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Im Gespräch mit Karin Peter: Mit Spülmittel und Seife zum Reinemachen

Im Gespräch mit Karin Peter : Mit Spülmittel und Seife zum Reinemachen

Karin Peter ist Köchin und Hauswirtschafterin und unterrichtet am Bergischen Berufskolleg in Wermelskirchen. Ein Gespräch über den Frühjahrsputz.

Frau Peter, haben Sie Ihren Frühjahrsputz schon hinter sich?

Karin Peter Ja, natürlich. Wir machen den hier in der Schule immer schon vor den Osterferien. Dann wird richtig gründlich saubergemacht. Privat auch, aber es ist natürlich heutzutage gar nicht mehr in dem Maße nötig, weil wir unsere Häuser ja regelmäßig sauber halten - und heute auch nicht mehr die großen Verunreinigungen durch die Kohlenöfen als Heizungen haben. Man geht aber vor Ostern natürlich her und macht, neben dem österlichen Schmücken und Dekorieren, noch einmal ganz besonders ordentlich und sauber.

Was genau versteht man eigentlich darunter, was gehört dazu?

Peter Früher, in den 50er-Jahren und davor, wurden die meisten Häuser mit Kohle beheizt. Beim Verbrennen dieser Kohle bildet sich ein ganz, ganz feiner Staub, der sich über wirklich alles legt, was in der Wohnung ist. Zum anderen waren über den Winter die Türen und Fenster zu, um die kostbare Wärme im Inneren zu halten. Wenn man dann im Frühjahr, wenn die ersten Sonnenstrahlen wieder lockten, die Fenster wieder geöffnet werden und die Sonne in die Wohnungen schien - dann sah man den ganzen Dreck plötzlich recht deutlich. Und dann hat man eben alles aus der Wohnung rausgeräumt und von oben bis unten sauber gemacht...

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Das ist also der Grund dafür, im Frühling den Feudel zu schwingen?

Peter Ja, wobei ich glaube, dass es schon noch viel weiter zurück reicht: So hat man etwa in der frühen jüdischen Gesellschaft, etwa um die Zeit von Jesus, zum Pessach-Fest das ganze Haus gereinigt. Denn zum Pessach-Fest darf ja nirgendwo ein Krümel gesäuerten Brotes herumliegen. Die Christen haben das dann übernommen, Ostern und Pessach liegen ja um die gleiche Zeit im Jahr.

Macht man das heutzutage auch noch?

Peter Bei der älteren Generation ist das auf jeden Fall noch drin, das gehört einfach zum Jahresrhythmus. Bei den jüngeren wage ich das zu bezweifeln, denn die wachsen einfach ganz anders auf. Es ist ja alles immer möglich und verfügbar: Ich muss nicht auf die Sonne warten, um meine Wäsche auf die Bleiche zu legen. Ich muss nicht auf trockenes Wetter warten, um den Teppich draußen auf der Teppichstange auszuklopfen. Wir haben den Staubsauger - und fertig ist das Thema!

Wie lange dauert denn so ein kompletter, ausgiebiger Frühjahrsputz?

Peter Also, wenn man richtig gründlich ist, so mit Gardinen abnehmen und waschen, dann ist man da schon schnell drei ganze Tage von früh bis spät im Einsatz. Dann gibt es zu Mittag auch nur Suppe, weil man mit dem Putzen alle Hände voll zu tun hat.

Gibt es grobe Fehler, die man beim Frühjahrsputz machen kann?

Peter Der größte Fehler ist meiner Meinung nach, dass man viel zu viele verschiedene Reinigungsmittel in viel zu großen Mengen verbraucht. Ganz nach dem Motto: Viel hilft auch viel. Außerdem gibt es einfach kein Reinigungsmittel, das von alleine putzt. Aufsprühen, abspülen, fertig ist der Glanz - das wäre natürlich schön, aber das klappt nicht. Wir sind da durchaus große Umweltsünder, wenn wir all das in den Mengen nehmen, wie es uns auch die Werbung suggeriert. Viele Dinge gehen einfach nur weg, wenn man reibt - das bedeutet also: mechanische, teilweise anstrengende Arbeit.

