Gesamtschule in Wermelskirchen Für eine ehemalige Lehrerin „ist Sechszügigkeit völlig logisch“

Wermelskirchen · Die zweite Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur Marie-Louise Lichtenberg meldet sich in der Diskussion um die Zügigkeit der Gesamtschule Wermelskirchen zu Wort. Sie reagiert mit Unverständnis auf die Beschlussempfehlung des Schulausschusses.

Marie-Louise Lichtenberg appelliert an die Politik: „Stimmen sie mutig und zukunftsweisend für eine sechszügige Gesamtschule.“

Marie-Louise Lichtenberg appelliert an die Politik: „Stimmen sie mutig und zukunftsweisend für eine sechszügige Gesamtschule.“

Foto: Jürgen Moll

Auch wenn sie längst im Ruhestand ist: Die ehemalige Lehrerin Marie-Louise Lichtenberg macht sich nach wie vor für Bildung stark – als zweite Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur (AKJ) ist sie deutschlandweit aktiv und gilt als Verfechter der Lese-Förderung bei Kindern sowie Jugendlichen.

Jetzt meldet sich Marie-Louise Lichtenberg in der Diskussion um die Zügigkeit der neuen Gesamtschule zu Wort. Auslöser waren die Berichterstattungen unserer Redaktion über die Beschlussempfehlung des Schulausschusses an den Stadtrat zur Beantragung einer fünfzügigen Gesamtschule sowie die daraus entstandenen Reaktionen in Form einer Unterschriftensammlung durch die Schulpflegschaft der Grundschule Am Haiderbach und eines Offenen Briefes der Gesamtschul-Eltern – beide Aktionen sind verbunden mit der Forderung nach einer sechszügigen Gesamtschule (wir berichteten).

„Als ehemalige Lehrerin der Städtischen Hauptschule Wermelskirchen habe ich mit Unverständnis und Kopfschütteln gelesen, dass sich die Mehrheit des Schulausschusses für eine fünfzügige Gesamtschule Wermelskirchen ausgesprochen hat“, sagt Marie-Louise Lichtenberg und führt aus: „Vertreter und Vertreterinnen aus CDU, SPD, Bürgerforum und Freie Wähler ignorieren die Zahlen des Schulentwicklungsplanes, der besagt, dass die Schülerzahlen in den nächsten Jahren stark ansteigen werden. Grüne und FDP beantragen deshalb, für eine Sechszügigkeit zu stimmen – was der Sache geschuldet und völlig logisch ist.“

Marie-Louise Lichtenberg erinnert an die Zeit ihrer beruflichen Tätigkeit: „Ab 1995 gab es nur noch eine Hauptschule von ursprünglich dreien in Wermelskirchen. Die Schülerzahlen stiegen und wir waren zeitweise siebenzügig. Mit mehr als 900 Kindern waren wir eine der größten Hauptschulen in Deutschland. Da es aber nur noch eine Hauptschule in Wermelskirchen gab, mussten wir alle Kinder, die angemeldet wurden, auch aufnehmen. Die Klassen waren voll und nahezu alle gaben sich redlich Mühe, den Kindern zu guten Abschlüssen zu verhelfen. Mit ‚alle’ meine ich Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitung, Eltern und Schülerinnen und Schüler. Dazu kam, dass aus meiner Erinnerung heraus auch die damalige Verwaltung und Politik uns jede Unterstützung gab. So wird ein Schuh draus.“

Aktuell habe sie jedoch den Eindruck, dass der gerade erst gegründeten Gesamtschule Steine in den Weg gelegt werden. „Mir klingt es noch in den Ohren, dass aus dem Rathaus posaunt wurde, die Zahlen der Kinder, die in den Nachbarstädten die Schule besuchen, müsse man mindestens halbieren wenn nicht gar noch weiter begrenzen. Alle Wermelskirchener Kinder müssten auch hier in die Schule gehen können, hieß es“, sagt Marie-Louise Lichtenberg und schätzt ein: „Bei einer Fünfzügigkeit liegt es auf der Hand, dass in den nächsten Jahren nicht jedes Kind aus Wermelskirchen auch in Wermelskirchen einen Schulplatz bekommen kann. Was natürlich zur Folge hat, dass die Zahlen der pendelnden Kinder wieder zunehmen wird. Wie furchtbar ist das für die Eltern, die endlich gehofft hatten, ihr Kind in Wermelskirchen zur Schule schicken zu können.“

Am Montag, 18. September, tagt der Wermelskirchener Stadtrat ab 17 Uhr. Dabei soll die endgültige Entscheidung fallen, welche dauerhafte Zügigkeit für die Gesamtschule bei der Bezirksregierung Köln beantragt werden soll. Es ist übliche Regel, dass der Rat der Beschlussempfehlung eines Fachausschusses folgt.

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