Workshop in Wermelskirchen Mit dem Pantomimen die Körpersprache entdecken

Wermelskirchen · Carlos Martinez gibt im Workshop an der Neuschäferhöhe Einblicke in eine Sprache ohne Worte.

 Lachen ist gesund: Pantomimen-Workshop mit (v.l.) Dana Wengler, Carlos Martinez, Anke Stolz und Jana Krämer.

Lachen ist gesund: Pantomimen-Workshop mit (v.l.) Dana Wengler, Carlos Martinez, Anke Stolz und Jana Krämer.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Am Abend zuvor haben sie ihn noch auf der Bühne gesehen – geweint, gelacht, gestaunt und gejubelt, weil der Pantomime aus Spanien so berührend ohne Worte, aber mit seinem Herzen spricht. Am Morgen danach hat sich Carlos Martinez abgeschminkt. Aber seine Augen haben immer noch dieses Funkeln, sein freundliches Lachen hat noch immer diese besondere Kraft.

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Neuschäferhöhe hat den erfolgreichen Pantomimen, der mit seiner Show in Städten auf der ganzen Welt zu Gast und auch an der Neuschäferhöhe seit seinem Besuch im vergangenen Jahr kein Fremder mehr ist, zum Workshop gebeten. „Es gab sehr schnell sehr viele Anmeldungen“, sagt Pastor Albert Esau. Und so steht Carlos Martinez am Samstagvormittag im Gemeindehaus an der Neuschäferhöhe vor einer großen Runde. Er spricht Englisch – „my englisch is very spanish“, sagt er lachend – und die Teilnehmer verstehen ihn trotzdem bestens. Die Dolmetscherin, die gleichzeitig seine Managerin ist, muss nur selten helfen.  

Ohnehin scheint Carlos Martinez nie einfach nur zu sprechen – er streut Gesten und Mimik ein, dazu immer mal wieder seine große Kunst der Pantomime. „Körpersprache ist aber, wenn ich Gefühle zeige, obwohl ich das eigentlich nicht will“, erklärt er schließlich, „es ist die Sprache der Seele.“ Und dann erzählt von jenen Situationen, in denen sein Sohn zu spät nachhause kommt und eine vorbereitete Lüge auftischt. „Das sehe ich sofort“, sagt Martinez, „an seinen Augen. Und dann biete ich ihm an, bei mir das Lügen zu lernen.“

Die Teilnehmer lachen und Carlos Martinez grinst. Wer sich auf die Körpersprache des anderen konzentriert, der erkennt sie. Traurigkeit, Unsicherheit, Wut oder pure Freude. „Aber Vorsicht“, sagt der Experte, „hundertprozentig sicher sein, ob man richtig rät, kann man nie.“ Und dann zeigt er so unterhaltsam und heiter all die Missverständnisse auf, die Körpersprache eben auch auslösen kann, dass trotz all der Wahrheit ein fröhliches Lachen im Raum hängen bleibt.

Der Pantomime aus Spanien lädt die Teilnehmer schließlich zu Übungen ein – um zu lernen, die eigene Körpersprache besser zu kontrollieren, um klare Signale zu senden und um den anderen besser verstehen zu lernen. „Wenn ich die Körpersprache des anderen sehe, habe ich drei Möglichkeiten“, sagt er und denkt an traurige Blicke, an geballte Fäuste oder zitternde Hände, „ich kann es ignorieren, ich kann raten oder ich kann fragen.“

Und dann empfiehlt Carlos Martinez, der so oft ohne Worte auskommt: „Nicht urteilen, sondern fragen.“

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