Wermelskirchen: Matinee-Partystimmung nach WM-Sieg

Wermelskirchen : Matinee-Partystimmung nach WM-Sieg

Hunderte strömten um Mitternacht nach dem WM-Sieg gegen Argentinien in die Innenstadt und verwandelten das "Bermuda-Dreieck" in eine Party-Meile. Ausgelassen, aber friedlich wurde bis in die Morgenstunden gefeiert.

Mario Götze hat Fußball-Deutschland erlöst - und Hunderte von Wermelskirchenern dankten es ihm. "Wir sind Weltmeister", riefen sich die Männer und Frauen, Jungen und Mädchen zu, gratulierten sich und fielen sich nach dem dramatischen Finale kurz vor Mitternacht um den Hals. Und dann ging's los: Der Autokorso auf Telegrafenstraße und Eich schwoll zu einem Endlos-Strom an - gefeiert wurde schließlich bis morgens um vier im "Bermuda-Dreieck". Friedlich, aber ausgelassen.

Abgekämpft, aber glücklich Diese Fans machen um Mitternacht erst einmal ein Päuschen. Foto: Teifel, Udo (tei)

Absolute Stille herrschte auf der Eich bis zum Abpfiff. Centrale-Gastwirt Dirk Götz lief die letzten Minuten in der Verlängerung hin und her. "Ich glaube, ich kriege hier heute noch einen Herzinfarkt." Zum Glück nicht. Währenddessen stimmten die ersten Gäste die Siegesgesänge an. Und der Abpfiff war schon nicht mehr zu hören - Raketen und Böller wurden auf der Kölner Straße gezündet. Die Party begann.

Partystimmung wie im Karneval: Diese Fans genossen den Sieg von der Ladefläche eines Lastwagens. Foto: Teifel, Udo (tei)

Wermelskirchen lag sich in den Armen. Wildfremde beglückwünschten sich. Ließen ihren Emotionen freien Lauf. Laut hupend drehten die Autos ihre Runden - Telegrafenstraße - Kreisel Jörgensgasse - Kölner Straße. Vor der "Centrale" staute es sich: Die Autos mussten durch die Gasse. Die Beifahrer wurden abgeklatscht. Stimmung pur.

Stimmung am Straßenrand, aber auch in den Autos: Wermelskirchen freut sich mit den Siegern. Foto: Teifel, Udo (tei)

Dann wurde es heftiger - das Aufschaukeln der Fahrzeuge begann. Und der Rückstau wurde immer länger. Später kletterten die ersten Jugendlichen auf die Motorhaube, später dann sogar auf die Autodächer. Aber alles blieb friedlich.

Mama Silke Vogel lacht, die Zwillinge kämpfen mit der Müdigkeit. Foto: Teifel, Udo (tei)

Die ersten Bengalo-Feuer wurden gezündet, ebenso Rauchkerzen. Ein Fan "warf" dann den Ghetto-Blaster an - das Hupen und die Siegesgesänge wurden übertönt von lauter Partymusik. Die Feier ging weiter, ein Regenschauer kühlte kaum ab.

Bengalo-Fackeln zündeten diese Fans im "Bermuda-Dreieck" an. - So sehen Siegerinnen aus: Im richtigen Outfit, da musste einfach die Fan-Begeisterung bis nach Brasilien rüberschwappen. - Kein Auto ist so klein, dass man nicht noch einen Fan hätte mit aufnehmen können, meinen diese sechs Wermelskirchener. Foto: Teifel, Udo (tei)

Als dann ein Trecker mit Planwagen-Hänger seine Runden drehte und später ein 7,5 Tonner mit aufgeschlagener Plane und feiernden Fußball-Fans auf der Ladefläche durch die Gasse fuhren, hatte die Party ohne Zweifel ihren Höhepunkt.

Bengalo-Fackeln zündeten diese Fans im "Bermuda-Dreieck" an. - So sehen Siegerinnen aus: Im richtigen Outfit, da musste einfach die Fan-Begeisterung bis nach Brasilien rüberschwappen. - Kein Auto ist so klein, dass man nicht noch einen Fan hätte mit aufnehmen können, meinen diese sechs Wermelskirchener. Foto: Teifel, Udo (tei)

"André, die Party hast du toll organisiert", lachte dann auch Rainer Jahnke und prostete André Frowein zu. Der Sparkassenchef und der Stadtmarketing-Geschäftsführer standen am Straßenrand und genossen wie all die anderen Zuschauer den Trubel. "Da muss man einfach dabei gewesen sein. So etwas gibt es nicht jedes Jahr", sagte Jahnke.

Bengalo-Fackeln zündeten diese Fans im "Bermuda-Dreieck" an. - So sehen Siegerinnen aus: Im richtigen Outfit, da musste einfach die Fan-Begeisterung bis nach Brasilien rüberschwappen. - Kein Auto ist so klein, dass man nicht noch einen Fan hätte mit aufnehmen können, meinen diese sechs Wermelskirchener. Foto: Teifel, Udo (tei)

"Wir hatten keinen Stress", beschrieb gestern Polizeichef Andreas Weilermann den Abend. Im Klartext: Es ist nichts passiert. Die Polizeibeamten mussten nicht eingreifen. "Wir mussten nur die Kehrmaschine anfordern", sagte er. Denn die Glasscherben waren nicht zu übersehen. Die Polizei hielt sich übrigens sehr zurück und beobachtete das Geschehen; bei der letzten Tour gegen 4.27 Uhr gab's den einzigen (Sach-)Schaden: Ein Funkwagen fuhr sich den Reifen kaputt. Sonst gab's aber keine Vorkommnisse.

Für die Fans geht's jetzt weiter: Die neuen Nationaltrikots mit den vier Sternen sind gefragt. Jörg Schmidt (Intersport Profimarkt): "Unser erster Anruf am Montagmorgen war ein junger Mann, der ein Trikot haben wollte." Schmidt erwartet die neuen Trikots Anfang August. Schneller gibt's die T-Shirts zum WM-Sieg - die sollen in diesen Tagen kommen. Und das in zwei Versionen: jene, die manche Spieler und Betreuer noch im Stadion übergestreift hatten, und in der "Coming-Home-Version". Die Fans wird's freuen. Die Trikots haben ihre Gültigkeit bis Dezember 2015 - dann gibt's neue.

Nenad Postic, Fußball-Abteilungsleiter des SV 09/35, erwartet jetzt wieder einen stärkeren Zulauf bei Bambinis und F-Junioren - wie nach jeder WM oder EM. "Wir freuen uns jedes Mal darauf."

(RP)