Ansichtssache: Millionen für Projekte und Sanierung - wer denkt an die Enkel?

Ansichtssache: Millionen für Projekte und Sanierung - wer denkt an die Enkel?

Fehlende Betreuungsplätze, kostenträchtige Projekte und ein Sanierungsstau, der eigentlich nicht bezahlbar ist - wie soll's weitergehen?

Wow. Die nächste Baustelle. 151 Betreuungsplätze fehlen. Ganz plötzlich und völlig unerwartet werden die Politiker mit dieser Hiobsbotschaft konfrontiert. Und was sollen sie machen? Sie müssen abnicken. Sechs Millionen Euro mal eben für neue Kindergärten, An- und Ausbauten. Plus Personalkosten. Mal gerade so. Wir haben es ja so dicke in Wermelskirchen.

Als der Awo-Kindergarten 2017 abserviert und die Kinder unter Tränen auf andere Einrichtungen verteilt wurden, hieß es, es gebe genügend Plätze. Ein Dreivierteljahr später ist alles Makulatur. Heute hü, morgen hott. Oder vielleicht: Was stört mich mein Geschwätz von Gestern? Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit der Politik? Es ist schon über ein Jahr bekannt, dass die Zahlen über die demografische Entwicklung in Wermelskirchen nicht mehr stimmen. Damals wurden die städtischen Planer vom "Kinderboom" überrascht. Da hätten die Fachleute wach werden müssen. Und auch die Gesetzgebung mit Kitaplatz-Sicherheit ist nicht neu. Die Fortschreibung von Kita- und Schulentwicklungsplan liegt nun vor. Nur: Das hilft natürlich jenen jungen Eltern nicht, die keinen Kitaplatz im Sommer bekommen. Und was dann? Hier haben Verwaltung und Politiker keine Antwort. Der Verdruss auf "die da oben" wird größer. Idealer Nährboden für Populisten. Was wird aus dieser Stadt nur?

Mit drei neuen Kindergärten plant die Stadt. Es gibt zwei neue Sportplätze, die den Vereinen zugesagt wurden. Der Brandschutz rückt mehr in den Fokus - neue Schlafraum-Module an der Feuerwache, neue Gerätehäuser. All das steht auf der Liste. Und dann der Bau der neuen Sekundarschule. Sicher eine Investition in die Zukunft, aber eigentlich so nicht als kompletter Neubau geplant. Und dann ein marodes Hallenbades. Seit über einem Jahr schiebt die Stadt jetzt die Zahlen über die Sanierung von städtischen Gebäuden vor sich her. Hinter vorgehaltener Hand wird inzwischen von einer Summe zwischen 30 und 40 Millionen Euro gesprochen, die benötigt wird, um hier die Fehler der Vergangenheit zu reparieren.

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Schwere Kost sicher nicht nur für den Kämmerer. Manchmal hat man den Eindruck, als laute die Devise in der Haushaltssicherung nun: Den Schuldenberg werden wir sowieso nicht los. Dann können wir ja richtig zulangen, ganz frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert. Kein gutes Signal für unsere Enkel, die die Zeche zahlen müssen. Ob die Wermelskirchen dann noch lebenswert ist?

Im Eifgen können Sozialwohnungen nicht vermietet werden, weil der Wohnberechtigungsschein den Betroffenen nicht erteilt wird. Doch die jüngste Studie über die regionalen Wohnraumanalyse zeigt: Es muss dringend Wohnraum geschaffen werden, auch in diesem Bereich. Warum kann man Menschen, die ein wenig über den Grenzsätzen liegen, nicht doch in diese Wohnungen einziehen lassen? Sie zahlen ein paar Cent mehr Miete, und dann sollte das Problem gelöst sein. Die Verwaltung zieht sich indes völlig aus einem Lösungsansatz zurück und verweist auf die Landesregierung. So ist das mit der Bürokratie.

(RP)
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