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Wermelskirchen: Mahnwachen ohne Erfolg - Mehmet Duda abgeschoben

Wermelskirchen : Mahnwachen ohne Erfolg - Mehmet Duda abgeschoben

Einen Tag vor Ablauf der Duldung wurde der Asylbewerber in Handschellen gefesselt aus seiner Wohnung geholt.

Ehefrau Xevahiera Duda sitzt, ihre Hände auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt, auf dem Sofa und weint bitterlich. Die beiden Jungs Aslan (11) und Arijan (7) stehen um 6 Uhr traumatisiert im Raum und sehen, wie ihr Vater Mehmet, ebenfalls gefesselt mit Handschellen, abgeführt wird. Sie werden ihn vermutlich auf lange Zeit nicht wiedersehen: Mehmet Duda ist gestern, einen Tag vor Ablauf der Duldung, vom Ausländeramt des Kreises in Begleitung von Polizeibeamten festgenommen worden. Heute soll er um 7.15 Uhr vom Flughafen Düsseldorf in den Kosovo abgeschoben werden.

Duda gelang es noch, Dorothea Hoffrogge über die Aktion des Ausländeramtes zu informieren. Begleitet von Pfarrer Traugott Schuller fuhr sie sofort zur Wohnung der Dudas. Und war entsetzt über das Vorgehen des Ausländeramtes. "Der Kreis ignoriert völlig die getroffenen Absprachen und die Tatsache, dass der Petitionsausschuss noch eine Sachlage prüfen wollte und wir einen Antrag an die Härtefallkommission gestellt haben", sagte die Vorsitzende des Presbyteriums Hilgen-Neuenhaus. "Zudem hat das Ausländeramt vorige Woche erklärt, man werde Mehmet Duda das Ergebnis am Mittwoch mitteilen." Auch der Anwalt sei erst am Dienstag gegen 8.18 Uhr per Fax informiert worden, das eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Bergisch Gladbach am selben Tag über die Abschiebung stattfinde — "ohne Angabe einer Uhrzeit".

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Dem Ausländeramt habe man zugesagt, im Falle einer Abschiebung Mehmet Duda zu überzeugen und zu begleiten. "Bei einer freiwilligen Ausreise hätten wir mit der Diakonie Trier, die im Kosovo eine Anlaufstelle hat, alles vorbereiten können. Was hier passiert ist, ist gegen die Absprache mit dem Ausländeramt", schimpfte Hoffrogge. Zumal müsse er jetzt die Kosten der Abschiebung — rund 5000 Euro — zahlen. "Sonst hätte er nur den Flug bezahlt."

Schlimm sei, dass nun die Familie allein dastehe — Dudas Ehefrau sei Analphabetin. Der elfjährige Aslan trage nun die Last, alles regeln zu müssen. "Wir werden auf jeden Fall die Familie begleiten", versprach Dorothea Hoffrogge.

Dudas Anwalt wollte gestern beim Verwaltungsgericht Münster eine Einstweilige Verfügung beantragen — die Reisefähigkeit des Familienvaters sei nicht geklärt. Hoffrogge: "Es ist tragisch. Wir haben uns fair gegenüber dem Ausländeramt verhalten und hätten eine geregelte Ausreise organisiert. Das, was der Kreis da veranstaltet, ist ein schlechter Zug."

Die Kreisverwaltung sieht sich in ihrem Vorgehen bestätigt. Das erklärte Sprecherin Birgit Bär. "Wir haben am Montag schriftlich das Ergebnis der Anhörung des Petitionsausschusses bekommen. Darin wird unsere Rechtsauffassung bestätigt." Deshalb seien sofort der Durchsuchungsbeschluss und der Haftbefehl beantragt worden, der am Dienstagmorgen vollstreckt wurde.

Von "Absprachen" mit der Ausländerbehörde sei im Kreishaus nichts bekannt. Zudem habe Duda erst in der vergangenen Woche bei einem Anhörungstermin wiederholt erklärt, er werde "nie freiwillig" ausreisen. Auf Absprachen hätte Duda nie hingewiesen. "Seit 2011 wusste Mehmet Duda, dass er jederzeit vollziehbar ausreisen muss."

Bär wies daraufhin, dass der jüngste Anhörungstermin des Petitionsausschusses schon der zweite gewesen sei. "Wir waren nicht dazu verpflichtet, diesen Termin abzuwarten, haben es aber dennoch getan", so die Sprecherin. Auch der Antrag an die Härtefallkommission sei nicht neu. Vor Monaten sei so ein Antrag schon einmal erfolgt, sagte Bär. "Die Kommission sah damals keinen Anlass, sich einzuschalten."

(RP)