Lehren Sie das Thema auch im Hauswirtschaftsunterricht?

Peter Das ist wegen der sich ständig ändernden Lehrpläne so eine Sache... Für die Bereiche Haushaltsführung, Haushaltspflege und Wäschepflege ist immer weniger Zeit vorgesehen. In der Berufsfachschule für Ernährung sind wir da bei einer Wochenstunde angekommen.

Reicht das Ihrer Meinung nach aus?

Peter Ich würde das nicht getrennt vom restlichen Unterrichtsstoff anbieten, es gehört meiner Meinung nach alles zusammen. Es sind ja vor allem Fähigkeiten, die viele unserer Schüler gar nicht mehr kennen, weil sie es von daheim nicht mitbringen. Interessant ist dabei, dass der Schüler sein neues Handy quasi intuitiv bedienen kann. Aber die Waschmaschine, auch mit Display und blinkenden Lichtern, bleibt da oft ein Buch mit sieben Siegeln.

Geschweige denn "analoges" Waschen,...

Peter ... das ohnehin kaum noch jemand macht. Was schade ist, weil es immer noch Stoffe gibt, für die das besser wäre. Seide etwa, Wolle oder Spitze.

Wie kommt das Thema bei den Jugendlichen an?

Peter Bei Schülerinnen mit Migrationshintergrund erlebe ich häufig, dass sie vieles noch können. Sie müsse ja teilweise viel im Haushalt helfen, hauptsächlich kochen und putzen. Dadurch sind viele hier bereits vergessene Tätigkeiten bei den Schülerinnen präsent. Bei den meisten Jugendlichen macht das oft die Mama daheim, darin sehe ich auch eine gewisse Gefahr der Unselbstständigkeit.

Womit lässt sich am besten putzen?

Peter Ich benutze auf jeden Fall ein ganz einfaches Spülmittel. Dann braucht man eine gute Kernseife oder schwarze Seife. Und natürlich Essig. Damit kriegt man das ganze Haus sauber. Zum Waschen braucht man ein Buntwaschmittel, weil das ohne Bleichstoffe ist, und ein Vollwaschmittel für weiße Wäsche - eben wegen der Bleichstoffe. Und je nachdem, was man an Wäsche hat, auch noch eines für Wolle und Seide, weil da keine Enzyme enthalten sind, die diese tierischen Fasern angreifen würden. Und das war's, mehr braucht man nicht! Nur wenn in der Familie jemand krank ist - Grippe, Brechdurchfall oder Ähnliches -, sollte man etwa die Türgriffe desinfizieren. Aber nur dann. Wir müssen nichts keimfrei halten, 99 Prozent der Keime im Haus müssen nicht weg, wir leben damit, das ist unser Umfeld.

Wie bekommt man beispielsweise das Badezimmer kalkfrei?

Peter Essig! Das hilft am besten, oder auch Zitronensäure. Man muss das abhängig von der Wasserhärte mehr oder weniger intensiv machen. Wichtig ist, wenn man Essigessenz nimmt, sollte man sie verdünnen, weil sie sonst zu ätzend ist.

Reicht es, die Gardinen einfach in der Waschmaschine zu waschen?

Peter Da wir ja, wie gesagt, nicht mehr mit Holz heizen, reicht das in der Regel aus. Auch weil in den wenigsten Familien noch in der Wohnung geraucht wird, reicht die normale Gardinenwäsche aus.

Wie werden die Fenster streifenfrei und blitzsauber?

Peter Am einfachsten geht es mit Spülmittel und einem Hauch Spiritus. Denn der nimmt beim Verflüchtigen noch mehr Feuchtigkeit mit sich und so hat man automatisch weniger Streifen. Dann noch mit sauberen Tüchern nachpolieren - fertig.

Gibt es eigentlich analog zum Frühjahrs- auch einen Herbstputz?

Peter Nein, eigentlich nicht. Man hat sich auf den Winter vorbereitet und nur die gute Stube noch mal für Weihnachten richtig schön geputzt und hergerichtet.

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

(wow)