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Kommentar: "Millionenbeträge" an Städte

Kommentar : "Millionenbeträge" an Städte

Bürger profitiert von Gewinnen

Die Liberalisierung des Energiemarktes ist vor der Haustür zu spüren. Der regionale Versorger verliert zunehmend Kunden. Er selbst kann die Preise aber nicht günstiger anbieten, denn da sind die Vorgaben der Lieferanten – und der Staat schöpft auch noch kräftig ab.

Die Flucht nach vorn scheint hier der einzige Ausweg. Es eben der Konkurrenz gleichzutun – nämlich einzusteigen in den bundesweiten Online-Handel mit Energie. Gas dürfte, wenn Wermelskirchen zustimmt, der erste Schritt sein, Strom irgendwann der zweite.

Doch dem liberalen Bürgermeister ist nicht wohl bei der Sache. Er sieht diese Geschäftsidee nicht als Aufgabe der Kommune an – Gasverkauf in Wermelskirchen ja, aber nicht in Hamburg. Seiner Auffassung nach verbiete dies die Gemeindeordnung. Zudem würden die BEW-Kunden nicht davon profitieren.

Wipperfürth und Hückeswagen haben bereits zugestimmt. Setzen sich diese beiden Gemeinden über die Gemeindeordnung hinweg? Ebenso wie viele andere Kommunen im Land? Denn die Vertriebsgesellschaft ist kein Pilotprojekt. Es scheint eher die Aussicht zu sein auf zusätzliche, wenn auch kleine Gewinne, und bessere Einkaufsmöglichkeiten. Denn davon profitieren letztlich auch die BEW-Kunden. Und daher ist dies ein Schritt, der gewagt werden sollte.

Wilhelm Heikamp, Geschäftsführer der BEW, fordert die Kommunalpolitiker auf, den Schritt zu einer Gas-Vertriebsgesellschaft zu unterstützen. "Die BEW als Gesellschaft profitiert davon. Und die Politiker haben, weil sie ihre Städte vertreten, eine Verantwortung für den Anteilseigner." Immerhin zahle die BEW an die drei Städte Wermelskirchen, Wipperfürth und Hückeswagen "Millionenbeträge" an Gewerbesteuer, Dividende und Konzessionsabgabe – "damit es den Städten gut geht", sagt Heikamp sehr deutlich.

Regionaler Sponsor

Die bisherigen Internet-Anbieter würden keine Beratung und keinen Service anbieten und hier die Städte nicht unterstützen – "und sie engagieren sich auch nicht finanziell in der Region", machte Heikamp deutlich. Manche schickten gar Drückerkolonnen ins Bergische, um ausschließlich Kasse zu machen.

Die BEW hingegen sieht sich als regionaler Sponsor – vor allem in der Jugendarbeit. "Das ist uns wichtig, denn damit werden die Kinder von der Straße geholt", so Heikamp. So bekamen im vorigen Jahr 30 Jugendmannschaften je einen Trikotsatz – immerhin ein fünfstelliger Betrag. Und in Wermelskirchen tritt die BEW als Sponsor von zwei Großveranstaltungen auf: "Pop meets Classic" Ende April sowie bei einem Open-Air-Konzert in Hilgen-Neuenhaus im Juni. KOMMENTAR

(RP)