Landwirtschaft in Wermelskirchen : Mangold vom Feld nebenan

Florian Krüger will einen ökologischen Gemüseanbau auf den Weg bringen und eine solidarische Landwirtschaft gründen – er ist hochmotiviert. Noch sind die Behörden nicht überzeugt.

Der alte Fendt rollt langsam den Berg zu den Eipringhauser Feldern hinauf. Florian Krüger nimmt sich diesen Augenblick Zeit und blickt über das Bergische Land. Hier will er seinen Traum verwirklichen und Zukunft gestalten, hier will er ein Modell auf den Weg bringen, das den Menschen die Gelegenheit geben soll, wieder ein Gespür für die Natur und ihre Früchte zu bekommen. Der 23-Jährige lenkt den alten Trecker über den Feldweg. Wer einen Blick auf seine Hände wirft, der entdeckt schnell, dass sie es gewöhnt sind, mit der Erde zu arbeiten. Und wer mit ihm ins Gespräch kommt, der findet eine gesunde Portion Idealismus, einen ganzen Topf voller Ideen und die Bereitschaft, hart zu arbeiten.

Als Florian Krüger den Eingang seiner Wiese von einem dicken Seil befreit, nimmt er sich wieder diesen Augenblick. Früher haben ihr Pferde gestanden und nun will der junge Gärtner hier seine Idee von solidarischer Landwirtschaft umsetzen. Wo andere Landwirte ihre Höfe schließen und dem Druck nicht mehr standhalten können, da will Florian Krüger einen Hof entwickeln und Landwirt sein. „Ich glaube, dass die solidarische Landwirtschaft das Konzept der Zukunft ist“, sagt er. Menschen mit einem Bewusstsein für regionale Bio-Produkte werden bei diesem Konzept Teil der Idee. Sie verpflichten sich zu monatlichen Zahlungen und erwerben damit einen Anspruch auf ihren Teil der Ernte. „Wer mag, kann sich dann auch beim Pflanzen und beim Ernten, beim Sähen und beim Gießen beteiligen“, sagt Krüger. Familienfest und Schulbesuche seien denkbar. Und dann blickt er wieder auf seine Wiese, die er bereits gepachtet hat.

Sie liegt am Hang gleich neben dem Wald und einer Pferdekoppel. Auf einem halben Hektar könnte hier fürs erste Biogemüse angebaut werden – die Umstellung der Fläche auf biologische Landwirtschaft könnte sofort beginnen und in zwei Jahren abgeschlossen sein. 30 Kulturen hat Florian Krüger im Blick: Salate und Mangold, einmal bunt durch den Kohl, Radieschen und Spinat, Kürbis, Bohnen und Fenchel, Möhren, Rote Beete, Zwiebeln und Porree, Pastinaken, Freiluftgurken und ein paar Obstbäume und Sträucher, die dann Beeren, Äpfel, Birnen und Kirschen tragen würden. „Und irgendwann könnte hier ein kleines Glashaus stehen, in dem wir Paprika, Tomaten und Auberginen anpflanzen“, sagt der 23-Jährige. Bisher wachsen die Jungpflanzen im Gewächshaus seiner Eltern.

Florian Krüger weiß, wovon er redet: Denn er hat sich in den vergangenen vier Jahren zum Biologisch-Dynamischen Demetergärtner ausbilden lassen. Und weil der Ausbildungsgang staatlich nicht anerkannt ist, hat er den staatlichen Abschluss zum Gärtner im Fachbereich Gemüseanbau oben drauf gesetzt. Er hat auf vielen verschiedenen Höfen – vor allem im Ruhrgebiet – erlebt, wie solidarische und biologische Landwirtschaft funktioniert. Seit dem Gartenbauunterricht auf der Waldorfschule hat ihn diese Faszination für Natur und Erde, für Bodenfrucht und Landwirtschaft nicht mehr losgelassen. Heute arbeitet er auf einem Demeterhof in Wetter – mit vielen Erfahrungen und zwei erfolgreichen Abschlüssen in der Tasche. Es sei die Arbeit unter freiem Himmel mit den eigenen Händen, die ihm echte Freu-de mache.

Noch allerdings hat er für seine Pläne nicht alle nötigen Bewilligungen: „Die gesetzliche Lage sieht so aus, dass Grünlandumbruch nur unter ganz strengen Bedingungen möglich ist.“ Aus einer Wiese eine Ackerfläche zu machen, bedarf der Zustimmung der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis. Die Anträge hat er bereits im April gestellt: „Es gibt viele Hürden“, sagt Krüger inzwischen. Einige hat er bereits genommen: Statt des geplanten Zauns will er die Fläche mit einer Hecke zum Wald abgrenzen, eine Ausgleichsfläche für das neue Ackerland hat er in Zusammenarbeit mit einem Landwirt in Lindlar aufgetan und ein Berater der Landwirtschaftskammer hat ihm nach der Anforderung der Behörde eine ausgesprochen positive Bestätigung ausgestellt, dass sich die Wiese zum Gemüseanbau eigne. „Aber es tauchen immer neue Hürden auf“, sagt Krüger.

Das sorgt für viel Wartezeit, die den jungen Wermelskirchener zuweilen frustriert. „Beim biologischen Gemüseanbau geben wir dem Boden doch auch viel zurück“, sagt er. Während er in der Warteschleife hängt, sprudeln die Ideen allerdings weiter: Er denkt über die Finanzierung eines Lastenfahrrads nach, mit dem er das Gemüse zu den Anteilseigner bringen könne. Und irgendwann sei die Erweiterung des Projekts um die Mühle im Tal möglich – mit Hofladen, Kooperationen mit Bäckern und Käsereien. Florian Krüger hat alles genau vor Augen – und wartet nun auf das grüne Licht von der Behörde.

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