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Mangas erobern die Bücherregale

Wermelskirchen : Mangas erobern die Bücherregale

Die Welt der Comics ist eingefleischten Literaturliebhabern schon immer suspekt gewesen. Umso irritierter registrieren sie, wie diese Welle aus Japan herüberschwappt. . Ein Trend, von dem auch die Buchhandlung van Wahden profitiert.

Gabriele van Wahden mag auf kein Gesicht in ihrem Team verzichten. Eine Mitarbeiterin hat jedoch ein Know-how eingebracht, das der Buchhändlerin bisher fehlte: „Seit Mai 2018 haben wir die Buchhändlerin und Comic-Fachfrau Aranka Schindler (48) an Bord.“ Schindler, die freiberuflich als Redakteurin und Übersetzerin für Comicverlage tätig ist, könne man „als echte Expertin bezeichnen, wenn es um die zunehmend beliebten Mangas“ gehe. Ein Genre, bei dem van Wahden  „leider passen muss“ - so sehr sie sich „auch sonst für alle Arten von Literatur interessiere“. Bei den Comics aus Japan höre ihr Verständnis auf: „Das geht schon damit los, dass ich mich einfach nicht daran gewöhnen kann, von hinten nach vorne zu lesen.“ Genau das würden überzeugte Manga-Fans aber erwarten: „Dass sie die Geschichten eben nicht gespiegelt auf den deutschen Markt bringen, sondern genau so, wie sie vom Aufbau her in Fernost konzipiert wurden.“

Eine Aussage, die van Wahdens beste Manga-Kundin, die 14-jährige Gymnasiastin Daria Herbertz, aus vollem Herzen bestätigen kann: „Natürlich liest man einen Manga ungespiegelt“, sagt die Liebhaberin von Reihen wie „Maid-sama“ oder „Black Butler“, die sie gleich bändeweise in der kleinen Buchhandlung am Markt bestellt und dabei Monat für Monat ihr ganzes Taschengeld ausgibt. Was typisch sei „für Jugendliche, die einmal auf den Manga-Geschmack gekommen sind“, erklärt Aranka Schindler und bekräftigt die Worte ihrer Chefin, wonach „die Comics aus Japan als Selbstläufer in der Jugendliteratur einzustufen“ seien. Denn anders als die Fans von unbebilderten Büchern wollten die Jungen und Mädchen die Werke besitzen: „Die Ausgaben digital zu lesen genügt ihnen meist nicht. In diesem Wunsch ähneln sie Kindern, die jeden Band von Donald Duck daheim im Regal sehen wollen.“

Schindler selbst hat dieses Sammler-Gen nicht entwickelt - obwohl sie auch mehr als 15 Jahre für Comic- und Manga-Verlage gearbeitet hat: „Vermutlich war ich schon zu alt, als ich erstmals auf dieses Genre stieß.“ Trotzdem könne sie nachvollziehen, was Heranwachsende wie die junge Kundin Daria oder ihre Freundin Sophie (15), die nach eigenen Angaben vor allem viel Geld für Mangas der Kategorie Romance und Action ausgibt, so fasziniert: „Abgesehen von dem hohen zeichnerischen Niveau und dem schnellen Erzähltempo sind es die Themen, die begeistern.“ Fast immer gehe es um Liebe oder fantastische Abenteuer, die von Charakteren mit Herz und Verstand durchlebt würden. „Weil diese Geschichten zudem in einer literarischen Kunstform präsentiert werden, die den meisten Eltern in Deutschland total fremd ist, empfinden Jugendliche die Mangas als cool.“

Was van Wahden zufolge aber nicht für beide Geschlechter gleichermaßen gelte: „Bei uns in Wermelskirchen sind es bisher eher jugendliche Mädchen, die auf den Manga-Zug aufgesprungen sind.“ Nach Ansicht ihrer Mitarbeiterin Schindler könnte sich das aber ändern: „Es gibt schließlich neben Death Note, der Geschichte eines hochintelligenten Schülers, der Gerechtigkeit verbreiten möchte, noch unzählige andere Mangas, die wunderbarer Stoff für Erwachsene und ältere Jungs sind.“ Auch für ganz junge Kinder gebe es tolle Titel wie Dragon Ball, worin sich ein kleiner Junge mit ungewöhnlichen Kräften mit seinen Freunden auf die Suche nach sieben Drachenbällen macht. Eher für junge Mädchen seien die Bücher der Autorin und Manga-Zeichnerin Arina Tanemura, während sie Eltern und Kindern gleichermaßen Yotsuba empfehlen könne. Wer dagegen etwas kaufen wolle, „das sich von jedermann einfach und schön lesen lässt“, dem lege sie Grimms Manga ans Herz - „eine Serie, in der Grimms Märchen neu erzählt und bebildert wurden“. Und wer mit Mangas nun wirklich gar nichts am Hut habe, dem wolle sie zumindest die Sorge nehmen, dass viel Trash im Umlauf sei: „Was auf dem deutschen Buch-Markt ankommt, wurde zuvor in japanischen Magazinen ausgetestet. Dadurch landet nur das Beste vom Besten in unseren Läden“.