Prozess zum Missbrauchsfall Wermelskirchen „Die Chats erzählen eine ganz andere Geschichte“

Köln · Die Festnahme von Marcus R. hat im Missbrauchskomplex Wermelskirchen zu mehr als 130 weiteren Tatverdächtigen geführt. Ein bereits verurteilter 40-Jähriger wurde im Kölner Prozess nun als Zeuge gehört und verärgerte die Kammer mit falschen und verharmlosenden Aussagen.

Der Angeklagte beim Prozessauftakt im Dezember 2022.

Der Angeklagte beim Prozessauftakt im Dezember 2022.

Foto: dpa/Oliver Berg

So zurückhaltend Marcus R. in den Chats mit anderen Pädokriminellen war, was die Preisgabe persönlicher Lebensumstände anging, so leichtfertig beging er seine Taten. Der Mann, der nach Feierabend als Babysitter jobbte, um in Kontakt mit kleinen Kindern zu kommen, missbrauchte in einem Fall einen kleinen Jungen, während dessen Mutter zu Hause war. Er hätte sie über die Holztreppe rechtzeitig nach oben kommen hören, antwortet er am Montag dem Vorsitzenden Richter Christoph Kaufmann auf Nachfrage. In den Chats hingegen schrieb er nur unter einem Alias-Namen und gab einen falschen Wohnort an. Seine Chat-Partner waren da oft wesentlich offener, wie an diesem Prozesstag deutlich wurde.