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Wermelskirchen: Mitarbeiter protestieren vor Obi-Zentrale

Wermelskirchen : Mitarbeiter protestieren vor Obi-Zentrale

Mehr als 200 Beschäftigte aus zehn Märkten in ganz Deutschland haben gestern an der Albert-Einstein-Straße lautstark eine Rückkehr in die Tarifbindung gefordert. Sie monierten die ungleichen Bedingungen an den einzelnen Standorten.

Um 14 Uhr wird es vor der Obi-Zentrale richtig laut. Mit dem Bus aus Stuttgart treffen auch die letzten Obi-Mitarbeiter in Wermelskirchen ein. Die 70 Beschäftigten,die durch einen Stau auf der A 3 aufgehalten wurden, werden von ihren Kollegen mit frenetischem Jubel begrüßt. Der Streik kann jetzt so richtig beginnen.

Letztendlich waren es gestern mehr als 200 Mitarbeiter, die vor der Zentrale von Obi-Deutschland eine einheitliche Tarifbindung und damit eine höhere Homogenität der einzelnen Märkte forderten. Sie waren der Einladung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gefolgt. Vertreter aus NRW, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Badem-Württemberg hatten die Reise nach Wermelskirchen auf sich genommen.

Henrike Greven teilte die konkreten Forderungen per Megafon mit. "Der Manteltarifvertrag muss in allen Bundesländern unterschrieben werden", rief die Bezirks-Geschäftsführerin, die im Auftrag des Verdi-Bundesvorstandes aktiv war. Zudem drängte sie im Sinne ihrer Kollegen auf einen zügigen Abschluss der Entgelttarifverträge und einen Anerkennungstarifvertrag für Obi. "Und für unsere Forderungen kämpfen wir", hallte es aus dem Megafon. Dafür spendeten ihr die Streikenden Jubel und Applaus.

Bernhard Groening, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates Deutschland, stand gestern ebenfalls vor der Zentrale. "Es kann einfach nicht sein, dass die Bezahlung und die Bedingungen in den deutschlandweiten Märkten so unterschiedlich sind", sagte Groening gegenüber der BM. Der Betriebsratschef kritisierte dabei die Geschäftsführung: "Uns stört einfach, dass die Obi-Geschäftsführung die Gespräche mit Verdi hinsichtlich des Anerkennungstarifvertrages verweigert." Nur knapp 15 Märkte in ganz Deutschland seien überdies tarifgebunden.

Undine Zachlot von Verdi Erfurt sorgte gestern für die nötige Lautstärke. "Oh, Obimarkt, oh, Obimarkt, wir wollen ein' Tarifvertrag", stimmte sie auf die Melodie von "Oh, Tannenbaum" an. Die Streikenden stimmten schnell mit ein.

Einige Arbeitnehmer aus der Zentrale zeigten sich an den Fenstern und machten sogar Fotos von dem Spektakel. Es gab schließlich Interessantes zu sehen. Eine Frau aus einem Thüringer Markt hielt ein großes Obi-Plakat in den Händen. Demnach steht Obi für "Ohne besonderes Interesse (am Mitarbeiter)". Eine weitere Thüringerin sagte, dass die gut sechsstündige Fahrt nach Wermelskirchen zwar sehr anstrengend gewesen sei, "aber das ist eben Arbeitskampf und keine Vergnügungsfahrt".

Obi selbst äußerte sich auf Anfrage der BM zu dem Streik. Das Unternehmen ließ verlauten, ein "gutes Verhältnis zu unseren Betriebsräten zu haben" und mit diesen in "regelmäßigem und konstruktivem Austausch" zu stehen. "Wir sind natürlich auch nicht immer einer Meinung und haben auch Verständnis, wenn die Kolleginnen und Kollegen ihre Forderungen direkt an die Zentrale richten", sagte Sprecherin Elena Ottaviano. Sergio Giroldi, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, habe gestern Nachmittag auch noch vor Ort das Gespräch mit den Streikenden gesucht.

"Natürlich prüfen wir die Forderungen und unterhalten uns auch weiterhin mit unseren Betriebsräten", äußerte sich Elena Ottaviano weiter. Über ein mögliches Ergebnis könne sie aktuell jedoch noch nichts sagen.

Neben einem Gespräch mit dem Vorstandschef gab es für die streikende Belegschaft zudem Kaffee und belegte Brötchen zur Stärkung. Diese nahm die Spende dankend an — mit einem großen Aber. "Wir lassen uns nicht mit Kaffee abspeisen. Unsere Forderungen bleiben", sagte eine Frau stellvertretend für die Mitarbeiterschaft.

(RP)