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Wermelskirchen: Montessori-Zweig geplant

Wermelskirchen : Montessori-Zweig geplant

Die Sekundarschule in Wermelskirchen soll auch einen Montessori-Zweig bekommen. An der örtlichen Hauptschule gibt es bereits eine Montessori-Klasse. Die BM ließ sich erklären, wie dort gelernt wird.

Überraschend kam jetzt für den Schulausschuss die Ankündigung, dass es in der neuen Sekundarschule möglichst auch einen Montessori-Zweig geben soll. Die Hauptschule Wermelskirchen hat bereits drei Lehrer mit Zusatzausbildung und auch praktischer Erfahrung in der Montessori-Pädagogik sowie eine Klasse, die seit zweieinhalb Jahren erfolgreich nach den Montessori-Methoden lernt. Diese Erfahrungen sollen in das neue Sekundarschulsystem in Wermelskirchen einfließen.

Bei einem Besuch in der Montessori-Klasse erklärten Hildegard Osterhold und Thomas Rauh gestern der BM, wie dort gelernt wird und worin sich die Montessori-Paädagogik vom klassischen Frontalunterricht unterscheidet. Thoams Rauh (42) hatte sich bereits im Studium mit Montessori beschäftigt und war drei Jahre lang an einer Montessori-Schule. Hildegard Osterhold (54) hat eine eineinhalbjährige Zertifikatausbildung absolviert. Und mit Ursula Kroker gibt es eine dritte Lehrkraft an der Hauptschule mit Montessori-Befähigung. Alle drei Lehrer würden sich freuen, ihre Montessori-Erfahrungen in die neue Sekundarschule mit einzubringen.

Rauh und Osterhold sind gleichberechtigte Klassenlehrer und erteilen mindestens 20 der insgesamt 28 bis 29 Unterrichtsstunden ihrer siebten Klasse. Ihren Unterricht gliedern sie in thematische Epochen von vier bis sechs Wochen. Zur Zeit lautet das Thema: "Wir erkunden die kalten Zonen der Erde." Dazu bekommen die Schüler dann Aufgaben, die sie in ihrem Vermögen entsprechend zumeist in drei unterschiedlichen Niveaus im selbst gesteuerten Lernen erarbeiten. Auch die Klassenarbeiten, zumeist eine pro Epoche, werden nach den Leistungsniveaus schwach, normal, stark gestellt. "Aber die Kinder sind nicht festgelegt, sie können jederzeit testen, ob sie die Aufgaben eines anderen Niveaus lösen können", betont Rauh. Das Epochenlernen habe auch den Vorteil, dass sich Themen intensiver erarbeiten lassen und sich besser festsetzten. Und es fördere das Konzentrationsvermögen der Kinder, stellen die Lehrer fest. Durch das intensive Einsteigen in ein Thema, das dann in möglichst allen Unterrichtsfächern vorkommt, sollen die Kinder auch Zusammenhänge besser erkennen lernen und sich die Welt als Gesamtheit erschließen.

Leistungsorientiertes Lernen

Ein ganz wichtiger Baustein sei auch der Klassenrat, betont Hildegard Osterhold. Denn bei der Montessori-Pädagogik würden Konflikte mit den Betroffenen gemeinsam gelöst: "Wir sprechen nicht zuerst mit den Eltern über die Kinder. Wir sprechen mit den Kindern und vor allem auch die Schüler untereinander", betonen Osterhold und Rauh. Übrigens sollen auch in der Sekundarschule solche Klassenräte zu einem obligatorischen Baustein werden.

Auch das freie Lernen, wie in der Montessori-Pädagogik, soll auf die Sekundarschule übertragen werden. "Montessori ist ein leistungsorientiertes Lernen", betont Rauh. Und Osterhold fügt hinzu: "Wer es gelernt hat, sich etwas selbst zu erarbeiten, der kann später auch studieren."

(RP/rl)