Montagsinterview mit Achim Kapp (ADFC) aus Wermelskirchen

Montagsinterview Achim Kapp aus Wermelskirchen : „Alltagsradfahrer haben es immer noch schwer“

Achim Kapp ist Projektleiter in der AG fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte. Er spricht über die Radsituation in seiner Heimatstadt Wermelskirchen.

Herr Kapp, wie ist es um die Radfahrer in Wermelskirchen bestellt?

Achim Kapp Die Verkehrssituation für Radfahrer, die das Fahrrad täglich als Verkehrsmittel nutzen wollen, hat sich leider auch nach Inbetriebnahme der Dellmannstraße als Umgehungsstraße und der Umgestaltung der Innenstadt nicht durchgreifend verbessert. Alltagsradfahrer in Wermelskirchen haben es immer noch sehr schwer. Es gibt kaum sicher und komfortabel zu befahrende Straßen und Wege. Viele Eltern trauen sich aus gutem Grund kaum, ihr Kind mit dem Fahrrad in die Schule fahren zu lassen.

Lückenschluss: Bald führt die Radtrasse durch Zenshäuschen. Das freut die Radfahrer, aber nicht die Anwohner. Foto: Hogekamp, Lena (hoge)

Wie hat sich die Situation in den vergangenen 20 Jahren verändert?

Kapp Durch den Panorama-Radweg auf der ehemaligen Balkan-Express-Strecke haben sich die Bedingungen für den Freizeit- und den radtouristischen Verkehr sehr zum Positiven verändert. Die alte Bahntrasse hat sich zu einem echten Renner entwickelt, der Wermelskirchen über die Grenzen des Bergischen Landes hinaus in Fahrradkreisen bekannt gemacht hat.

Wo sehen Sie heute konkreten Verbesserungsbedarf?

Kapp Die Lücke im Zuge der Balkanroute ist sicherlich das größte Manko für den Radverkehr in Wermelskirchen. Die wenigen auf Stadtgebiet vorhandenen Radwege müssten dringend saniert und die Verkehrssicherheit, insbesondere an den Kreuzungen und Einmündungen, verbessert werden. Auch die sporadisch vorhandenen Schutzstreifen weisen teilweise große Mängel auf. Ein Beispiel hierfür ist etwa an der B 51 Tente, Einmündungen „Bähringhausen“ und „Am Krupin“. Dort besteht zwischen Radfahrern und abbiegenden Kraftfahrzeugführern keine ausreichenden Sichtbeziehungen. Oder die nicht begreifbare Verkehrsführung am Ende der Balkanroute am Autohaus Lambeck, wo sich Ortsfremde regelmäßig verfahren und es immer wieder zu brenzligen Verkehrssituationen kommt.

Was ist Ihrer Meinung nach gut?

Kapp Ich freue mich darüber, dass sich die Stadtverwaltung sehr darum bemüht, den Weg und auch die Wegeränder der Balkanroute in einem akzeptablen Zustand zu halten. Durch die Neubesetzung von Führungspositionen in der Stadtverwaltung und den einsetzenden Generationenwechsel in Rat und Verwaltung habe ich den Eindruck, dass die Erkenntnis reift, dass die Bedingungen für den Radverkehr und den ÖPNV verbessert werden müssen, wenn Wermelskirchen auch für junge Menschen attraktiv bleiben soll, und Wermelskirchen von der Dynamik der Bevölkerungsentwicklung entlang der Rheinschiene profitieren will.

Wie kann man in einer kleineren Stadt die Menschen vom Auto aufs Fahrrad bekommen?

Kapp Indem man konsequent die Bedingungen für den örtlichen Radverkehr verbessert. Dazu gehört nicht nur die sukzessive Verbesserung der Wegeinfrastruktur, sondern auch die Schaffung von Fahrradabstellplätzen in der Innenstadt. Fahrradfahrer müssen sich in einer Stadt wohl und willkommen fühlen. Autofahrer in Wermelskirchen müssen lernen, mehr Rücksicht auf Fußgänger und Radfahrer zu nehmen. In einer Kleinstadt mit Herz sollte dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Es sind aber oft auch Fahrzeugführer mit RS-Kennzeichen, die offenbar immer noch nicht verstanden ganz haben, dass Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang haben.

Welche Ideen aus Ihrem beruflichen Umfeld im Rhein-Erft-Kreis könnten Sie sich auch in Wermelskirchen als umsetzbar vorstellen?

Kapp Der Radverkehr an Rhein und Erft boomt. Die meisten Kommunen verfügen über einen Fahrradbeauftragten und haben ein Radverkehrskonzept. Das könnte sich Wermelskirchen zum Vorbild nehmen. Wichtig ist es, dass die Stadt Kontakt zu Vereinen und Verbänden, wie dem ADFC und dem VCD. hält.

Können Sie Radschwerpunkte in Wermelskirchen aus Ihrer Sicht benennen?

Kapp Es fehlt in Wermelskirchen entlang des Höhenrückens eine zentrale Fahrradachse, von der aus alle wichtigen Ziele in der Innenstadt sicher und komfortabel zu erreichen sind. Die geplante Verbesserung durch die Einbeziehung der Straße „Zenshäuschen“ in die Balkanroute ist hierzu ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zu den Ortsteilen Dhünn und Dabringhausen sollten unbedingt durchgehende Radwegeverbindungen geschaffen werden.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Bahntrassen als unter anderem Fahrradwege?

Kapp Eine Stadt wie Wermelskirchen muss über einen Bahnanschluss verfügen, wenn sie als Wohn- und Ausbildungsstandort konkurrenzfähig bleiben will. Bei aller Freude über die Fahrrad-Bahntrassen darf man die Reaktivierung des Schienenverkehrs auf einigen Relationen nicht aus dem Auge verlieren.

Fahren Sie selbst mit einem normalen oder einem E-Bike?

Kapp Ich selbst fahre einen Fahrrad-Oldtimer, ein robustes Tourenrad mit Stahlrahmen, Lenkerkorb und stabilem Gepäckträger.

Welche Radstrecke fahren Sie am liebsten?

Kapp Sehr schön finde ich den Radweg zwischen Hückeswagen, Wipperfürth und Marienheide. Sehr gerne fahre ich aber auch von Wermelskirchen über Höhrath und die Solinger Talsperre nach Strohn und dann entlang der Wupper bis nach Leichlingen. Gerade zur Obstblüte ist eine Fahrt an der Unteren Wupper ein großer Genuss.

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