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Wermelskirchen: Mauerfall brachte Menschen zusammen

Wermelskirchen : Mauerfall brachte Menschen zusammen

Wäre die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland nicht gefallen, hätten sich Janet und Maic Plaga wahrscheinlich nie getroffen. Sie lernten sich 1991 in der Schwäbischen Alp kennen. Heute hat das Ehepaar zwei Söhne.

Wenn Maic und Janet Plaga an die Wiedervereinigung von Deutschland vor 25 Jahren zurück denken, so dürften sie noch ein bisschen mehr als andere über den Fall der Mauer erfreut sein: Nur durch die deutsche Einheit konnte der Wermelskirchener Maic seine Frau aus Forst, einem Teil der ehemaligen DDR, vor fast 23 Jahren kennenlernen. "Wir waren beide mit christlichen Freizeiten in der Schwäbischen Alp unterwegs. Und anfangs habe ich ihn irgendwie erst komisch gefunden", sagt die Vierzigjährige und lächelt ihren Mann an. Doch als Maic seine Gitarre einige Abende später auspackte und zu spielen begann, war Janet hin und weg von dem damals Zwanzigjährigen. Als "schicksalhaft" bezeichnet die gebürtige Forsterin die Begegnung an Silvester 1991. Schnell hat es zwischen beiden gefunkt, und die ersten Besuche wurden für Karneval und Ostern angesetzt. Zwischen den Besuchen wurden Briefe geschrieben oder sie haben telefoniert. "Wir hatten damals noch kein Telefon zu Hause. Dann haben wir uns immer zu einem bestimmten Zeitpunkt verabredet, und ich wartete an einer Telefonzelle", schmunzelt Janet.

An seinen ersten Besuch in Forst erinnert sich Maik noch ganz genau: "Alles sah irgendwie verfallen aus. Die Infrastruktur war unglaublich. Nur Schlaglöcher. Es war ein richtiger Kulturschock: Die Heizungen liefen mit Braunkohle, und Janet wohnte in einem richtigen Plattenbau." Gegenseitige Vorurteile waren bei dem Aufeinanderprallen von Ost- und West-Kulturen vorprogrammiert: Aufgrund von Maics schmalem Körperbau dachte Janets Mutter damals, im Westen gäbe es nicht genug zu essen. "Ich wurde erst mal durchgefüttert, auch wenn ich keinen Hunger mehr hatte", berichtet der Wermelskirchener. 1996 zog Janet dann nach Wermelskirchen, mangels Jobangeboten in Forst und Umgebung. Sie erinnert sich noch genau an den ersten Karneval in Köln: "Die Leute waren komisch angezogen, sie sind total ausgeflippt und haben sich komisch benommen. Ich habe nur gedacht: Das ist Karneval in Rio. Das kann nicht in Deutschland sein", sagt die Vierzigjährige und lacht. 1999 heiratete das Paar, mittlerweile wohnt es mit den Söhnen Erik (12) und Janik (10) in Hünger. Schwierig seien die Ost-West-Unterschiede im Bezug auf die Sprache: So herrscht Verwirrung bei Maic, wenn Janet von "dreiviertel vier" oder "viertel drei" spricht. Auch der Unterschied zwischen Pfannkuchen, Plinse und Berliner Ballen sei immer kompliziert. "Wir waren bei einer Tante von Janet nachmittags zum Pfannkuchen-Essen eingeladen. Ich war sehr verwirrt, als es plötzlich Berliner Ballen gab", erzählt Maic. Trotz eines Zwischenfalls, wo Janet einmal beschimpft wurde, sie solle in den Osten zurück gehen, fühlt sich sie sehr wohl in ihrer Wahlheimat. "Ich wurde super aufgenommen hier, und man hat mir viel geholfen", sagt Janet strahlend.

Doch einmal im Jahr ziehe es sie in die Heimat zurück - zu ihren Eltern und ihrer Großmutter, in das flache Land, wo es im Sommer keinen Regen gibt und das Fahrradfahren angenehmer ist.

(srb)