikschul-Leiter“ ergänzte: „Einen Plan B möchte ich gar nicht in Erwägung ziehen.“

Anke Schopphoff erinnerte an die Entwicklung, die die Musikschule in die absehbar schwierige Lage gebracht hätte: Seitdem die Stadt im Haushaltssicherungskonzept (HSK) sei, fehle ein jährlicher Zuschuss von 60.000 Euro. Infolgedessen seien seit 2010/2011 zwei Stellen komplett gestrichen worden. Obendrein habe die Musikschule seit 2017 die Gehälter und Honorare für die freien Kräfte nicht erhöht. „Auch das geht so nicht weiter, denn die Bezahlung muss zumindest der in den benachbarten Kommunen entsprechen“, sagte Anke Schopphoff.

Die Vereinsvorsitzende berichtete zudem von der aktuellen Erfahrung mit einer weiteren vermeintlichen „Stell-Schraube“: „Wir haben die Entgelte zum Jahresende 2019 um sieben Prozent erhöht, woraufhin viele Schüler abgesprungen sind. Das ist vielen Menschen zu teuer, dieser Verlust lässt sich für uns nicht kompensieren.“ Damit wäre in Sachen Gebührenerhöhung das Ende der Fahnenstange mehr als erreicht: „Da ist mehr nicht realisierbar.“ Durch die vom HSK bedingten Streichung des städtischen Zuschusses mache die Musikschule in den vergangenen fünf Jahren jährlich ein Minus: „Aktuell rechnen wir mit einem Defizit von 18.000 Euro“, rechnete Anke Schopphoff vor. Spenden und Rücklagen hätten diese „Miesen“ bislang kompensiert – „das geht ebenso wenig noch länger so weiter“.

Die Politiker im Ausschuss für Schule und Kultur nahmen den Musikschul-Bericht unter sichtlichem Schock zur Kenntnis. Sie zeigten sich allerdings froh darüber, frühzeitig über die absehbare Entwicklung informiert worden zu sein und versprachen, das Thema in anstehenden Beratungen zu berücksichtigen. Zusagen machten sie aber nicht.

Bürgermeister Rainer Bleek mahnte: „Auch wenn wir nach dem Doppelhaushalt 2019/2020 wie geplant aus dem HSK fallen: Der für 2021 für ein Jahr vorgesehene Haushalt muss unter HSK-Aspekten aufgestellt werden.“ Damit muss die Stadt das Herausfallen aus den HSK-Rahmenbedingungen nachhaltig beweisen.